Ausblick 2020: In der Hand der Chinesen

Nach einem katastrophalen vierten Quartal 2018 mit hohen Verlusten bei Aktien und Anleihen ließ das vergangene Jahr die Herzen der Investoren wieder höherschlagen. Auf eines der schlechtesten Börsenjahre der Geschichte – in kaum einem anderen Jahr fielen Aktien- und Rentenmärkte gleichzeitig ähnlich stark – folgten dicke Gewinne für Anleger, und zwar relativ unabhängig davon, wo sie investiert waren. Sowohl mit Aktien, als auch mit Anleihen und sogar mit Gold und Öl-Investments ließen sich 2019 oftmals hohe zweistellige Gewinne erzielen – vorausgesetzt, die Anleger folgten nicht den Unkenrufen der Crash-Propheten, die Ende 2018 einmal mehr den endgültigen Börseneinbruch herbeiredeten. Die Bröning-Kolumne

 

Tim Bröning, Fonds Finanz

Besonders an den Kapitalmärkten kommt es aber oftmals anders als man denkt. Ausschlaggebend für die fulminante Börsenerholung der vergangenen zwölf Monate waren vor allem zwei Aspekte: Zum einen legte die US-Notenbank Fed eine Kehrtwende aufs Parkett, die ihresgleichen sucht. Während bis Ende 2018 eine restriktivere Geldpolitik mit weiteren Zinserhöhungen und straffem geldpolitischen Ausblick signalisiert wurde, folgte auf die starken Abverkäufe an den Weltbörsen und den sich immer weiter eintrübenden Konjunkturaussichten eine Strategieänderung mit drei Zinssenkungen der Amerikaner im Jahresverlauf. Zum anderen wurde von den Marktteilnehmern eine Einigung im Handelsstreit zwischen den USA und China eingepreist – nach Kursrücksetzern, wie im Sommer 2019, und diversen Trump-Tweets, die Anleger weltweit verunsicherten. Gleichzeitig kam es vor allem in der zweiten Jahreshälfte zu einer Stabilisierung wichtiger Konjunkturindikatoren, wie den globalen Einkaufmanagerindizes oder dem für Deutschland so wichtigen ifo-Index.

So wie das Jahr 2018 übertrieben schlecht verlief, dürfte die Bewegung an den Kapitalmärkten 2019 etwas zu euphorisch ausgefallen sein. Zwar stehen die Zeichen gut, dass 2020 ein ganz passables Börsenjahr wird – insbesondere, wenn man bedenkt, dass die US-Präsidentschaftswahl ansteht und Wahljahre meist starke Börsenjahre waren. Donald Trump dürfte alles in seiner Macht Stehende tun, um die weltweite Leitbörse weiter am Laufen zu halten und damit für ein freundliches Umfeld für die internationalen Märkte zu sorgen. Ohne wirtschaftlichen Erfolg, eine sinkende Arbeitslosenquote und steigende Löhne wird es für den amtierenden Präsidenten wohl nicht reichen, im Amt zu bleiben. Trump hat aber mit der Steuerreform 2018 bewiesen, dass er handlungsfähig ist. Er könnte mit einem groß angelegten Konjunkturprogramm im Wahljahr überraschen. Die Börsen dürften das vermutlich honorieren.

Wie die Vergangenheit aber gezeigt hat, sollte man sich an den Kapitalmärkten aber nie zu sicher sein. Aktuell herrscht die einhellige Meinung vor, dass die globalen Aktienmärkte weiter steigen – insbesondere die günstiger bewerteten europäischen und die der Schwellenländer, während der US-Dollar gegenüber dem Euro abwerten müsste und von der Zinsseite keine Störfeuer, sprich Zinserhöhungen, anstehen. Vieles spricht für ein solches Szenario und doch gilt es stets, nicht alles auf eine Karte zu setzen.

Denn es tobt der Kampf um die globale Vormachtstellung. Der Platzhirsch USA wird immer mehr von den aufstrebenden Chinesen herausgefordert, nicht nur in wirtschaftlicher, sondern auch in technologischer Hinsicht. Der von Donald Trump angezettelte Handelskrieg gilt dabei lediglich als Stellvertreterkonflikt, um China auf Distanz zu halten. Die Gefahr einer weiteren Eskalation ist auch nach den aktuellen Erfolgsnachrichten über eine Einigung nicht gebannt. Trump hat mehrmals bewiesen, dass auf seine Worte kein Verlass ist. Fraglich bleibt, ob die Chinesen Trump den Gefallen tun, im Wahljahr eine Beilegung des Konflikts anzustreben – und ihm damit wahrscheinlich eine zweite Amtszeit schenken.

Tim Bröning ist seit 2009 in der Geschäftsleitung der Fonds Finanz Maklerservice GmbH und verantwortlich für den Bereich Unternehmensentwicklung und Finanzen sowie für die Sparte Investment.

Foto: Fonds Finanz

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