Neuer Kalter Krieg wird Märkte langfristig in Schach halten

Es ist zwar schwer vorherzusagen, wie sich US-Präsident Trump auf dem G20-Gipfel letztendlich verhalten wird. Unterm Strich gehen wir jedoch davon aus, dass die Verhandlungen um den Zollkonflikt eher positiv verlaufen werden und die Kommunikation zwischen den Präsidenten Trump und Xi einen freundlichen Tonfall haben wird.Denn beide brauchen ein günstiges Ergebnis, welches dies ist, erläutert Jean-Marie Mercadal, CIO beim französischen Asset Manager OFI in seinem Kommentar.

Jean-Marie Mercadal, CIO beim französischen Asset Manager OFI

Trump hat seine Wahlkampagne begonnen und braucht eine starke Wirtschaft sowie starke Finanzmärkte. Chinas Wirtschaft auf der anderen Seite hat an Momentum verloren. Zudem steht im Oktober dieses Jahres das 70-jährige Jubiläum des kommunistischen Regimes an. Deshalb will auch Xi, dass sich Chinas Wirtschaftskraft im besten Licht der Welt präsentiert.

Fed wird die Zinsen senken

Langfristig gesehen wird der Handelskrieg aus unserer Sicht wohl nicht beigelegt werden. Die Märkte sollten sich auf eine Neuauflage des Kalten Krieges einstellen. Denn beim Zollstreit geht es im Grunde um die weltweite Vormachtstellung und Einflusssphären, um Wirtschafts- und Finanzkraft, Währungshoheit und technologische Dominanz.

Vor diesem Hintergrund gehen wir davon aus, dass die US-Notenbank Fed die Zinsen im Juli um 25 Basispunkte senken wird. Dies wird weltweit ein positives Signal senden, da die meisten Länder Schuldenberge aufgetürmt haben. Zinsen auf sehr niedrigem Niveau sind für diese Staaten hilfreich und bewahren sie davor, zu straffe haushaltspolitische Zügel anzulegen.

Zinssenkung kann Auswirkungen haben

Der Einfluss einer Zinssenkung wird auf die Finanzmärkte aus unserer Sicht jedoch kaum Auswirkungen haben, da dieser Schritt bereits in die Kurse eingepreist ist. Wir erwarten daher, dass sich 10-jährige US-Staatsanleihen bei einer Rendite von 2-2,5 Prozent einpendeln werden. Falls die Fed die Zinsen wider Erwarten jedoch nicht senken wird, könnte das für die Märkte schmerzhaft werden, und die Renditen von Staatsanleihen könnten steigen.

Von der EZB erwarten wir keinerlei Veränderung des Zinslevels in den kommenden Monaten. Wenn sich das Wirtschaftswachstum der Eurozone wieder abgeschwächt, halten wir eine Neuauflage des Anleihekaufprogramms, wie EZB-Chef Mario Draghi kürzlich gesagt hat, für möglich. Letztendlich hängt diese Entscheidung jedoch vom zukünftigen EZB-Chef ab.

 

Foto: OFI

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