15. Oktober 2019, 13:00
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Trumps Fest der Liebe

Der Handelskrieg mit China sei endlich beigelegt, ließ US-Präsident Trump am Freitag verlauten, nicht weniger als „the greatest and biggest deal ever“ für die amerikanischen Farmer habe er gerade mit Liu He, dem stellvertretenden chinesischen Ministerpräsidenten verabredet. Ein Kommentar von Dr. Martin Lück, Leiter Kapitalmarktstrategie in Deutschland, der Schweiz, Österreich und Osteuropa bei BlackRock.

Martin-lueck in Trumps Fest der Liebe

Martin Lück analysiert das Geschehen an den wichtigsten Kapitalmärkten.

Letzterer wollte dann doch nicht so ganz in Trumps Übertreibungsorgie von einem „Fest der Liebe“ zwischen den Kontrahenten einstimmen, äußerte sich aber zuversichtlich, am 16. November beim APEC-Gipfel in Santiago de Chile ein „Phase 1-Abkommen“ mit den USA unterzeichnen zu können.

Positives Signal an den Aktienmärkten

Obwohl bis dato kaum Konkretes bekannt ist und wir gesehen haben, dass vollmundigen Versprechungen zum Thema Handelskonflikt schon allzu oft Enttäuschung gefolgt ist, haben die Finanzmärkte positiv auf die Nachricht reagiert.

Aktien in Amerika, Asien und Europa verzeichneten über den Verlauf der letzten Woche satte Kurszuwächse, der DAX legte um über 4% zu. Renditen zehnjähriger Staatsanleihen mit hoher Bonität stiegen markant, um 15 Basispunkte in Deutschland, um 24 in den USA, der Goldpreis verlor 1,7%. All dies sind Zeichen einer markanten „risk-on“-Reaktion.

Dass US-Exporte nach China demnächst die Größenordnung von 40-50 Mrd. US-Dollar erreichen, wie von Trump behauptet, erscheint indes fragwürdig. Dies entspräche rund einer Verdopplung der Lieferungen im Vergleich zu der Phase vor Eskalation des Handelskonflikts.

Exporte außerhalb des Agrarsektors eröffnen Potenziale

Eine Erhöhung der Importe von Sojabohnen, die infolge der jüngsten Streitigkeiten eingebrochen sind, dürfte hierfür ebenso wenig ausreichen wie deutlich mehr amerikanische Exporte von Schweinefleisch. Besonders an letzterem haben die chinesischen Behörden durchaus Interesse, weil die afrikanische Schweinepest die eigenen Bestände an Zuchtschweinen erheblich dezimiert hat und Versorgungsengpässe drohen.

Unterm Strich dürften aber nur Exporte auch außerhalb des Agrarsektors das Potenzial eröffnen, in die angestrebte Region von 40-50 Mrd. zu gelangen. Ein geeigneter Kandidat könnte amerikanisches Schieferöl sein, zuletzt waren aber auch in diesem Bereich die Lieferungen infolge gestiegener Frachtkosten zurückgegangen. Im Wettbewerb mit dem Mittleren Osten sind die weiten Lieferwege aus Nordamerika ein Nachteil für Fracking-Öl made in USA.

Hoffnung auf Entspannung

Auch in Europa gab es in der Vorwoche Hoffnung auf Entspannung, die sich in den Preisen von Finanzaktiva, vor allem in Pfund Sterling, niederschlug. Gespräche zwischen der britischen Regierung und der EU, ganz besonders ein Treffen Boris Johnsons mit seinem irischen Kollegen Leo Varadkar, ließen Erwartungen bezüglich eines Deals ins Kraut schießen.

Sollte es tatsächlich gelingen, im Austrittsabkommen eine harte Grenze zwischen Nordirland und dem EU-Land Republik Irland zu vermeiden, könnte der in Großbritannien so verhasste „Backstop“ aus dem Vertragswerk entfernt und das Abkommen somit doch noch unterzeichnet werden. Für Boris Johnson wäre das ein großer Sieg.

 

Seite 2: Über die EU und den Brexit

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