Europäische Banken reagieren auf Margendruck

Welchen Ländern stehen die größten Veränderungen bevor?

Europas Bankkunden sind ein bunter Haufen. Es bestehen erhebliche Unterschiede im Spar- und Anlageverhalten zwischen den einzelnen europäischen Ländern. Die Auswirkungen eines Branchenumbruchs werden daher auch verschieden groß sein.

Die Deutschen sind eifrige Sparer, und sie halten mehr Vermögen in Sparbüchern und Festgeld als ihre Brüder und Schwestern in anderen großen Euroländern. Niederländische Haushalte sind primär im Pensionsfondsbereich veranlagt, während spanische Verbraucher 80 Prozent ihres Nettovermögens in Immobilien halten. Deutsche und niederländische Haushalte dürften daher stärker von Zinsschwankungen abhängig sein, als dies in Spanien, Italien und Frankreich der Fall ist. Folglich haben deutsche und niederländische Banken großes Potenzial, ihre Kunden aus Einlageprodukten in einträglichere Fonds zu switchen.

Bei den Sparkontozinsen gibt es große regionale Unterschiede. In einigen Ländern gibt es spezielle Anreize, welche die Kunden zum Verbleib in Sparkonten bewegen könnten. In Frankreich etwa sind die Erträge aus dem „Livret A“-Sparbuch steuerfrei.

Deutsche und spanische Banken bieten die niedrigsten Einlagezinsen. Einige spanische Banken haben Sparer aktiv in außerbilanzielle Produkte wie Fonds gedrängt. In Deutschland war dies bislang kaum der Fall, dort ist das entsprechende Potenzial daher umso grösser.

Trotz all dieser Entwicklungen dürfte sich das Bankkundenverhalten dennoch nur in kleinen Schritten ändern. Daher glauben wir, dass der Wandel in der europäischen Bankenlandschaft eher evolutionär als revolutionär vonstattengehen wird. Steve Hussey ist Head of Financial Institutions Credit Research bei AllianceBernstein, New York.

Foto: AllianceBernstein

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