Anzeige
9. November 2016, 10:55
Teilen bei: Ihren XING-Kontakten zeigen | Ihren XING-Kontakten zeigen

Trumps Triumph ist Niederlage des US-Establishments

Selbstüberschätzung kommt vor dem Fall. Anders kann man die US-Wahl für das US-Establishment, für die US-Mainstreammedien und den Club der dominanten Neokonservativen nicht interpretieren, sagt Folker Hellmeyer, Chefanalyst bei der Bremer Landesbank.

Hellmeyer-tt in Trumps Triumph ist Niederlage des US-Establishments

Folker Hellmeyer, Bremer Landesbank

Die über Jahrzehnte andauernde Erosion des US-Mittelstands und die daraus resultierende Verschuldung des Mittelstands zu Gunsten der obwaltenden US-Eliten ist ein entscheidender Faktor für diese Wahlentscheidung, die fraglos keine Liebesbeziehung zwischen Wähler und Trump darstellt. Daraus zu schlussfolgern, dass es sich lediglich um eine Protestwahl handelt, griffe jedoch zu kurz. Das Wort “Change”, das vor acht Jahren beflügelte, war schlussendlich zu inhaltsleer.

Gute statistische US-Wirtschaftsindikatoren konnten nicht überzeugen

Gute statistische US-Wirtschaftsindikatoren, die zu großen Teilen Papiertiger waren, die an dieser Stelle immer wieder thematisiert wurden, um medial laut ignoriert zu werden,  konnten die Menschen nicht überzeugen, da Papiertiger weder ernähren können (43,4 Millionen Food-Stamps!) oder Kredite bezahlen helfen. Die Fortsetzung einer Regime-Change Politik der Bush-Ära durch Obama hat der Welt  definitiv nicht mehr Frieden geliefert und vielen amerikanischen Familien Leid zugefügt. Die Menschen in den USA sind ob dieser Politikansätze in den USA erschöpft.

Das  Versprechen von Trump, Dinge anders zu machen, hat verfangen. Dabei steht implizit die Frage im Raum, welche Rolle die USA mit nur noch 16 Prozent Anteil an der Weltwirtschaft bei weiter abnehmender Tendenz spielen können. Trump steht für eine Selbstbesinnung auf die USA.

Freihandelsabkommen vor dem Aus?

Das ist eine Kampfansage an so genannte Freihandelsabkommen, so steht damit TPP vor dem Aus. Das NAFTA-Abkommen soll neu verhandelt werden. TTIP dürfte nicht auf der Agenda eines Präsidenten Trump stehen. Damit wird die Globalisierung bezüglich der Rolle der USA temporär gebremst. Das mag gut sein, damit die davon betroffenen Menschen Atem schöpfen können.

Geht es um die Interessen der Eliten (Ansatz Oligarchie) oder Menschen (Ansatz Humanismus)? Ging es bei den so genannten Freihandelsabkommen eigentlich wirklich um Freihandel oder eine Form der Geopolitik der Neokonservativen? Wir sind auf Ihre Antworten gespannt? Für die neokonservativen Kreise, die das politische Geschäft der USA seit Jahren dominierten, stellt diese neue politische Konstellation eine markante Herausforderung dar. Eine Fortsetzung der Regime-Change-Politik könnte mit Trump unterbunden werden. Mehr Augenhöhe gegenüber anderen Ländern und faire Interessenausgleiche könnten den Weltfrieden stärken und Flüchtlingsströme verhindern helfen.

Regulierung der Großbanken droht

Auch über Banken muss man reden. Nachdem dem Frank-Dodd Act alle Zähne gezogen wurden, steht Trump für eine scharfe Regulierung der Großbanken. Glass Steagall steht wieder im Raum. Nachdem es in Washington zuletzt hieß, dass die Großbanken nicht nur “too big to fail”, sondern auch “too big to jail” sind, ist hier Augenhöhe zwischen der haftenden US-Gesellschaft und dem Finanzsektor für eine gedeihliche Zukunft der US-Ökonomie zwingend erforderlich, nicht nur dort übrigens!

