17. Oktober 2019, 11:39
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Niedrigzins: Ist das Eis bei der Wertpapieranlage endlich gebrochen?

Der Niedrigzins bleibt und der deutsche Anleger scheint umzudenken: Laut einer aktuellen Postbank Umfrage steigt die Zahl der Wertpapierbesitzer. Es gibt jedoch eine Bevölkerungsgruppe, die Aktien und Fonds nach wie vor den Rücken zuwendet.

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Die Deutschen galten bislang als echte Börsen-Muffel. 2011 lag der Anteil der Aktien- und Fondsbesitzer bei lediglich 17 Prozent, so das Ergebnis einer Postbank Vergleichsumfrage zum Sparverhalten, die von Kantar Emnid umgesetzt wurde. Acht Jahre später knackt der Anteil der Wertpapierbesitzer erstmalig die 30-Prozent-Marke. „Dies ist eine erfreuliche Entwicklung“, meint Katrin Chrambach von der Postbank. „Im anhaltenden Niedrigzins bringen konservative Spareinlagen kaum noch Erträge. Wer Geld in Wertpapiere investiert, kann damit einen Inflationsausgleich erzielen.“ Zwar verwahrt die Mehrheit der Sparer ihr Geld nach wie vor auf dem Girokonto (49 Prozent) oder nutzt ein klassisches Sparkonto (32 Prozent) – aber Aktien und Fonds konnten auf Rang drei der beliebtesten Anlageformen vorrücken.

Ungenutzte Chance

Im Vergleich zu 2018 legen heute deutlich mehr 30- bis 39-Jährige Ersparnisse in Aktien und Fonds an: Ihre Zahl stieg von 26 Prozent auf 41 Prozent. Auch Befragte ab 60 Jahren trauen sich verstärkt an die Börse (2018: 21 Prozent; 2019: 32 Prozent). Ebenso gibt es unter den 16- bis 29-Jährigen mehr Wertpapierbesitzer. Gaben im Vorjahr lediglich sechs Prozent an, Geld in Aktien und Fonds zu investieren, sind es heute 16 Prozent. Trotz dieses großen Sprungs bleiben die jungen Befragten das Schlusslicht aller Altersgruppen. „Viele junge Sparer verschenken Chancen. Sie können mit einem langen Anlagehorizont planen und eventuell auftretende Kursschwankungen aussitzen. Daher ist eine Anlage in Wertpapieren, zum Beispiel in einem Fondssparplan, für sie besonders gut geeignet“, sagt Katrin Chrambach.

Kleine Beiträge, große Wirkung

Obwohl 16- bis 29-Jährige in der Regel über vergleichsweise geringe Einnahmen verfügen, sparen sie überdurchschnittlich häufig: 82 Prozent bilden Rücklagen, der Durchschnitt liegt bei 74 Prozent. Ihr Anlageverhalten ist jedoch nicht an Gewinnen orientiert: 64 Prozent parken das Geld auf dem Girokonto, 49 Prozent zahlen es auf ein klassisches Sparkonto ein und 36 Prozent verwahren es zu Hause. „Auch mit kleineren Beträgen kann man von den Chancen an der Börse profitieren, zum Beispiel mit einem Fondssparplan. Den kann man bereits ab einer Einzahlung von 25 Euro im Monat abschließen“, erklärt die Postbank Expertin. „Ein Fondssparplan ist flexibel, man kann die Höhe der Zahlungen an die aktuelle finanzielle Situation anpassen und zu einem beliebigen Zeitpunkt kündigen. Wichtig ist, dass nur der Teil der Ersparnisse angelegt wird, auf den man langfristig verzichten kann.“ Besonders zu empfehlen seien sogenannte Indexfonds, auch ETFs genannt. Sie bilden einen bestimmten Index ab – zum Beispiel den Deutschen Aktienindex oder die Aktien der weltweit führenden Unternehmen –, sind sehr breit gestreut und vergleichsweise günstig. 

Informationen zur Umfrage:

In einer telefonischen, repräsentativen Mehrthemenbefragung im Juli 2019 interviewte Kantar Emnid im Auftrag der Postbank 1.002 Befragte ab 16 Jahren.

Foto: Shutterstock

1 Kommentar

  1. Danke für einen sehr informativen Artikel! Ich selbst zähle mich auch zur jüngeren Generation, kann allerdings nicht nachvollziehen, warum bei uns diese Anlagemöglichkeiten so wenig genutzt werden und sich viele auch gar nicht darüber informieren, zumal hier bei annehmbarem Risiko teilweise hohe Renditechancen bestehen (z.B. bei geschlossenen Immobilienfonds bis zu 6,7% p.a. https://skapa-invest.de/aktuelles/gruenes-investment/).

    Kommentar von Franziska Gärtner — 30. Oktober 2019 @ 11:09

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