Halbjahresbilanz bei Talanx: Prämien und Konzernergebnis legen zu

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Talanx hat im zweiten Quartal trotz weiterer Rückstellungen für die Folgen des Ukraine-Kriegs seinen Gewinn gesteigert. Mit 304 Millionen Euro lag der Überschuss 13 Prozent höher als ein Jahr zuvor. Für 2022 erwartet der Versicherungskonzern einen Gewinn zwischen 1,05 bis 1,15 Milliarden Euro.

Der Talanx Konzern hat im ersten Halbjahr 2022 die Prämien sowie das Konzernergebnis gesteigert. Die gebuchten Bruttoprämien erhöhten sich gegenüber dem Vorjahreszeitraum zweistellig um 17,7 Prozent auf 28,3 (24,1) Milliarden Euro. Das operative Ergebnis legte im ersten Halbjahr 2022 gegenüber der Vergleichsperiode auf 1,4 (1,3) Mrd. EUR zu. Das Konzernergebnis verzeichnete ein Plus auf 560 (546) Mio. EUR. Die Eigenkapitalrendite erreichte 11,8 (10,5) Prozent.

Mit 40 (42) Prozent trug die Erstversicherung zum Prämien- und mit 43 (45) Prozent in nahezu gleichbleibend hohem Umfang zum Konzernergebnis bei. Die Talanx Gruppe hält auf dieser Basis an ihrem Ausblick auf das Konzernergebnis für das Gesamtjahr 2022 in der Spanne zwischen 1.050 und 1.150 Milliarden Euro fest und hebt die Wachstumserwartungen auf einen hohen einstelligen Prozentsatz an.

Die Großschadenbelastung durch Naturkatastrophen auch durch die Folgen des Klimawandels lag mit 672 (261) Millionen Euro deutlich über der Vergleichsperiode und prägte das erste Halbjahr 2022. In diesem Zusammenhang wurden die größten Schäden durch die Flut in Australien (259 Millionen Euro), die Februar-Stürme in Mitteleuropa (179 Millionen Euro) sowie die Flut in Südafrika (84 Millionen Euro) ausgelöst. Man-made-Großschäden reduzierten sich im Vergleich zum Vorjahreszeitraum von 264 auf 65 Millionen Euro.

Wegen des russischen Angriffskriegs in der Ukraine haben die Geschäftsbereiche Rück- und Industrieversicherung insgesamt 346 Millionen Euro vorsorgliche Reserven gebildet, wobei der weit überwiegende Teil der Rückstellungen auf Schäden entfällt, die vermutlich bereits eingetreten sind, aber noch nicht gemeldet wurden. Insgesamt belaufen sich die Großschäden auf 1.083 (527) Millionen Euro. Das periodenanteilige Großschadenbudget von 816 (681) Mio. EUR wurde somit um 267 Mio. EUR überschritten.

Das versicherungstechnische Ergebnis verbesserte sich in den ersten sechs Monaten insgesamt auf von -982 auf -498 Millionen Euro. Es war geprägt von einer deutlichen Verbesserung in der Lebensversicherung, während sich das Ergebnis in der Schaden- und Unfallversicherung verschlechterte. In der Lebensversicherung verringerte sich der Zuführungsbedarf zur Zinszusatzreserve (ZZR). Deshalb wurden signifikant weniger Kapitalerträge realisiert, an denen die Versicherungsnehmer zu beteiligen sind. In der Personen-Rückversicherung wirkte sich zudem eine rückläufige Corona-Übersterblichkeit im Vergleich zum Vorjahr positiv auf das versicherungstechnische Ergebnis aus. Die kombinierte Schaden-/Kostenquote in der Schaden- und Unfallversicherung erhöhte sich von 95,9 auf 98,4 Prozent.

Gründe hierfür sind eine sich normalisierende Schadenbelastung infolge der gestiegenen Mobilität nach Lockdown-Ende, die Häufung von Großschäden, die potenziellen Belastungen aus dem russischen Angriffskrieg auf die Ukraine sowie die derzeitige Inflationssteigerung. Das Kapitalanlageergebnis lag mit 1,9 Milliarden deutlich unter dem Vorjahreswert von 2,4 Milliarden Euro, weil in der Lebensversicherung weniger Realisate für die ZZR benötigt wurden. Die Kapitalanlagerendite betrug 2,7 (3,3) Prozent. Die Solvency-2-Quote zum 30. Juni 2022 lag ohne Übergangsmaßnahme bei 211 (31. März 2022: 214) Prozent und liegt damit weiter auf komfortablem Niveau. Der Rückgang im zweiten Quartal beruhte unter anderem auf der Rückzahlung einer nachrangigen Anleihe im Juni 2022.

