2. November 2016, 11:34
Teilen bei: Ihren XING-Kontakten zeigen | Ihren XING-Kontakten zeigen

In der Eurozone gewinnt die Erholung langsam an Dynamik

Im dritten Quartal hat die Eurozone den Brexit-Schock überraschend gut verdaut. Das Wachstum blieb mit 0,3 Prozent gegenüber dem Vorjahr stabil. Gastkommentar von Karsten Junius, Bank J. Safra Sarasin AG

JuniusSarasin in In der Eurozone gewinnt die Erholung langsam an Dynamik

Karsten Junius von der Bank J. Safra Sarasin analysiert die kommende Entwicklung der Inflationsrate.

Auch im Vereinigten Königreich ist die Wirtschaft nicht eingebrochen, was besonders für die kontinentale Exportwirtschaft wichtig ist. Der Ausblick für das 4. Quartal ist ebenfalls ermutigend.

Das Wirtschaftsvertrauen ist zuletzt auf einen neuen Jahreshöchststand gestiegen, sodass es sich klar sagen lässt, dass die Erholung von der Finanzmarktkrise weiter fortschreitet. Selbst die Preise scheinen wieder zu steigen. Mit 0,5 Prozent gegenüber Vorjahr konnte im Oktober 2016 die höchste Inflationsrate seit Mitte 2014 gemessen werden. Für die nächsten Monate sind zudem weitere Anstiege gut absehbar. Die Rohstoffpreisrückgänge des vergangenen Herbstes werden zunehmend aus dem Jahresvergleich herausrutschen und so zu einem Inflationsanstieg auf rund 1,25 Prozent bis Februar 2017 beitragen. Im gleichen Zeitraum dürfte das schwache britische Pfund zu einem Inflationsanstieg auf zwei Prozent im Vereinigten Königreich führen.

Weltweites Inflationsumfeld verbessert sich

In den USA werden schließlich steigende Gesundheitskosten zum Jahresbeginn zu Inflationsraten von rund  2,75 Prozent beitragen. Es scheint also so, dass sich das Inflationsumfeld global deutlich verbessern würde. Dies ist insofern richtig, als das die deflationären Gefahren offensichtlich in den Hintergrund rutschen. Der weiterhin niedrige inländische Preisdruck darf aber auch nicht übersehen werden. Steigende Rohstoffpreise, ein schwächerer Wechselkurs und höhere administrierte Preise im Gesundheitsweisen sind alles keine preistreibenden Faktoren, die auf einen nachhaltigen Inflationsanstieg schließen lassen.

So bewegt sich die Kerninflationsrate in der Währungsunion auch seit Monaten nicht vom Fleck. Selbst wenn diese im Frühjahr ebenfalls von aktuell 0,8 Prozent auf gut 1,0 Prozent steigen dürfte, wird die EZB nicht schließen können, dass sie ihr Ziel erreicht hat – einen sich selbsttragenden Inflationsanstieg in Richtung knapp zwei Prozent.

Für ein Tapering in der Eurozone ist es noch zu früh

Um diesen zu erreichen, müssten vor allem die Löhne stärker ansteigen. Bislang ist genau das aber kaum der Fall. So schätzt die EU-Kommission, dass die Pro-Kopf Einkommen in der Währungsunion lediglich um 1,5 Prozent in diesem und 1,9 Prozent im nächsten Jahr ansteigen. Dies ist zwar mehr als 2015 mit 1,2 Prozent, aber auch nur eine sehr langsam ansteigende Dynamik. Für ein “Tapering” also eine sukzessive Reduzierung der EZB-Anleihekäufe ist es folglich zu früh.

Dabei mag die Liquidität, die durch weitere Käufe durch die EZB bereitgestellt wird, weniger wichtiger sein als die Wirkung auf die Zinsaufschläge in der Euro-Peripherie. Diese würden bei auslaufenden Wertpapierkäufen der EZB nämlich vermutlich stark ansteigen und sowohl Wachstum als auch die Inflationsentwicklung erneut massiv dämpfen. Die Reflationierung der Wirtschaft braucht folglich genau wie die Normalisierung der Geldpolitik noch mehr Zeit.

Karsten Junius ist Chefökonom der Bank J. Safra Sarasin AG, Basel

Foto: Bank J. Safra Sarasin AG

Ihre Meinung



 

Versicherungen

Ersatzteile werden um fünf Prozent teurer: Treiben Hersteller die Preise?

Ersatzteile wie Scheinwerfer, Windschutzscheiben und Kotflügel sind in den letzten zwölf Monaten erneut deutlich teurer geworden. Zwischen August 2019 und August 2020 haben die Autohersteller die Preise im Schnitt um fast fünf Prozent erhöht, wie aus einer aktuellen Auswertung des Gesamtverbands der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) hervorgeht. Einige Ersatzteile wurden sogar noch teurer.

mehr ...

Immobilien

Studie: Homeoffice lässt Bürobedarf in Frankfurt sinken

Die zunehmende Verbreitung von Homeoffice infolge der Corona-Krise könnte laut einer Studie die Büronachfrage in Frankfurt einbrechen lassen. Mittelfristig werde der Flächenbedarf um 10 bis 14 Prozent des Bestands fallen, schätzt der Immobilienspezialist NAI Apollo. Im Extremfall werde der Rückgang 20 Prozent betragen, heißt es in einem jetzt veröffentlichten Papier.

mehr ...

Investmentfonds

Die Fehlstarter unter den Superaktien

Die Aktienauswahl könnte so einfach sein, wenn Investoren eine Glaskugel hätten und wüssten, welche Titel sich in den kommenden zehn Jahren am besten entwickeln. Garantiert wäre die gute Performance trotzdem nicht. „In der Vergangenheit starteten manche ‚Superaktien‘ so holprig, dass einige Investoren wohl kalte Füße bekommen hätten“, sagt Sven Lehmann.

mehr ...

Berater

Project: Vertriebs-Chef wird Holding-Vize

Mit Wirkung zum 21. September 2020 ist Alexander Schlichting (45) vom Aufsichtsrat der Project Beteiligungen AG zum stellvertretenden Vorstandsvorsitzenden der Holdinggesellschaft der Project Investment Gruppe ernannt worden. Der Holding-Vorstand wird damit von zwei auf drei Mitglieder erweitert.

mehr ...

Sachwertanlagen

Ökostrom-Anteil in diesem Jahr bisher bei rund 48 Prozent

Nahezu die Hälfte des Stromverbrauchs in Deutschland wurde in den ersten neun Monaten des Jahres aus erneuerbaren Energien gedeckt. Der Ökostrom-Anteil soll weiter steigen.

mehr ...

Recht

Reform der Mietspiegelverordnung sorgt für Quantensprung

Die Mietspiegelkommission der gif Gesellschaft für Immobilienwirtschaftliche Forschung e. V. sieht den Gesetzentwurf zur Reform des Mietspiegelrechts als gelungen an.

mehr ...