Die Odysseus-Strategie der Kapitalanlage

Die griechische Mythologie ist oft dazu geeignet, Anleger über die Selbstbindung ihrer Kapitalanlage nachdenken zu lassen. Mehr denn je, da die Märkte zunehmend unruhiger werden. Die Naumer-Kolumne

Hans-Jörg Naumer, Allianz Global Investors: „Multi-Asset-Produkte werden von den Anlegern sehr gezielt als eigenständiges Anlagevehikel wahrgenommen.“

Zugegeben, diesen Titel kennen Sie. Ich höre einfach eben nicht auf mich mit der griechischen Mythologie zu beschäftigen, zumal gerade der sagenumwobene Held Odysseus immer wieder gut dafür ist, über die Selbstbindung bei der Kapitalanlage nachzudenken. Noch dazu, wenn die Zeiten unruhiger werden. Man denke nur an die Handelskonflikte, die Türkische Lira-Krise oder auch die Tatsache, dass das globale Wachstum langsam aber sicher sein Hoch erreicht hat und mehr und mehr Divergenzen deutlich werden zwischen den US-amerikanischen und dem europäischen Datenkranz. Ziel nehmen auf die Rendite bei Negativ-/Nullzinsen, nach oben schleichenden Inflationsraten und voraussichtlich zunehmenden „Wellenschlägen“ genannt Volatilität heißt die Devise.

Zunehmende Bedeutung von Multi-Asset-Lösungen

Selbstbindung um Kurs zu halten, dafür steht Odysseus. Sie erinnern sich: Dieser Held der Antike ließ sich an den Mast seines Schiffen binden, damit er unbeschadet am Felsen der Sirenen mit ihren verlockenden Gesängen vorbei kam, während seine Freunde unbeirrt ruderten, sie hatten ja Wachs in den Ohren. Selbstbindung mit Mult-Asset-Fonds das scheint mehr zu sein, als eine Eintagsfliege. Hier lassen sich strukturelle Veränderungen in den Depots der Anleger nachweisen.

Ein Blick auf die Nettomittelzuflüsse, welche die einzelnen Fondsgattungen (Aktien, Anleihen, Geldmarkt, Immobilien, Rohstoffe, Alternative Produkte und Multi Asset) über die letzten Jahre erzielten, zeigt die zunehmende Bedeutung von Multi-Asset-Lösungen. Diese Fondsart hat in Europa merklich an Bedeutung gewonnen, wobei hier vor allem der deutsche, der italienische und der spanische Markt zu nennen sind.

Die gestiegene Nachfrage nach Multi-Asset-Fonds spiegelt sich nicht nur in den Flussgrößen, sondern auch in den Beständen, also der Gesamtallokation der Anleger, wider. Das zeigt die Aufteilung der Fondsvermögen in Aktien-, Anleihen- sowie Geldmarktfonds, Alternative Produkte und eben Multi-Asset-Fonds. Besonders deutlich wird dies in Deutschland, zeigt sich aber zum Beispiel auch in anderen europäischen Ländern.

Bestimmungsgröße: „Excess Flow“

Werden Marktentwicklung und Anlegerverhalten verknüpft, indem die aktive Allokationsentscheidung, also das Über- bzw. Untergewichten in Relation zur Gesamtmarktentwicklung, untersucht wird, zeigt sich die bewusste Anlegerentscheidung noch deutlicher.

Die Bestandsgröße der Fonds im Portfolio der Investoren wird ja auch von der Entwicklung an den Kapitalmärkten beeinflusst. Sie ist für sich allein genommen also noch kein ausreichender Indikator dafür, welche Anlageentscheidungen die Anleger letztlich bewusst getroffen haben.

Seite zwei: Zuflusstheorie als Maß für die Allokationstheorie

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