Draghi beflügelt Märkte

Die Ankündigung von EZB-Präsident Mario Draghi, das Anleihekaufprogramm nur zu drosseln, unterstützt die Aktienmärkte.  Damit steigt aber auch der Druck auf Investoren, ihre Aktienquote zu erhöhen. Gastbeitrag von Carsten Mumm, Donner & Reuschel

Carsten Mumm, Donner & Reuschel
Carsten Mumm: „Je näher nun der Jahreswechsel rückt und je weiter die Aktienkurse steigen, umso größer wird bei diesen Anlegern der Druck, doch noch Aktien zu kaufen.“

Dass die Oktober-Pressekonferenz mit EZB-Präsident Mario Draghi ein besonderes Ereignis werden würde, war allen Marktbeobachtern klar. Schließlich sollten konkrete Erläuterungen zum weiteren geldpolitischen Kurs erfolgen. Besonders gespannt war man auf die Ausführungen zum Umgang mit dem laufenden Wertpapierkaufprogramm ab 2018.

Wie zuletzt allgemein erwartet, wird die Europäische Zentralbank ab Januar das monatliche Kaufvolumen von derzeit 60 Milliarden Euro auf 30 Milliarden Euro reduzieren. Frühestens ab Oktober 2018 könnte eine weitere Absenkung folgen – allerdings nur, wenn bis dahin die Erreichung des Inflationsziels von nahe aber unter zwei Prozent in Aussicht steht.

Börsen werden von EZB weiterhin unterstützt

Draghi betonte, dass der Abbau der mittlerweile auf über vier Billionen Euro aufgeblähten Bilanz hingegen noch sehr lange nicht in Aussicht steht – selbst wenn Ende 2018 oder Anfang 2019 eine zaghafte Zinserhöhung anstehen würde.

Damit können sich die Börsen auf eine lange Unterstützung durch die EZB verlassen. Während die US-Notenbank Fed seit kurzem sogar fällige Wertpapiere teilweise nicht neu reinvestiert, tritt die EZB also noch mindestens 15 Monate lang als Käufer an den Kapitalmärkten auf.

Die Reaktion folgte prompt: der Euro fiel im Verhältnis zum US-Dollar innerhalb weniger Stunden von über 1,18 Euro/US-Dollar auf 1,165 Euro/US-Dollar. Der DAX legte im Tagesverlauf um 180 Punkte beziehungsweise 1,4 Prozent zu und konnte sich deutlich über der Marke von 13.000 Punkten festigen. Offensichtlich wurden die Marktteilnehmer dann doch überrascht.

Druck Aktien zu kaufen steigt

So eine Bewegung kann in den kommenden Tagen und Wochen noch weitere Anschlusskäufe nach sich ziehen. Wahrscheinlich ist, dass einige Anleger nach der fulminanten Rallye ausgehend von unter 12.000 Punkten seit Ende August und vor der EZB-Sitzung erst einmal Gewinne realisiert haben.

Seite zwei: Erfolgreiches Börsenjahr 2017

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