17. Juni 2016, 10:56
Teilen bei: Ihren XING-Kontakten zeigen | Ihren XING-Kontakten zeigen

Europäische Banken reagieren auf Margendruck

Die EZB-Politik ist eine Herausforderung für die traditionellen Geschäftsmodelle der europäischen Banken. Könnte diese Politik zu einer radikalen Neuordnung der Bankenlandschaft führen? Und wenn ja, wer werden die Gewinner und Verlierer dieses Prozesses sein? Gastkommentar von Steve Hussey, AllianceBernstein.

Hussey-Steve AB-Kopie in Europäische Banken reagieren auf Margendruck

Steve Hussey untersucht die aktuellen Herausforderungen der Banken.

Die Gewinnmargen der europäischen Banken werden durch die Nullzinspolitik der EZB erheblich unter Druck gesetzt, eine schwächelnde Kreditnachfrage verstärkt einen starken Verdrängungswettbewerb und hohe regulatorische Kosten verursachen weitere Probleme. Banken verdienen im Kreditgeschäft immer weniger. Bisher haben die weitaus meisten Banken es vermieden, die Kosten für die negativen Einlagenzinsen an die Kunden weiterzugeben. Aber die Banken mit den größten Einlagen stehen an einem Wendepunkt, weitere Verluste aus diesem Bereich werden sie nicht mehr lange absorbieren können.

Kleine Reförmchen werden nicht ausreichen

Viele Banken werden weitere Zinssenkungen nicht mehr an die Kreditkunden weiterleiten. Einige Institute werden sogar die Kreditkosten anheben, wie es in der Schweiz und Dänemark bereits geschieht. Zudem werden immer mehr Banken Servicegebühren für bislang kostenlose Dienstleistungen einführen wie etwa das so beliebte kostenfreie Girokonto. Aber die europäische Bankenbranche ist ein übersättigter Markt. Zusätzlicher Wettbewerbsdruck entsteht durch neuartige Konkurrenten aus der Technologiewelt. Die etablierten Banken haben daher wenig Spielraum, bei klassischen Bankprodukten an der Kostenschraube zu drehen. Gleiches gilt für die lang ersehnte Ausweitung des Kreditgeschäfts. Das Kreditwachstum in Europa ist fast überall mau und konzentriert sich zudem auf margenschwache Produkte wie Hypothekendarlehen.

Alle diese Faktoren deuten darauf hin, dass halbherzige Umstellungen den Banken keine nachhaltige Verbesserung der Profitabilität bescheren werden. Dies gilt umso mehr, da die Kunden ihr Geschäftsgebaren mit Banken im Zeichen sinkender Zinsen gerade grundlegend ändern. Langfristig bindende Sparprodukte finden keinen Absatz mehr. Auf der Hypothekenseite ist es genau umgekehrt, die Häuslebauer sichern sich langfristig niedrige Zinsen. Diese Trends erodieren die Gewinne der Banken weiter.

Wer wagt, gewinnt?

Um eine nachhaltige Zukunftsperspektive zu haben, sollten die Banken daher eine grundlegende Umstrukturierung ihrer herkömmlichen Geschäftsmodelle in Betracht ziehen. Dazu könnte gehören, die Kunden zum Wechsel von Sparkonten in margenträchtigere Produkte wie Investmentfonds oder Altersvorsorgestrukturen zu bewegen. Dies könnte gleichzeitig zu einer Verfestigung der Kundenbeziehung führen und perspektivisch weitere Absatzmöglichkeiten eröffnen. Banken mit etablierten und modernen Fondsplattformen sind eindeutig gut positioniert, um sich auf gebührenträchtige Spar- und Vorsorgeprodukte zu fokussieren. Kleinere Institute könnten gezwungen sein, über Umwege wie Joint Venture Zugang zu diesem attraktiven Geschäftsfeld zu erhalten.

Seite zwei: Welchen Ländern stehen die größten Veränderungen bevor?

Weiter lesen: 1 2

Ihre Meinung



 

Versicherungen

Kompositversicherung: Neue Konkurrenz durch digitale “Ökosysteme”

Digitale ‘Ökosysteme‘ der großen Technologie- und Internetkonzerne werden das Komposit-Privatkundengeschäft in Deutschland in den nächsten Jahren entscheidend prägen und bald einen Großteil der Gewinne beanspruchen. Der Wettbewerb wird sich dadurch deutlich verschärfen.

mehr ...

Immobilien

Baugenehmigungen: Verfehlte Wohnungspolitik lässt Zahlen sinken

Einmal mehr sind nach Erhebung des Statistischen Bundesamts die Zahlen für Baugenehmigungen in Deutschland erneut gesunken. Eine dramatische Entwicklung meint der BFW Bundesverband Freier Immobilien- und Wohnungsunternehmen e.V.

mehr ...

Investmentfonds

Verschärfter Handelskonflikt wird globale Wachstumserholung verzögern, aber nicht verhindern

Die Verschärfung des Handelskonflikts zwischen den USA und China führt zu einer länger anhaltenden Handelsunsicherheit und wird das Vertrauen der Unternehmen und die Investitionen belasten. Beide Staaten dürften aber weiter an einem Abkommen interessiert sein, die von NN IP erwartete globale Erholung könnte sich jedoch etwas verzögern.  Ein Gastbeitrag von NN Investment Partners.

mehr ...

Berater

P&R: Vertriebshaftung wegen Anschreiben

Das Landgericht Berlin hat einen Finanzdienstleister zur Rückabwicklung der Investition eines Anlegers bei dem inzwischen insolventen Container-Anbieter P&R verurteilt. Zum Verhängnis wurde dem Vertrieb ein unbedachter Satz in einem Anschreiben.

mehr ...

Sachwertanlagen

G.U.B. Analyse: „A-“ für ProReal Deutschland 7

Das Hamburger Analysehaus G.U.B. Analyse bewertet die von der One Group aus Hamburg konzipierte Vermögensanlage ProReal Deutschland 7 mit insgesamt 77 Punkten. Das entspricht dem G.U.B.-Urteil „sehr gut“ (A-).

mehr ...

Recht

Bundesrat sagt ja zu E-Scootern 
- Das müssen Sie beachten

E-Scooter liegen voll im Trend. Neben den USA haben viele europäische Länder die elektrischen Tretroller bereits zugelassen. Nun zieht Deutschland nach. Am 3. April dieses Jahres hatte das Bundeskabinett die Zulassung von Tretrollern mit Elektromotor beschlossen. Heute folgte der Bundesrat. Arag Rechtsexperte und Rechtsanwalt Tobias Klingelhöfer erklärt, worauf man als Fahrer zu achten hat.

mehr ...