29. August 2019, 14:00
Teilen bei: Ihren XING-Kontakten zeigen | Ihren XING-Kontakten zeigen

Die Anleihemärkte am Scheideweg

Anleiherenditen im freien Fall, eine inverse US-Zinskurve deutet auf eine Rezession hin: Gehen die Rentenmärkte nun doch den Bach herunter? Welche Indikatoren helfen, um diese Fragen zu beantworten? Wie könnten Anleiheinvestoren im aktuellen Umfeld anlegen?Ein Kommentar von David Wehner, Senior Portfoliomanager bei der Do Investment AG.

Scheideweg in Die Anleihemärkte am Scheideweg

Totgesagte leben länger und der Anleihemarkt ist ein gutes Beispiel dafür. Schließlich überrascht er immer wieder mit aktienähnlichen Renditen trotz des Niedrigzinsumfeldes.

Im aktuellen Jahr weisen nahezu alle Rentenindizes, von Staatsanleihen mit sehr guten Ratings bis Unternehmensanleihen mit einer schwachen Kreditwürdigkeit, eine hohe ein- bis zweistellige Jahresperformance auf. Selbst Anleihen aus den Schwellenländern, ausgenommen argentinische Anleihen, haben sich ähnlich gut entwickelt, da sich die jeweiligen Landeswährungen stabilisiert haben.

Expansiven Zentralbankpolitik

Der Grund für diese atemberaubende Entwicklung an den Anleihemärkten ist in der schwächelnden Konjunkturdynamik und der damit verbundenen expansiven Zentralbankpolitik zu finden.

Teilweise haben Bonds von Emittenten zweistellig performt, obwohl die Aktie des Emittenten sich seit Jahresanfang nicht von der Stelle gerührt hat. Haben also nicht nur die Zentralbanken ihr Augenmaß verloren, sondern auch die Investoren?

Ein Beispiel dafür ist die viel zitierte 100-jährige österreichische Staatsanleihe, die sich innerhalb von zwei Jahren im Kurs verdoppelt hat. Die Rendite lag im Tief bei 0,60 Prozent für eine Laufzeit von 100 Jahren. Diese Entwicklungen haben nichts mit „Fair Value“ zu tun, es ist reine Spekulation auf weitere Zentralbankmaßnahmen.

Die Zeichen richtig deuten

Wann platzt also diese Anleiheblase? Oder wie tief können Renditen noch fallen? Ein Indikator sind Staatsanleihen aus der Schweiz, die bei einer Laufzeit von zehn Jahren eine Rendite von -1,0 Prozent aufweisen.

Als die Renditen für zehnjährige Staatsanleihen in der Eurozone im Jahr 2015 das erste Mal die null Prozent angetestet und in 2016 unterschritten hatten, konnte man in diversen Wirtschaftszeitungen nachlesen, wie sich Volkswirte und Fondsmanager unterboten haben, von -1,0 Prozent bis -3,0 Prozent für deutsche Bundesanleihen war alles dabei.

Staatsanleihen als sicherer Hafen

Doch es kam anders, in 2015 stiegen die Renditen um ca. 1,0 Prozent innerhalb von wenigen Wochen und auch in 2016 stiegen die Anleiherenditen schnell wieder über die Null-Prozent-Marke. Denn Anleihen mit negativen Renditen verhalten sich mehr wie Aktien und sind volatiler.

Es gibt keinen ordentlichen Ertrag. Sie zahlen jemandem Geld dafür, dass er sich bei Ihnen Geld leiht und Sie können nur einen Ertrag erwirtschaften, wenn Ihnen ein Dritter einen höheren Preis für die Anleihe bezahlt. Dagegen führt jeder kleine Zinsanstieg sofort zu einem Verlust auf der Position.

 

Seite 2: Wie Anleger richtig reagieren

Weiter lesen: 1 2

Ihre Meinung



 

Versicherungen

Getsafe beantragt eigene Versicherungslizenz

Der digitale Versicherungsanbieter Getsafe hat die Zulassung der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) für die Schaden- und Unfallversicherung beantragt. Mit der eigenen Lizenz will das Unternehmen neue Produkte und Innovationen für Kunden schneller vorantreiben.

mehr ...

Immobilien

Wie sich COVID-19 auf europäische Immobilien auswirkt

Da sich COVID-19 immer weiter ausbreitet und die Reaktion der Regierung sich daran orientiert, analysieren wir die jüngsten Entwicklungen und ihre möglichen Auswirkungen auf den europäischen Immobilienmarkt. Ein Kommentar von Chris Urwin, Director of Research, Real Assets bei Aviva Investors.

mehr ...

Investmentfonds

Sozialverband VdK fordert kurzzeitige Vermögensabgabe

Die Bundesregierung hat ein erstes Hilfspaket verabschiedet. Es soll die Folgen der Corona-Krise für die Bevölkerung, den Arbeitsmarkt und die Wirtschaft auffangen. Nach Einschätzung des Sozialverbands VdK wird es nicht ohne weitere Hilfen gehen. Vor allem Beschäftigte, Familien und Menschen mit Behinderung brauchen mehr Unterstützung.

mehr ...

Berater

BaFin pfeift fünf weitere Unternehmen zurück

Die Finanzaufsicht BaFin hat drei Unternehmen die jeweils unerlaubt betriebenen Geschäfte untersagt und weist in zwei weiteren Fällen darauf hin, dass eine erforderliche Erlaubnis der BaFin nicht vorliegt. Letztere beiden Unternehmen agieren anonym im Netz und geben weder Rechtsform noch Sitz an.

mehr ...

Sachwertanlagen

P&R-Insolvenzverfahren durch Corona nicht beeinträchtigt

Die Vermietung und Verwertung der Container im Zuge der Insolvenzverfahren der deutschen P&R Containervertriebsgesellschaften sind nach Informationen des Insolvenzverwalters bislang durch die Corona-Krise nicht beeinträchtigt. Eine beachtliche Summe aus der Verwertung wurde bereits realisiert.

mehr ...

Recht

Corona-Bonus – was Arbeitgeber beachten müssen

Arbeitgeber dürfen ihren Mitarbeitern einen steuerfreien Corona-Bonus bis zu 1.500 Euro zahlen. „Steuerfrei und sozialabgabenfrei ist der Bonus aber nur, wenn es sich um einen zusätzlichen Bonus handelt“, warnt Ecovis-Steuerberater Martin Fries in Aschaffenburg. Er erläutert, was Arbeitgeber beachten müssen, damit sie und ihre Mitarbeiter von der Steuerfreiheit profitieren.

mehr ...