20. August 2019, 14:38
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Geld schießt keine Tore, oder doch? Investments rund um das runde Leder

Börsennotierte Fußball-Clubs können der Gruppe der Sport-Aktien zugerechnet werden, zu denen z.B. auch Inhaber von Medienrechten, Ausrüster oder Bestandshalter von Sport-Immobilien zählen. Zusammen bilden sie ein Untersegment der globalen Freizeit-, Medien und Konsumwerte. Wir nehmen den geglückten Börsengang der Spielvereinigung Unterhaching Fußball GmbH & Co. KGaA zum Anlass, die Eignung von Aktien und Anleihen aus der Fußballwelt aus Sicht eines Investors zu bewerten. Kolumne von Markus Merkel, Leiter Mandate und Kooperationspartner der steinbeis & häcker vermögensverwaltung in München.

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Das investierbare Universum umfasst internationale Clubs. Darunter finden sich so illustre Namen wie Manchester United, Lazio Rom oder auch Ajax Amsterdam. Haching, so der umgangssprachliche Gebrauch der Spielvereinigung Unterhaching Fußball GmbH & Co. KGaA, ist nach Borussia Dortmund im Jahr 2000 überhaupt erst der zweite Verein, der in Deutschland einen Börsengang erfolgreich umgesetzt hat.

Die Mehrzahl der Kandidaten ist als spekulative Beimischung für sehr chancenorientierte Anleger einzustufen. Die Bandbreiten der Anlageergebnisse weisen eine außerordentliche Spreizung auf.

Für und Wider der Börsennotierung eines Sportvereins

Ein Börsengang verhilft zur frühzeitigen Refinanzierung der mittelfristigen sportlichen Planung und ermöglicht Investitionen in die Infrastruktur rund um Stadion, VIP-Bereich oder auch Nachwuchsleistungszentrum.

In jedem Fall stellt ein IPO eine Steigerung der Außenwirkung dar, zieht neue Sponsoren an und unterstützt bei der Akquise von Leistungsträgern auf und neben dem Platz.

Andererseits könnte der Einfluss des Gesamtvereins auf die Fußballabteilung durch einen Großaktionär verwässert werden und den Schulterschluss mit der Fanbasis aufweichen. Seitens der Ligakonkurrenten könnte ein Wettbewerbsnachteil moniert werden oder der Börsenneuling könnte der Versuchung erliegen, die zugeflossenen Mittel ineffizient und überhastet zu allokieren.

Charakteristika und Erfolgsfaktoren

Fußballaktien sind vielfach als Small Caps einzustufen und weisen als solche häufig eine eingeschränkte Liquidität verbunden mit ausgeprägter Volatilität auf, was institutionelle Investoren eher abhalten könnte.

Mit der zunehmenden Kommerzialisierung des Fußballs hat die Bedeutung des Eintrittskartenverkaufs zugunsten von Sponsoringeinnahmen und Merchandising signifikant abgenommen.

Eine über Jahre gewachsene, breite Fanbasis ist somit ein ausgeprägtes Positiv-Kriterium. Der mit sportlichem Erfolg verbundene finanzielle Hebel liegt heutzutage jedoch ganz
überwiegend in den Cash-Flows aus TV-Einnahmen, die z.B. zwischen der zweiten und dritten Liga in Deutschland etwa beim Faktor zehn liegen.

Versteht sich der Verein als Ausbildungsbetrieb für junge Talente und unterhält Kooperationen mit höherklassigen Vereinen, so ist der Erlös aus Spielertransfers nicht zu unterschätzen.

Umgekehrt besteht eine hohe Korrelation zu tagesaktuellen Ereignissen wie personelle Umbesetzungen im Trainerstab, der verletzungsbedingte Ausfall von Schlüsselspielern oder die Verfehlung sportlicher Ziele.

Fußball-Anleihen aus professioneller Anlegersicht eher problematisch

Eine alternative Vorgehensweise, um sich über den Kapitalmarkt Finanzmittel zu beschaffen, ist die Begebung von vereinsbezogenen Unternehmensanleihen Zahlreiche Vereine deutscher
Profi-Ligen sind diesen Weg gegangen. Vielfach werden diese Emissionen im mittelfristigen Laufzeitsegment getätigt und weisen Renditen von ca. 3% bis ca. 5% auf (Stand: 08/2019).

Unseres Erachtens müssten die Verzinsungen angesichts der Qualität und Unwägbarkeiten bei einigen dieser Papiere bei einem Vielfachen dessen liegen. Es handelt sich mitunter um Refinanzierungsmöglichkeiten für Vereine, die nur noch eingeschränkt auf Kreditlinien von Banken zurückgreifen können.

Zinszahlungen sind somit eher als Naturaldividende zu sehen, die für den nächsten Stadionbesuch, Bratwurst und Kaltgetränk im Kreise Gleichgesinnter verwandt werden können.

Fazit: Sport-Aktien sind überwiegend als Fan-Artikel einzustufen

Der Sport, und insbesondere der Fußball-Sport, stellt einen intakten Wachstumsmarkt dar und wies zuletzt deutlich höhere Steigerungsraten als die Weltwirtschaft insgesamt auf. Fußballaktien
führen ein Eigenleben und sind von Themen wie Brexit, Handels- und Währungskrieg, rezessiven Tendenzen und politischen Störfeuern weitgehend unberührt. Insofern können sie unkorrelierte
Assets darstellen.

Gleichwohl existieren branchenspezifische Einflussfaktoren, die eine Unternehmensbewertung rein auf Grundlage etablierter Bewertungsmodelle erschweren. Der Megatrend eSports vermag
Fußballvereinen i.A. einen zusätzlichen Aufmerksamkeitsschub und neue Erlösquellen zu bescheren (zu Global eSports sei auf die zahlreichen Publikationen meines Kollegen Gerd
Häcker verwiesen.)

Die für diese Kolumne exemplarisch herangezogene Spielvereinigung Unterhaching Fußball GmbH & Co. KGaA kann mit ihrem bodenständigen Management perspektivisch einen zweiten Blick wert sein, auch in der derzeit noch dritten Liga. Wir bei steinbeis & häcker drücken allen Münchener Teams die Daumen für einen erfolgreichen Verlauf der Saison 2019/2020.

Foto: Thinkstock.com/Jupiterimages

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