China: Eigene Kaufkraft als Weg aus der Krise

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Chinas Wirtschaft weiter im Aufwind

Während in Deutschland der zweite Lockdown beginnt, setzt die chinesische Wirtschaft ihre Erholung auch im dritten Quartal 2020 fort. Besonders die Binnennachfrage spielt dabei eine entscheidende Rolle, denn aufgrund des Verbotes von Auslandsreisen geben die Chinesen ihr Geld verstärkt innerhalb der eigenen Landesgrenzen aus. Anleger sollten allerdings im Hinterkopf behalten, dass längst nicht alle Regionen von der steigenden Kauflaune profitieren.

Während in Deutschland der zweite Lockdown beginnt, setzt die chinesische Wirtschaft ihre Erholung auch im dritten Quartal 2020 fort. Besonders die Binnennachfrage spielt dabei eine entscheidende Rolle, denn aufgrund des Verbotes von Auslandsreisen geben die Chinesen ihr Geld verstärkt innerhalb der eigenen Landesgrenzen aus. Anleger sollten allerdings im Hinterkopf behalten, dass längst nicht alle Regionen von der steigenden Kauflaune profitieren.

Nach Angaben des National Bureau of Statistics of China wuchs das BIP des Landes in den drei Monaten bis zum 30.09. im Jahresvergleich um 4,9 Prozent, verglichen mit einem Wachstum von 3,2 Prozent im zweiten Quartal. „Nachdem das Rekordhoch bereits im Februar erreicht wurde, gab es in Festland-China in den vergangenen Monaten praktisch kaum Neuinfektionen mit Covid-19 und das Leben normalisiert sich in immer mehr Bereichen“, sagt Stefan Breintner, Deputy Fund Manager des GAMAX Funds Asia-Pacific (LU0039296719) von Mediolanum International Funds.

„Stationäre Einzelhandelsumsätze erholen sich, Restaurants in größeren Städten sind oftmals wieder zu mehr als 90 Prozent ausgelastet und auch Großveranstaltungen wie Hochzeiten oder Messen finden wieder statt.“ Besonders die Binnennachfrage spielt eine entscheidende Rolle bei der wirtschaftlichen Erholung, denn aufgrund des Verbotes von Auslandsreisen geben die Chinesen ihr Geld verstärkt innerhalb der eigenen Landesgrenzen aus. Allerdings profitieren nicht alle Regionen von der steigenden Kauflaune.

Inlandstourismus: Enttäuschende „Goldene Woche“ für Macaus Kasino- und Resort-Betreiber

Statt Fernreisen nach Europa oder in die USA unternehmen Chinesen momentan überwiegend Kurz-Trips innerhalb Chinas beziehungsweise innerhalb der jeweiligen chinesischen Provinz. Chinas größtes Online-Reisebüro, Ctrip, rechnete für die nationale Ferienwoche „Goldene Woche“ Anfang Oktober mit 600 Millionen Inlandstouristen, dies entspricht rund 40 Prozent der Bevölkerung. Die Erwartungen der Tourismusindustrie waren dementsprechend hoch.

Vor allem in der Glücksspielhauptstadt Macau rechnete man mit einem deutlichen Anstieg der Besucherzahlen und steigenden Glücksspielerlösen. Resort- und Kasino-Betreiber wurden jedoch enttäuscht. „Im Vorfeld der Goldenen Woche gingen die Buchungsanfragen für Macau massiv nach oben, letztendlich kamen die Interessenten dann aber doch nicht“, so Breintner. Laut eines chinesischen Regierungsberichts sank die Zahl der Besucher in den ersten sechs Tagen der Goldenen Woche im Vergleich zum Vorjahr um 87 Prozent. Die Glücksspielerlöse lagen 76 Prozent unter dem Vorjahresniveau.