Die Mainstreammedien und die westlichen Politik-Eliten haben Trump verurteilt, sie haben auch begründete Vorwürfe erhoben, keine Frage. Sie sind aber nie kritisch mit der Situation in den USA, dem Establishment oder den Neocons umgegangen, die die Phänomene Trump und Sanders gebaren. Der solitäre Blick auf die Risiken, die mit Trump einhergehen, ist unangebracht. Der Strauß an Chancen ist erheblich!

Foto: Florian Sonntag

Ihre Meinung



Cash.Aktuell

Cash. 05/2018

Inhaltsverzeichnis Einzelausgabe bestellen Cash. abonnieren

Themen der Ausgabe:

Arbeitskraftabsicherung – Private Equity – Büroflächenmangel – Datenschutz

Rendite+ 1/2018

Inhaltsverzeichnis Einzelausgabe bestellen Cash. abonnieren

Themen der Ausgabe:

Marktreport Sachwertanlagen – Windkraft – Vermögensanlagen – Bitcoin & Co.

Ab dem 22. März im Handel.

Versicherungen

BPK 2017: HanseMerkur legt deutlich zu

Die HanseMerkur Versicherungsgruppe hat auf ihrer diesjährigen Bilanzpressekonferenz die Unternehmenszahlen präsentiert. Vorstandsvorsitzender Eberhard Sautter zeigt sich angesichts eines schwierigen Jahres 2017 hochzufrieden mit den Ergebnissen.

mehr ...

Immobilien

Stärkster Preisanstieg bei Wohnimmobilien seit Mitte 2017

Die unstete Preisentwicklung der letzten Monate bei Wohnimmobilien setzte sich auch im März fort: Ausgerechnet die Preise für Neubauhäuser, die in den letzten zwölf Monaten immer angestiegen waren, gingen im März 2018 im Vergleich zum Vormonat um 0,22 Prozent zurück. Derweil stiegen die Preise für Bestandshäuser und Eigentumswohnungen mit jeweils über einem Prozent vergleichsweise deutlich.

mehr ...

Investmentfonds

Draghi lässt sich von gestiegenen Rohstoffpreisen nicht beeindrucken

Der zunehmende Inflationsdruck führt dazu, dass einige Marktteilnehmer befürchten, die Europäische Zentralbank könnte den Leitzins schneller als bisher erwartet anheben. Doch es gibt Gründe, die dafür sprechen, dass die Geldpolitik zunächst expansiv bleibt.  Gastbeitrag von Carsten Mumm, Donner & Reuschel 

mehr ...

Berater

Ex-Sparkassenchef muss doch nicht vor Gericht

Der ehemalige Sparkassenpräsident Georg Fahrenschon muss doch nicht vor Gericht. Der frühere bayerische Finanzminister soll per Strafbefehl zu 140 Tagessätzen wegen Steuerhinterziehung verurteilt werden, wie Oberstaatsanwältin Anne Leiding ankündigte. Darauf hätten sich die beteiligten Parteien in einem Rechtsgespräch geeinigt.

mehr ...

Sachwertanlagen

HSH-Abwicklungsbank sieht Schifffahrtskrise durchschritten

Die Abwicklungsgesellschaft der Länder Hamburg und Schleswig-Holstein für faule Schiffskredite der HSH Nordbank hat im Jahr 2017 einen Verlust von 44,4 Millionen Euro gemacht und damit das Minus deutlich reduziert.

mehr ...

Recht

Bürgschaften sind keine nachträglichen Anschaffungen

Wird ein Gesellschafter im Insolvenzverfahren als Bürge für Verbindlichkeiten der Gesellschaft in Anspruch genommen, so kann er dies nicht mehr als nachträgliche Anschaffungskosten werten und somit auch nicht mehr steuermindernd geltend machen. Dies entschied der Bundesfinanzhof (BFH) in einem aktuellen Urteil (Aktenzeichen: IX R 36/15). Gastbeitrag von Holger Witteler, Kanzlei Husemann, Eickhoff, Salmen & Partner

mehr ...