Im zweiten Quartal wuchsen die gebuchten Bruttoprämien stark um 19,2 Prozent auf 12,4 (10,4) Milliarden Euro. Das versicherungstechnische Ergebnis steigerte sich gegenüber der Vorjahresperiode ebenfalls deutlich auf -75 (-382) Millionen Euro. Die Schaden-Kostenquote lag bei 98,4 (95,7) Prozent, das Kapitalanlageergebnis bei 837 (1.096) Millionen Euro. Das operative Ergebnis erhöhte sich auf 728 (707) Millionen Euro, das Konzernergebnis deutlich um 13 Prozent auf 304 (270) Millionen Euro.

Ausblick 2022: Wachstumsziel erhöht

Den Ausblick für 2022 bekräftigte die Gruppe insgesamt ebenso wie die mittelfristigen Ziele. Das Wachstumsziel für das Jahr 2022 wurde präzisiert. War zuvor ein mittlerer einstelliger Prozentsatz gegenüber dem Jahr 2021 avisiert worden, wird nun ein Wachstum im oberen einstelligen Prozentbereich erwartet. Alle weiteren Ziele für den Konzern werden bestätigt: Die Kapitalanlagerendite sollte bei rund 2,4 Prozent liegen, wobei mit einem im Vergleich zum Vorjahr geringeren außerordentlichen Ergebnis gerechnet wird.

Das Konzernergebnis erwartet die Talanx Gruppe in einer Spanne von 1.050 bis 1.150 Milliarden Euro. Dies dürfte einer Eigenkapitalrendite von rund zehn Prozent entsprechen, die damit das strategische Mindestziel von mindestens 800 Basispunkten über risikofreiem Marktzins deutlich übersteigen würde.

Die Ziele für das Geschäftsjahr 2022 stehen wie gewohnt unter dem Vorbehalt, dass an den Währungs- und Kapitalmärkten keine Verwerfungen auftreten und Großschäden innerhalb der Erwartungen bleiben. Der Krieg Russlands in der Ukraine, die angestiegene Inflation und die damit korrespondierenden Anpassungen der Geldpolitik der Zentralbanken stellen maßgebliche Unsicherheitsfaktoren für das laufende Geschäftsjahr dar.

Industrieversicherung: Spezial-, Haftpflicht- und Sachgeschäft treiben zweistelliges Beitragswachstum

Der Geschäftsbereich Industrieversicherung erzielte ein deutliches Prämienwachstum von 712 Mio. EUR (17,0 Prozent) auf 4,9 (4,2) Mrd. EUR. Währungskursbereinigt betrug der Anstieg 12,9 Prozent. Das Wachstum ist insbesondere im Haftpflicht- und Sachgeschäft sowie bei Spezialrisiken zu verzeichnen. Der Bereich Specialty erreichte im ersten Halbjahr gegenüber der Vergleichsperiode ein Beitragswachstum von 337 Mio. EUR auf 1.486 Mio. EUR.

Die kombinierte Schaden-/Kostenquote der Industrieversicherung sank aufgrund einer positiven Entwicklung im Frequenzschadenbereich auf 96,5 (98,4) Prozent. Trotz der hohen Belastung durch Naturkatastrophen sowie der Reservierungen für mögliche Schäden aus dem russischen Angriffskrieg in der Ukraine wurde das Großschadenbudget nur leicht überschritten. Der Geschäftsbereich erwartet für das laufende Geschäftsjahr eine kombinierte Schaden-/Kostenquote von weniger als 98 Prozent. Das operative Ergebnis des Geschäftsbereichs erhöhte sich im ersten Halbjahr 2022 auf 102 (97) Millionen Euro. Der Beitrag zum Konzernergebnis steigerte sich von 68 auf 71 Millionen Euro.

