17. Februar 2020, 12:48
Teilen bei: Ihren XING-Kontakten zeigen | Ihren XING-Kontakten zeigen

Coronavirus: „Das Worst-Case-Szenario ist unwahrscheinlich“

Es ist nicht das erste Mal, dass ein Virus um sich greift und global für Unsicherheit in der Gesellschaft und an den Märkten sorgt. So geschah dies zuletzt beim Ausbruch des SARS-Virus 2003 und der Schweinegrippe im Jahr 2009. Beide weisen starke Ähnlichkeiten bezüglich der Ansteckungs- und Todesrate auf. Dennoch lässt sich von ihnen nicht direkt darauf schließen, welches Ausmaß der Ausbruch des Coronavirus auf die Weltwirtschaft haben wird. Denn: Die wirtschaftliche Integration und die Reaktionen der Behörden von heute unterscheiden sich von den Fällen damals.

Boerse-china-TT in Coronavirus: „Das Worst-Case-Szenario ist unwahrscheinlich“

„Auf China entfallen heute 16 Prozent des weltweiten Bruttoinlandproduktes und 12 Prozent der globalen Investitionen. Das weltweite Wachstum würde entsprechend indirekt einen Anteil an den Kosten des Virus tragen – abhängig von der Dauer des Ausbruchs und der weiteren Verbreitung“, sagt Jean-Baptiste Berthon, Senior Cross-Asset Strategist bei Lyxor Asset Management. „Für uns sind mehrere Szenarien denkbar. Generell sind wir jedoch der Ansicht, dass sich die Pandemie nur vorrübergehend auf das globale Wachstum auswirken und überschaubar bleiben wird“, so Berthon weiter.

Im Best-Case-Szenario von Lyxor Asset Management tragen die strengen Maßnahmen der Behörden dazu bei, den Ansteckungstrend innerhalb weniger Wochen umzukehren und das Virus bis zum Ende des ersten Quartals einzudämmen. „In diesem Fall dürfte sich die chinesische Wirtschaft ab dem zweiten Quartal wieder erholen, sodass sich das chinesische Bruttoinlandsprodukt lediglich um 0,1 bis 0,2 Prozentpunkte auf Jahresbasis verringern dürfte“, sagt Berthon. Dem Basis-Szenario zufolge dürfte die Inkubationszeit zu einer weiteren Ansteckungswelle in ganz China führen, jedoch in geringerem Ausmaß als in Hubei. Reisebeschränkungen und das zunehmende Wissen über das Virus würden letztlich zu einer Lösung bis zum Sommer dieses Jahres führen. Lyxor Asset Management schätzt für dieses Szenario einen Rückgang des chinesischen BIP um 0,5 Prozentpunkte. Im schlechtesten Fall breitet sich das Virus durch die Überforderung der Behörden weiter aus – sowohl in China als auch im Ausland. Vermehrte Reiseverbote sowie steigende Produktionsausfälle wären die Folge, mit stärkeren Auswirkungen auf das globale Wachstum. „Das Worst-Case-Szenario ist schwer abzuschätzen, allerdings könnte es das Wachstum des chinesischen BIP um einen ganzen Prozentpunkt bremsen. Eine Erholung dürfte sich dann erst Anfang 2021 wiedereinstellen“, so Jean-Baptiste Berthon.

Behörden dämmen Schaden für Gesundheit und Wirtschaft ein

Berthon hält den Worst-Case jedoch für unwahrscheinlich: Bislang lassen die Berichte über die Infektionsfälle nicht auf eine katastrophale Ansteckungswelle in ganz China schließen. Die chinesischen Behörden tun ihr Bestes, um den Ausbruch und dessen Folgen einzudämmen. Sie verhängen Reise- und Ausgeh-Einschränkungen und setzen Impulse zur Eindämmung des Ausbruchs und seiner Folgen. Die Chinesische Volksbank vergibt günstige Kredite und pumpt gleichermaßen massiv Liquidität in die Märkte. So hat sie den Reverse-Repos-Zinssatz um 10 Basispunkte gesenkt und gleichzeitig 1,7 Billionen Renminbi bereitgestellt. „Damit ist der Weg für weitere Zinssenkungen geebnet. Darüber hinaus wurden Steuererleichterungen und andere Subventionen angekündigt, die den vom Virus am stärksten betroffenen Wirtschaftssegmenten und -bereichen zugutekommen sollen“, so Berthon.

