Fed-Entscheidung: Powell praktiziert Learning by doing

Am Abend hat die US-Notenbank ihre erste Zinssenkung seit mehr als zehn Jahren bekannt gegeben. Die Vorfreude war groß, doch das Gros der Marktteilnehmer sowie US-Präsident Donald Trump wurden enttäuscht. Gold-Anleger dagegen frohlocken. Überhaupt scheint – glaubt man einigen Experten – das Edelmetall die Anlagealternative zu sein, um den dunklen Wolken an den Finanzmärkten auszuweichen.

Frank O. Milewski, Cash.-Chefredakteur

Für den Augenblick zu wenig und keine Perspektive für mehr. So lässt sich die Entscheidung der Fed am gestrigen Abend zusammenfassen. Um 0,25 Prozent hatte Fed-Chef Jerome Powell die Zinsschraube nach unten gedreht. Sodass die Leitzinsen jetzt in einem Korridor zwischen 2 und 2,25 Prozent liegen.

Trump beschwert sich über Twitter

Viele Marktteilnehmer hatten einen deutlich höheren Schritt erwartet. Und auch Trump hätte gern mehr gesehen, wie er in seiner unnachahmlichen Art per Twitter kundtat. Braucht er doch jede Unterstützung bei den diversen von ihm selbst vom Zaun gebrochenen Handelskonflikten, allen voran jenen mit China.

Er hatte gehofft, mit einer größeren Zinssenkung den Dollar soweit zu schwächen, dass er mehr US-Produkte ins Ausland verkaufen kann. Doch weit gefehlt. Unmittelbar nach der Entscheidung stieg der Dollar sogar gegenüber dem Euro.

Powell zeigte sich mitunter überfordert

Und auch die Reaktionen der Kapitalmärkte fielen anders aus als von vielen erwartet. Aktienkurse gaben auf breiter Front nach, nachdem ein unsicher wirkender Fed-Chef vor die Presse getreten war, um seine Entscheidung zu kommentieren.

Anders als EZB-Präsident Mario Draghi, der nicht, müde wird immer wieder zu betonen, er werde alles tun, um den Euro zu retten, zeigte sich Powell von den vielen wirtschaftlichen Baustellen, nicht zuletzt verursacht durch Präsident Trump, überfordert.

Powells Tenor, der die Märkte eher verunsicherte: Man müsse erst einmal schauen und mit einer solchen Situation wie der derzeitigen, habe man noch nie umgehen müssen. Klare Strategie Fehlanzeige.

Gold als neuer Anlage-Star

Während in der US-Notenbank also Learning by doing angesagt ist, wird von so manchem Marktteilnehmer bereits eine deutliche Zunahme bei Goldinvestments propagiert. Die Lenker des Hedge-Fonds Crescat Capital etwa sehen sogar einen wirtschaftlichen Abschwung bevorstehen.

Und damit einhergehend ein starker Einbruch der Aktienmärkte. Gold, Silber und Minenaktien seien deshalb das Anlagegebot der Stunde. Schließlich sei der Anteil dieser Assets in den Investmentportfolios der Anleger nach wie vor zu niedrig.

Edelmetalle seien eine der wenigen Nischen des Marktes, die erhebliche Werte zur Absicherung gegen die extreme Geldpolitik der Notenbanken, das Platzen von Blasen in anderen Anlageklassen und die rekordhohe, globale Verschuldung bieten würden, so Crescat. Man sehe deshalb große Chancen für Gold, Silber und die Bergbauaktien aus diesen Bereichen.

Analysten sehen Gold als wichtigstes Asset

Die Experten betrachten Gold als die „ultimative Form“ des Geldes mit einer langen Geschichte der Werterhaltung für Anleger und einer Performance in Marktabschwüngen, die die von riskanteren Assets übertreffe.

Nach Ansicht von Crescat beginnt nun eine neue Phase, in der sich die Märkte über die vorherrschende Politik der Geldentwertung bewusst werden.

Gold sollte nach Meinung der Analysten zum wichtigsten Asset für alle werden, die von dieser Makroentwicklung überzeugt sind, doch aktuell sei der Anteil des Edelmetalls in den Investmentportfolios noch viel zu niedrig.

Abschwung um bis zu 50 Prozent am US-Aktienmarkt

Crescat Capital glaubt zudem, dass der drohende wirtschaftliche Abschwung „brutale“ Auswirkungen auf den US-Aktienmarkt haben wird. Zwar hätten viele US-Aktienmärkte zuletzt knapp neue Hochs erreicht, dass sei aber trotz schwächerer interner Marktdaten erfolgt.

Die Experten glauben, dass der Abverkauf an den Aktienmärkten bis zu 50% erreichen könnte und sagen eine düstere Zukunft für den Aktiensektor voraus.

Bliebe zu hoffen, dass die Fed ihren Learning by doing-Modus verlässt und rasch zu ihrer alten Stärke zurückfindet, um die Wirtschaft weiter am Laufen zu halten und etwaige Kursabschwünge zu verhindern. (fm)

 

Foto: Cash.

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