Steigende Zinsen: Oddo BHF mahnt zur Vorsicht bei Aktieninvestments

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Anlagestrategie 2021: Werden die Aussichten für Aktien schlechter?

An den Aktienmärkten könnte es laut dem Vermögensverwalter Oddo BHF Asset Management schon bald zu einer Korrektur kommen, sollte die Teuerung wie erwartet in der nächsten Zeit kräftig anziehen.

„Aufgrund von Basiseffekten und einer vorübergehenden Verzerrung von Angebot und Nachfrage dürften die nächsten Inflationszahlen deutlich höher ausfallen als zuletzt“, sagt Laurent Denize, Chief Investment Officer bei Oddo BHF AM. Damit trete die aktuell anhaltende Aktienrally in eine heikle Phase ein. „Aus Bewertungssicht stellt sich für Aktien die Frage, ob das erwartete Gewinnwachstum weiterhin stark genug zunimmt, um den höheren Abzinsungsfaktor zu kompensieren, der mit steigenden Langfristzinsen einhergeht.“

Der Abzinsungs- oder Diskontierungssatz beschreibt einen Zinssatz, um künftige Zahlungen, wie etwa den Cashflow eines Unternehmens, auf den heutigen Gegenwartswert umzurechnen.

Steigende Anleiherenditen schlecht für Aktien

Die steigenden Anleiherenditen minderten insbesondere die Aussichten für globale Wachstumsaktien. „Bei höheren US-Anleiherenditen entwickelten sie sich in der Regel schwächer als globale Value-Titel, denn Wachstumsaktien sind deutlich höher bewertet und reagieren empfindlicher auf einen steigenden Diskontierungssatz“, erläutert Denize. „Darin besteht aktuell auch das Hauptproblem für US-Aktien. Sie sind zu einem Zeitpunkt hoch bewertet sind, an dem ein Anstieg der Inflation und der Zinsen zu erwarten ist.“

Damit spreche das aktuelle Marktumfeld für eine Untergewichtung in den USA, weil jenseits des Atlantiks die Marktkapitalisierung von Wachstumswerten am höchsten sei. Hingegen favorisiert der Vermögensverwalter europäische und japanische Aktien, da sie weniger anfällig für die aktuell steigenden Anleiherenditen seien.

Welche Aktiensegmente attraktiv sind

Auf Sektor-Ebene seien Aktien aus den Branchen Energie, Grundstoffe, Industrie und Finanzen attraktiv, bei wachstumsorientierten Technologieaktien sei jedoch Vorsicht geboten. „Bei vielen der Technologiewerte handelt es sich um sogenannte Long-Duration-Aktien, bei denen die erwarteten Gewinne häufig erst in weiter Zukunft liegen. Insbesondere bei solchen Titeln besteht das Risiko einer Marktkorrektur“, sagt Denize „Im Technologiesektor scheinen entsprechend Aktien mit angemessener Bewertung oder zyklischerem Profil weniger gefährdet.“

Versicherungstitel versprechen Potenzial

Bei Finanztiteln findet der Experte insbesondere Versicherungsunternehmen interessant. „Zwar dürfte das Kreditwachstum kaum das Niveau von vor der Finanzkrise erreichen. Dennoch ist sowohl in den USA als auch in Europa ein Aufwärtstrend erkennbar“, sagt Denize.

„Zudem sollten mit dem Abebben der Pandemie die Belastungen für Versicherer oder Rückversicherer sinken.“ Auch viele Analysten hätten bereits die verbesserten Gewinnaussichten solider Finanzinstitute zur Kenntnis genommen. „Im Versicherungssektor beispielsweise werden die Gewinnschätzungen auf beiden Seiten des Atlantiks aktuell schneller angehoben als im Tech-Sektor.“

Keine anhaltend sinkenden Aktienkurse auf breiter Front

Der Experte erwartet trotz der gestiegenen Anleiherenditen keine anhaltend sinkenden Aktienkurse auf breiter Front. In absoluten Zahlen lägen die Anleiherenditen weiterhin auf sehr niedrigem Niveau.

„Zwar können steigende Renditen vorübergehend für eine Aktienmarktkorrektur sorgen. Für eine Rezession und eine damit einhergehende Aktienbaisse müssten sie allerdings auf ein restriktives Niveau klettern“, sagt Denize. „So weit ist es aber noch nicht. Unsere Empfehlung ist daher eine etwas vorsichtigere Positionierung gegenüber Aktien.“

Neutrale Positionierung bei Aktien angestrebt

Insgesamt gehe Oddo BHF AM auf diese Weise von einer Übergewichtung zu einer neutralen Position in Aktien über. „Wir setzen auf eine „Buy the Dip“-Strategie, mit einer deutlichen Rotation in den Portfolios“, so Denize Unter einer „Buy the Dip“-Strategie versteht man den Kauf von Aktien bei starken Kursrückschlägen. Das bedeutet die Aktien würden, ausgehend von einer baldigen Erholung, zu einem günstigen Einstiegskurs erworben.

„Wir sind jedoch nach wie vor zuversichtlich, dass die Gewinne je Aktie und damit die Bewertungen im Zuge der Konjunkturerholung kräftig steigen werden, sobald der Zinsanstieg am Markt in den Risikoprämien eingepreist ist.“

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