16. Oktober 2019, 06:53
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Brexit-Verhandlungen pushen Renditen von Brit-Anleihen

Die Verhandlungen über den Brexit halten ganz Europa in Atem. Howard Cunningham, Fixed Income Portfolio Manager bei Newton Investment Management – einer Investmentgesellschaft von BNY Mellon Investment Management, kommentiert die Auswirkungen auf das Pfund Sterling und britische Staatsanleihen.

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London: Die Entscheidung über den Brexit rückt näher.

Anleger, die in britischen Staatsanleihen investiert sind, haben von der nicht enden wollenden Brexit-Saga profitiert: 15-jährige Gilts haben in diesem Jahr bislang 22 Prozent Rendite erzielt (Stichtag 30. September 2019).

Inzwischen macht sich zwar leiser Optimismus breit, dass ein Brexit-Vertrag zwischen der Europäischen Union und Großbritannien zustande kommt. Allerdings ist der Weg dahin weiterhin schwierig: Möglich, dass es ein für die EU akzeptables Abkommen geben wird – auch möglich, dass es für das britische Parlament ein solches geben wird. Die Schwierigkeit besteht nur darin, einen Vertrag zu schließen, der für beide Seiten gleichermaßen akzeptabel ist. Je mehr Zugeständnisse die britische Regierung macht, desto höher sind die Chancen auf ein Abkommen mit der EU. Gleichzeitig steigt damit aber auch das Risiko, dass das britische Parlament einem solchen Abkommen nicht zustimmt.

Ratifizierung kaum bis zum 31. Oktober

Selbst wenn sich die unterschiedlichen Akteure auf einen Entwurf eines Abkommens einigen sollten, wird eine Ratifizierung bis zum 31. Oktober aber wohl unmöglich sein. Daher ist eine weitere Verlängerung erforderlich – entweder um mehr Zeit für die Ratifizierung zu haben oder im Falle einer Nichtvereinbarung andere Schritte einzuleiten, also Neuwahlen oder ein Referendum.

Dass der Markt eine weitere Verlängerung befürchtet, ist daher nicht überraschend. Eine Verlängerung könnte zwar die schlimmsten Auswirkungen eines sofortigen harten Brexits vermeiden. Allerdings würden weitere Monate der Unsicherheit mehr Schäden in Hinblick auf Investitionen und das Verbrauchervertrauen verursachen, das Wirtschaftswachstum sowie das Pfund Sterling belasten, britische Staatsanleihen allerdings stützen.

Das beste kurzfristige Ergebnis für das Pfund Sterling wäre es, wenn bis Ende dieser Woche ein Abkommen zustande käme. Wenn jedoch ein Abkommen ausbleibt, wird der Brexit wahrscheinlich in eine weitere Verlängerung gehen, die ein anhaltend geringes Wachstum, eine geringe Risikobereitschaft und extrem niedrige Renditen für britische Staatsanleihen zur Folge hätte.

UK auf ausländische Investitionen angewiesen

Das Vereinigte Königreich ist nach wie vor auf ausländische Investitionen angewiesen, wobei ausländische Anleger etwa 28 Prozent des britischen Staatsanleihenmarktes halten. Ein ungeordneter Brexit könnte dazu führen, dass sie ihre Anlagen in britischen Staatsanleihen überdenken. Die Bank of England würde höchstwahrscheinlich mehr Anleihen kaufen und inländische Investoren würden ihre Anteile an britischen Staatsanleihen als sicherem Hafen im Vergleich zu anderen britischen Anlageklassen erhöhen. Dies könnte die negativen Effekte etwas ausgleichen. Allerdings könnte ein Großinvestor, der seine Gilts verkaufte, deren Renditen in die Höhe treiben.

Laut Institute of Fiscal Studies würde sich das Defizit Großbritanniens trotz eines Brexit-Deals auf 50 Mrd. Pfund Sterling fast verdoppeln, und die Schuldenquote käme nah 90 Prozent heran – ein Niveau, das seit Mitte der 1960er Jahre nicht mehr erreicht wurde. Im Falle eines “No Deals” könnte sich das Defizit erneut verdoppeln, und zwar auf über 100 Mrd. Pfund Sterling – und das selbst dann, wenn mögliche Beeinträchtigungen auf ein Minimum beschränkt blieben.

Darüber hinaus haben die Ratingagenturen Großbritannien bereits nach dem EU-Referendum 2016 herabgestuft und angekündigt, dass sie das Rating im Falle eines ungeordneten Brexits weiter herabsetzen werden. Geringe Herabstufungen von Staatsanleihen mit guter Bonität führen nicht unbedingt zu höheren Kosten für die jeweiligen Staaten. In den USA und Kontinentaleuropa war in den letzten Jahren sogar das Gegenteil der Fall. Das Verhältnis zwischen Ratings und Risikoaufschlägen ist jedoch nicht linear und aufeinanderfolgende Herabstufungen können sich negativ auswirken.

Foto: Shutterstock

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