Da der Ausbruch des Coronavirus wahrscheinlich noch nicht seinen Höhepunkt erreicht hat, bleibt die Unsicherheit bestehen. Allerdings sieht Jean-Baptiste Berthon darin auch Chancen. „Während die Märkte und die Stimmung wahrscheinlich volatil bleiben, beginnen wir vorsichtig mit der Neupositionierung von Vermögenswerten, die für den Worst-Case eingepreist wurden – der vermutlich nicht eintreten wird. Sobald die Neuinfektionen und die Angst nachgelassen haben, werden Kupfer, Öl, asiatische Schwellenländer-Anlagen und die am stärksten betroffenen Sektoren im Gegensatz zu Gold, Versorgungsunternehmen oder dem Yen an Attraktivität gewinnen“, sagt Berthon.

Vor dem 29. Februar werden sich die wirtschaftlichen Berichterstattungen jedoch in Grenzen halten – eine Beurteilung über die Auswirkung des Corona-Virus auf das chinesische Wachstum bleibt bis dahin schwierig. „Sobald der Medienrummel nachlässt und bestätigt wurde, dass der Ausbruch weitestgehend auf Chinas Provinz Hubei begrenzt bleibt, wird es mit den Märkten aber wieder aufwärts gehen“, schließt Berthon.

Foto: Shutterstock

Ihre Meinung



 

Versicherungen

Versicherer kommen Kunden in der Krise entgegen

Gegen eine Pandemie sind nur sehr wenige Unternehmen versichert. Privatbürger haben zwar ihre Krankenversicherung, aber keinen Schutz gegen Einkommensverluste. In dieser Lage wollen führende Unternehmen der Branche großzügig sein.

mehr ...

Immobilien

DIC Asset senkt wegen Corona-Krise Gewinnprognose – Dividende bleibt

03Die Immobiliengesellschaft Dic Asset rechnet im laufenden Jahr wegen der Auswirkungen der Corona-Krise nicht mehr mit einer Gewinnsteigerung im Vergleich zu 2019. Die branchenübliche Kennziffer FFO (Funds from Operations) werde 2020 zwischen 94 und 96 Millionen Euro liegen, teilte das Unternehmen am späten Freitagabend in Frankfurt mit. Bisher hatte DIC Asset mit 104 bis 106 Millionen Euro gerechnet. Im Vorjahr waren hier 95,0 Millionen Euro erzielt worden.

mehr ...

Investmentfonds

Corona-Lockdown: Wie der Exit gelingen kann

Die Corona-Krise trifft alle: Um die Verbreitung des Virus zu bremsen, hat Deutschland sich umfassende Beschränkungen auferlegt. Sie tragen dazu bei, dass viele Menschen und Firmen um ihre ökonomische Zukunft fürchten. Die Politik muss deshalb zweierlei schaffen: Einerseits die Gesundheit der Bürger so weit wie möglich schützen und sie andererseits vor noch größeren volkswirtschaftlichen Schäden bewahren, die letztlich zu gesellschaftlichen werden. In diesem Kontext werden Wege aus dem Lockdown debattiert – das IW hat einen entsprechenden Exit-Plan entwickelt. Ein Beitrag von Professor Dr. Michael Hüther, Direktor und Mitglied des Präsidiums, und Dr. Hubertus Bardt, Geschäftsführer und Leiter Wissenschaft.

mehr ...

Berater

DIN-Norm 77230: Prüfungen jetzt online möglich

Wegen der Coronakrise bietet das Defino Institut für Finanznorm Prüfungen für die Zertifizierung zum “Spezialisten für die private Finanzanalyse – DIN 77230” ab sofort auch im Online-Verfahren an.

mehr ...

Sachwertanlagen

BVT schließt institutionellen US-Fonds und investiert erneut in Boston

Die BVT Unternehmensgruppe, München, hat über ihre Kapitalverwaltungsgesellschaft Derigo für den von ihr verwalteten geschlossenen Spezialfonds BVT Residential USA 12 die dritte Investition vorgenommen. Ein Nachfolge-Spezialfonds ist geplant.

mehr ...

Recht

Homeoffice: Der richtige Versicherungsschutz für Laptop und Co.   

Um in der Heimarbeit effektiv und produktiv arbeiten zu können, bedarf es der richtigen Grundausstattung. Hier stehen Arbeitgeber in der Pflicht, ihren Mitarbeitern alle notwendigen Arbeitsmittel zur Verfügung zu stellen. Welcher Mitarbeiter benötigt neben Laptop oder PC noch ein Headset oder gar einen Multifunktionsdrucker? Welche Software wird benötigt, um einen reibungslosen Kommunikationsfluss zu schaffen? Ein Überprüfen der bisherigen Arbeitsprozesse schafft hierbei Klarheit über die bereits vorhandenen Grundvoraussetzungen sowie fehlendes Equipment.

mehr ...