Wachsender Patriotismus: Aussichten für Hong Kong langfristig gedämpft

Während die Aussichten auf eine Erholung post-Corona für Macau relativ gut sind, wird sich der wirtschaftliche Rebound Hong Kongs nach den Corona-Maßnahmen und den Ausschreitungen vermutlich deutlich länger hinziehen. „Das Fernbleiben der Touristen und Investoren vom chinesischen Festland belastet die Metropole enorm“, so Breintner. „Die Transaktionspreise von Immobilien zum Beispiel haben vom Hoch inzwischen mehr als 20 Prozent nachgegeben und wir rechnen damit, dass sie weiter fallen.“

Auch für Einzelhändler sieht es schlecht aus. Breintner sagt: „Eine schnelle Erholung der Umsätze der Einzelhändler im Jahr 2021 ist aus heutiger Sicht genauso unrealistisch wie eine schnelle Rückkehr der Touristen aus Festland-China. Immobiliengesellschaften mit Hong-Kong-Schwerpunkt, Betreibern von Hotels und Restaurants sowie Einzelhändlern steht ein weiteres schweres Jahr bevor.“ Der Grund: Die Hong-Kong-Politik der chinesischen Zentralregierung genießt auf dem Festland großen Rückhalt. Festland-Chinesen sehen die Proteste als einen Angriff gegen sich und China. „Der Patriotismus in China hat unter Xi Jinping zugenommen. Länder oder Städte, die sich gegen China positionieren, werden von chinesischen Touristen in der Regel auf Jahre gemieden“, so Breintner.

Shanghai statt New York:  Luxussektor profitiert von steigender Binnennachfrage

Gute Aussichten gibt es allerdings für die Retail-Branche im Rest des Landes. Der Luxussektor zum Beispiel verzeichnet einen regelrechten Boom. Breintner sagt: „Chinesische Konsumenten sind mit Abstand die wichtigste Kundengruppe der großen Luxuskonzerne. Während diese früher während ihrer Auslandsreisen gerne in Mailand, Paris, London oder New York gekauft haben, hat sich der Absatz durch die Corona-Maßnahmen komplett ins Inland verlagert. Betreiber von Luxusmalls in Tier-1/2-Städten wie Shanghai berichten deshalb von aktuell sehr guten Geschäften.“

Luxusunternehmen wie Esteé Lauder oder LVMH haben in China im zweiten Quartal 2020 ein zweistelliges Umsatzwachstum verzeichnet. Allein am Wiedereröffnungswochenende seines Flagship-Stores in Guangzhou setzte Hermés Mitte April 2020 an einem einzigen Tag 2,7 Millionen US-Dollar um. Und der generelle Aufwärtstrend hat sich seitdem noch verstärkt. Die Boston Consulting Group schätzt in einem aktuellen Bericht, dass die Nachfrage chinesischer Konsumenten nach Luxusprodukten in diesem Jahr um 30 Prozent steigen wird.

Auch für den Online-Handel läuft es gut. Die chinesische Handelsplattform Alibaba etwa profitierte vom Trend zum Home-Office in der Corona-Krise und konnte seinen Umsatz von April bis Juni um rund 34 Prozent auf umrechnet etwa 18,8 Milliarden Euro steigern.

Ausblick: Binnenkonsum als Säule des Wirtschaftswachstums

China hat die Corona-Krise effektiv gemanagt und auch die jüngsten Wirtschaftsdaten überzeugen. In Hinblick auf das erwartete Wirtschaftswachstum für 2021 gibt es jedoch zahlreiche Unsicherheiten wie etwa den Handelskonflikt mit den USA. Aktuell liegen die Wachstumsprognosen für das chinesische BIP bei rund 8,4 Prozent. Der wachsende Binnenkonsum wird in den nächsten Jahren voraussichtlich der wichtigste Treiber und gleichzeitig auch Stabilisator des chinesischen Wachstums sein. Der Konsum steht aktuell für etwa 38 Prozent des chinesischen BIP. In den westlichen Industrienationen liegt dieser Anteil oft bei bis zu 70 Prozent, in den USA sogar etwas darüber.

„China will mit der Fokussierung auf den Binnenkonsum und der gezielten Förderung spezifischer Regionen und Technologien die eigene Wirtschaft unabhängiger vom Ausland machen. Ein wichtiges Ziel des neuen Fünf-Jahresplans, der im März 2021 verabschiedet wird, dürfte deshalb eine massive Stärkung der Binnennachfrage sein“, sagt Fondsmanager Breintner. „Das Beispiel Hong Kong zeigt jedoch, dass nicht automatisch alle chinesischen Regionen und Branchen gleichermaßen von der wachsenden Inlandsnachfrage profitieren werden. Das sollten Anleger im Hinterkopf behalten.“

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