7. April 2020, 17:58
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Wie lange behält Italien noch seinen Investment-Grade-Status?

Ein Kommentar von Nick Chatters, Investment Manager bei Kames Capital, zur wirtschaftlichen Situation und der Bonität Italiens.

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Nick Chatters, Kames Capital

Das Coronavirus hat sich in ganz Italien ausgebreitet.  Das Land weist bereits ein beunruhigendes Schuldenprofil auf. Daher stellt sich die Frage, wie die Rating-Agenturen die Kreditwürdigkeit Italiens beurteilen werden, welches bereits gefährlich nahe am „Junk-Status“ schwebt.

Das BIP-Wachstum in Italien ist seit Anfang 2018 im Wesentlichen rückläufig, wobei das Wachstum Ende 2019 in den negativen Bereich fiel und die Produktions- und Dienstleistungssektoren dem allgemeinen Bild der Eurozone folgten. In der gesamten Eurozone war das BIP in den vergangenen zwei Jahren rückläufig, wobei es in jüngster Zeit Anzeichen für eine Stabilisierung gab.

Allerdings unterscheidet sich Italien hinsichtlich seiner Verschuldung, die derzeit bei über 135 Prozent des BIP liegt, vom durchschnittlichen Markt der Eurozone. Diese Zahl ist auch relativ gesehen hoch, da die Renditedifferenz, die der Staat zur Refinanzierung zahlen muss plus die hohe nominale Verschuldung in Italien stärker ausgeprägt sind als in anderen verschuldeten Ländern, wie Griechenland oder Portugal. Das Schuldenprofil ist jedoch so weit gefasst, dass sich der Refinanzierungsbedarf über einen langen Zeitraum hinziehen wird.

Volatilität Italiens ist auf die Landespolitik zurückzuführen

Ein Großteil der Volatilität ist in Italien in den letzten Jahren auf die Landespolitik und deren zunehmend populistische und sozialistische Agenden zurückzuführen, an denen eine Mix aus regionalen und nationalistischen Parteien beteiligt sind.

Im Wesentlichen hängt die Ausweitung der Spreads mit dem Erfolg der Lega- und Fünf-Sterne-Bewegung zusammen. Diese Bewegung versuchte gegen die EU für eine expansivere Finanzpolitik zu kämpfen, als im Rahmen des Stabilitäts- und Wachstumspakts zulässig ist. Kürzlich entschärfte sich diese angespannte Situation etwas, da das von Matteo Salvini ausgerufene Misstrauensvotum der Lega nach hinten losging und die Partei folglich aus der neuen Regierungskoalition ausgeschlossen wurde. Die Gespräche konnten seitdem fortgeführt werden.

Dem Junk-Status nahe

Doch mit der Verschlechterung der Haushaltslage durch das Coronavirus ist die Wahrscheinlichkeit einer Herabstufung auf Junk-Status wieder gestiegen.

Das Problem der finanzpolitischen Reaktion der Eurozone ist, dass Italien es sich nicht leisten kann. Und das, obwohl die EZB durch quantitative Lockerung (QE) in diesem Jahr über eine Billion Euro in die Anleihenmärkte der Eurozone investiert hat. Die derzeitige Regierung ist steuerlich vernünftiger als es in der Vergangenheit der Fall war. Sie ist sich bewusst, dass sich der Markt rächen wird, wenn sie versucht unverantwortliche Ausgabenpläne durchzusetzen. Die Makrodaten werden vom Coronavirus jedoch erheblich beeinträchtigt werden.

Die italienische Regierung hat zudem im Einklang mit anderen Regierungen der Eurozone bedeutende finanzielle und liquiditätspolitische Maßnahmen angekündigt. Das Pandemie-Finanzpaket wird nach den Regeln des Stabilitäts- und Wachstumspakts aufgehoben. Das bedeutet aber nicht, dass Italien es sich mit einer Verschuldung von 135 Prozent des BIP leisten kann. Dennoch ist die Tragfähigkeit der Schulden nicht das Thema. Bei der Laufzeitstruktur, die Italien hat, ist es eher eine Frage des Marktvertrauens.

Unterstützung durch die EZB und Ausblick

Auf der positiven Seite ist das Pandemic Emergency Purchase Programme (PEPP) der EZB von großer Bedeutung. Es gibt der Europäischen Zentralbank die Möglichkeit, die Mitgliedsländer nach eigenem Ermessen zu unterstützen, ohne sich Sorgen über die Überschreitung von Grenzwerten für die Gefährdung einzelner Länder machen zu müssen. Darüber hinaus hat die EZB im Rahmen des PEPP-Programms (und durch ihren externen Kommentar) ausdrücklich erklärt, dass sie nicht zulassen wird, dass ein isolierter Ausbruch in Italien die gesamte Eurozone infizieren könnte.

Die EZB setzt zwar beträchtliche Anreize, doch diese wirken sich nur wesentlich auf den Preis ihrer Schulden aus. Die Überprüfung des Ratings durch S&P am 24. April wird der erste entscheidende Punkt sein. Die Agentur vergab bereits ein BBB-Rating/ einen negativen Ausblick für Italien. Die Überprüfung durch Moody’s folgt am 8. Mai.

Mittelfristig wird der entscheidende Treiber der horrende Schuldenanstieg sein, was bedeutet, dass eine Herabstufung des Staates durch die Rating-Agenturen immer wahrscheinlicher wird.

Foto: Kames Capital

 

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