Im zweiten Quartal stiegen die gebuchten Bruttoprämien im Vergleich zum Vorjahresquartal erheblich um 27,6 Prozent auf 1,9 (1,5) Milliarden Euro, währungskursbereinigt um 20,9 Prozent. Die kombinierte Schaden-/Kostenquote sank auf 95,9 (98,1) Prozent. Deutlich steigerte sich auch das operative Ergebnis von 46 auf 55 Millionen Euro, der Beitrag zum Konzernergebnis verbesserte sich demzufolge von 29 auf 40 Millionen Euro.

Privat- und Firmenversicherung Deutschland: Beitragswachstum in allen Sparten

Im ersten Halbjahr 2022 steigerten sich die gebuchten Bruttoprämien des Geschäftsbereichs Privat- und Firmenversicherung Deutschland im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 3,8 Prozent auf 3,4 (3,2) Milliarden Euro. Die Beitragssteigerung ist besonders auf das Geschäft mit Firmen und Freien Berufen sowie kleinen und mittelständischen Unternehmen zurückzuführen. Der Beitrag zum operativen Ergebnis des Konzerns belief sich auf 132 (157) Millionen Euro, der Beitrag zum Konzernergebnis lag bei 75 (97) Millionen Euro.  

Segment Schaden/Unfallversicherung: Zweistelliges Beitragswachstum

Die gebuchten Bruttoprämien im Segment Schaden/Unfallversicherung legten zweistellig um 10,6 Prozent auf 1,1 (1) Milliarde Euro zu. Zu dieser Entwicklung trugen Zuwächse im Firmen-/Freie-Berufe-, Kraftfahrt- und Privat-Geschäft sowie in der Arbeitslosigkeitsversicherung bei. Die kombinierte Schaden-/Kostenquote belief sich auf 99,5 (91,7) Prozent und wurde durch hohe Schadenvolumina infolge von Naturkatastrophen (Februar-Unwetter sowie Tief „Emmelinde“ im Mai) geprägt.

Während das Vorjahreshalbjahr coronabedingt von geringerer Fahrleistung und damit außerordentlich geringen Schäden geprägt war, stieg die Schadenfrequenz im ersten Halbjahr auf das Vor-Pandemie-Niveau an. Die durchschnittliche Schadenhöhe wurde zunehmend von der ansteigenden Inflation beeinflusst. Vor diesem Hintergrund verringerte sich das operative Ergebnis in der Berichtsperiode auf 33 (102) Millionen Euro. Aufgrund der Schadenerfahrung im ersten Halbjahr erwartet das Segment nunmehr für das Gesamtjahr 2022 eine Schaden-/Kostenquote von etwa 100 Prozent (bisher etwa 96 Prozent).

Im zweiten Quartal legten die gebuchten Bruttoprämien um 6,9 Prozent auf 268 (251) Millionen Euro zu. Die kombinierte Schaden-/Kostenquote lag bei 101,0 (99,7) Prozent, das operative Ergebnis sank von 20 auf bei zwei Millionen Euro.  

Segment Lebensversicherung: Anstieg bei Beitragseinnahmen und Neugeschäft

Im ersten Halbjahr verzeichnete das Segment Lebensversicherung einschließlich der Sparbeiträge aus fondsgebundenen Lebensversicherungen einen Anstieg des Beitragsvolumens um 0,6 Prozent auf 2.215 (2.202) Millionen Euro. Der ist nach Konzernangaben hauptsächlich durch den Anstieg im Biometriegeschäft der Bancassurance getrieben.

Außerdem erreichte das Segment deutliche Zuwächse im Neugeschäft. Gemessen in der international verwendeten Größe Jahresbeitragsäquivalent (Annual Premium Equivalent, APE) erhöhte sich das Neugeschäft bei den Lebensversicherungsprodukten um 12,2 Prozent auf 205 (183) Millionen Euro. Dies ist sowohl auf den Erfolg der fondsgebundenen Rentenversicherung CleverInvest als auch den Anstieg im Biometriegeschäft der Bancassurance zurückzuführen.

Das Kapitalanlageergebnis ging aufgrund der derzeit nicht notwendigen Finanzierung der Zinszusatzreserve deutlich zurück. Das operative Ergebnis steigerte sich auf 98 (56) Millionen Euro, vor allem aufgrund des Zinsanstiegs.

