19. April 2016, 10:16
Teilen bei: Ihren XING-Kontakten zeigen | Ihren XING-Kontakten zeigen

Hohe Sparquote ist keine Reaktion auf Negativzinsen

Wenn die EZB am Donnerstag tagt, trifft sie auch ihre Kritiker. Gastbeitrag von Karsten Junius, Safra Sarasin AG

JuniusSarasin in Hohe Sparquote ist keine Reaktion auf Negativzinsen

Karsten Junius, Bank J. Safra Sarasin.

Manche davon argumentieren, dass Privathaushalte in Reaktion auf die Negativzinsen noch mehr sparen würden und so die Konjunktur belasten. Wir finden keine Evidenz für diesen Effekt. Stattdessen haben unerwartet hohe Reallohnsteigerungen dazu geführt, dass die Ersparnisse in Euroland angestiegen sind.

 Theoretisch denkbar ist vieles. Und so auch, dass private Haushalte mehr sparen, wenn sie dafür weniger Zinsen bekommen. Normalerweise sollte das jedoch anders sein. Daher senken Zentralbanken ihre Leitzinsen, wenn sie möchten, dass weniger gespart und dafür mehr konsumiert und investiert wird.

Kritiker der Niedrigzinspolitik der EZB argumentieren aber, dass dies nun anders sei. Haushalte müssten nun mehr sparen als zuvor, um sich in der Zukunft ein gewisses Wohlstandsniveau zu erhalten, da aufgrund der niedrigen Zinsen der Vermögenszuwachs nicht mehr so stark ist wie angenommen. Als Beleg für diese Argumentation führen sie an, dass die Sparquoten in den vergangenen zwei Jahren wieder angestiegen sind – also seit Einführung negativer Einlagenzinsen durch die EZB. So beträgt der Anstieg der Sparquote in Deutschland rund einen Prozentpunkt.

 

Betrachtet man längere Zeiträume und verschiedene Länder lässt sich die höhere Ersparnisbildung aber auch ganz anders erklären. Sparquoten steigen normalerweise mit den Arbeitslosenquoten an – also in einem ökonomisch unsicheren Umfeld. Verständlicherweise wollen Haushalte keine großen Ausgaben tätigen, wenn sie sich über die Stabilität ihres Arbeitsplatzes nicht sicher sein können oder gar ihren Job verloren haben.

Eine höhere Sparquote ergibt sich hingegen auch, wenn die Realeinkommen stark ansteigen. Dies ist vor allem dann der Fall, wenn die höheren Realeinkommen darauf zurückzuführen sind, dass die Inflation niedriger als erwartet ist. Haushalte realisieren dann manchmal erst mit einer gewissen Verzögerung, dass sie sich eigentlich mehr leisten können als angenommen. Für eine Zeit erhöht sich so die Sparquote. Genau dieser Effekt hat sich in den vergangenen zwei Jahren gezeigt. Der Einbruch der Rohstoffpreise war eine positive Überraschung, mit der Haushalte nicht rechnen konnten.

Die Gesamtinflation lag bei rund null Prozent und damit ungefähr einen Prozent tiefer als die Kerninflation bei der die Entwicklung von Energie und Lebensmittelpreisen herausgerechnet wird. Entsprechend höher war die Sparquote. Dies ist kein Grund zur Besorgnis – im Gegenteil. Es zeigt, dass die privaten Haushalte in einer guten Lage sind und ihren Verbrauch erhöhen können. Zu hoffen bleibt nun, dass sie mit der zu erwartenden Verzögerung ihre Ausgaben auch tatsächlich erhöhen. Der Konjunktur würde es gut tun. Zu reagieren braucht die EZB auf die höheren Sparquoten nicht – und schon gar nicht mit einer Zinserhöhung.

Karsten Junius ist Chefökonom bei der Bank J. Safra Sarasin, Schweiz

Foto: Bank J. Safra Sarasin

Ihre Meinung



 

Versicherungen

Welt-Alzheimertag: Welcher Versicherungsschutz ist für Demenzkranke wichtig?

Am kommenden Samstag ist Welt-Alzheimertag. An diesem Tag wird jährlich auf das Thema Demenz und die Situation Demenzkranker aufmerksam gemacht. 1,7 Millionen Menschen sind laut Deutscher Alzheimer Gesellschaft in Deutschland von dieser Krankheit betroffen. 2060 sollen es nach dem Statistikportal Statista bereits 2,88 Millionen sein.

mehr ...

Immobilien

Weshalb der Staat das denkbar schlechteste Wohnungsunternehmen ist

Ob BMW, Lufthansa oder Deutsche Wohnen – niemand ist mehr sicher vor einer Verstaatlichung oder euphemistisch: „Rekommunalisierung“. Gemeinsam propagieren sie den falschen Glauben daran, dass der Staat der bessere Unternehmer sei. Wenn Wohnungen in der Hand des Staates sind, so die Annahme der Berliner Initiative „Deutsche Wohnen Enteignen“, wird alles besser. Ein Kommentar von Daniel Föst, bau- und wohnungspolitischer Sprecher der FDP-Bundestagsfraktion und Vorsitzender der FDP Bayern.

mehr ...

Investmentfonds

Wir gehen auf die Straße!

Am 20. September findet der dritte globale Klimastreik statt – weltweit werden Menschen auf die Straße gehen und für die Einhaltung des Parisabkommens und gegen die anhaltende Klimazerstörung laut werden. Seit 1995 tritt ÖKOWORLD für den Klimaschutz und für die Ökologisierung der Wirtschaft ein.

mehr ...

Berater

Allianz Global Wealth Report: Es gibt keine Gewinner

Der zehnte „Global Wealth Reports“ der Allianz zeigt, dass 2018 erstmals die Geldvermögen in Industrie- und Schwellenländern gleichzeitig zurückgegangen sind. Selbst 2008, auf dem Höhepunkt der Finanzkrise, war dies nicht der Fall. Ein Kommentar von Michael Heise, Chefvolkswirt der Allianz.

mehr ...

Sachwertanlagen

PATRIZIA erwirbt Wohnanlage in Aarhus, Dänemark

Die PATRIZIA AG, der globale Partner für paneuropäische Immobilieninvestments, hat zusammen mit Universal-Investment im Auftrag der Bayerischen Versorgungskammer (BVK) ein Wohnbauprojekt mit 136 Einheiten im dänischen Aarhus erworben. Der Ankauf erfolgte im Rahmen einer off-market Transaktion. Verkäufer ist ein Konsortium privater Investoren.
mehr ...

Recht

Sicherheit auf der Baustelle: Das Schild „Eltern haften für ihre Kinder“ reicht nicht aus

Wer baut, haftet für mögliche Personen- oder Sachschäden auf der Baustelle. Bauherren und Grundstückseigentümer tragen eine Mitverantwortung für den Arbeits- und Gesundheitsschutz sowie für die Absicherung der Baustelle. Darauf verweisen die Experten des Bauherren-Schutzbunds.

mehr ...