Im zweiten Quartal lag das Prämienvolumen im Segment Leben bei 1.104 (1.150) Million Euro. Wesentlich hierfür ist ein Rückgang in den Einmalbeiträgen. Das Kapitalanlageergebnis lag bei 168 (505) Millionen Euro. Das operative Ergebnis verbesserte sich auf 54 Millionen Euro.

Privat- und Firmenversicherung International: Geschäftsbereich erzielt deutliches Prämienwachstum

Die gebuchten Bruttoprämien des Geschäftsbereichs Privat- und Firmenversicherung International erhöhten sich verglichen mit dem ersten Halbjahr 2021 zweistellig um 12,6 Prozent auf 3,4 (3,1) Milliarden Euro. Währungskursbereinigt stiegen die Bruttoprämien gegenüber der Vergleichsperiode um 16,9 Prozent. Im Nicht-Lebengeschäft konnte ein währungskursbereinigtes Wachstum von 31,2 Prozent erzielt werden.

Im Lebengeschäft ging das Beitragsvolumen durch den Verkauf der CiV Leben in Russland und die strategiekonforme Reduktion des italienischen Einmalbeitragsgeschäfts währungskursbereinigt um 10,6 Prozent zurück. Die kombinierte Schaden-/Kostenquote der Schaden- und Unfallversicherungsgesellschaften lag gegenüber der Vergleichsperiode bei 96,6 (92,8) Prozent und wurde maßgeblich von der Normalisierung der Schadenfrequenzen nach Wegfall von Ausgangsbeschränkungen aufgrund der Pandemie und der stark gestiegenen Schadeninflation geprägt.

Im zweiten Quartal steigerten sich die gebuchten Bruttoprämien deutlich um 15,6 Prozent auf 1,8 (1,5) Milliarden Euro. Die kombinierte Schaden- und Kostenquote belief sich auf 98,9 (91,8) Prozent, das operative Ergebnis auf 78 (86) Millionen Euro. Der Beitrag zum Konzernergebnis lag im zweiten Quartal mit 50 (50) Millionen Euro auf dem Niveau des Vergleichszeitraums.

Rückversicherung: Beitragseinnahmen wachsen stark

Der Geschäftsbereich Rückversicherung konnte im ersten Halbjahr sein Wachstum deutlich zweistellig steigern. Die gebuchten Bruttoprämien erhöhten sich um 19,9 Prozent auf 17,3 (14,5) Milliarden Euro. Das operative Ergebnis wurde durch das erhöhte Großschadenvolumen durch Naturkatastrophen sowie der Reservierungen im Hinblick auf den russischen Angriffskrieg in der Ukraine belastet, während im Segment Personen-Rückversicherung eine deutliche Steigerung erzielt werden konnte. Insgesamt lag das operative Ergebnis bei 930 (964) Millionen Euro; der Beitrag zum Konzernergebnis bei 326 (336) Millionen Euro.

Segment Schaden-Rückversicherung: Prämieneinnahmen steigen um gut 25 Prozent

Im Segment Schaden-Rückversicherung legten die gebuchten Bruttoprämien im ersten Halbjahr im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um rund ein Viertel auf 12,9 (10,3) Milliarden Euro zu, währungskursbereinigt um 18,2 Prozent. Die Netto-Großschadenbelastung durch Naturkatstrophen sowie die Reservierung für die Ukraine lag im ersten Halbjahr mit 850 (326) Millionen Euro deutlich über dem Wert der Vergleichsperiode und überschritt das anteilige Großschadenbudget von 611 Millionen Euro.

Im ersten Halbjahr waren die größten Einzelschäden die Überflutungen in Australien (Nettobelastung von 186 Millionen Euro), Wintersturm „Ylenia“ in Mitteleuropa im Februar (Nettobelastung von 126 Millionen Euro) sowie Schadenrückstellungen für Belastungen aus dem russischen Angriffskrieg in der Ukraine (316 Millionen Euro). Die kombinierte Schaden-/Kostenquote lag bei 99,1 (96,0) Prozent, bei 601 (789) Millionen Euro das operative Ergebnis. Im zweiten Quartal stiegen die gebuchten Bruttoprämien deutlich um 26,2 Prozent auf 5,8 (4,6) Milliarden Euro. Auf 98,7 (95,8) Prozent belief sich die kombinierte Schaden-/Kostenquote, das operative Ergebnis auf 309 (471) Millionen Euro.

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