Ein Garantiezins von 0,25 Prozent? Zeit zum „Umparken“ in der Altersvorsorge

Cash. Redakteur Jörg Droste

Mit der Kampagne „Umparken im Kopf“ hatte der Autobauer Opel einst versucht, mit Vorbehalten und Irrtümern aufzuräumen. Angesichts eines Garantiezinses von 0,25 Prozent wäre es Zeit für ein neues "Umparken im Kopf" – und dieses Mal beim Thema Garantien in der Altersvorsorge.

Garantien sind wichtig, sagte Dr. Guido Bader, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Aktuarvereinigung (DAV), im November im Interview mit Cash. Deutlich werde dies in Entsparprozessen wie der lebenslange Rente. Dort brauche es die Sicherheit, dass die Rente für die Lebensplanung nicht unter ein gewisses Niveau fallen kann. Die jetzige Krise zeige, wie sicherheitsbedürftig der Deutsche ist. Diesem Sicherheitsbedürfnis müsse man entsprechen.

Nun empfiehlt der Chef der DAV für 2022 einen Garantiezins von 0,25 Prozent, für Neuverträge. Die Ansage sitzt. Und geht damit deutlich weiter als einstige Planungen der Aktuarvereinigung.

Denn ursprünglich sollte der Garantiezins zum 1. Januar 2021 auf 0,50 Prozent gesenkt werden. Dazu kam es allerdings nicht, weil das Bundesfinanzministerium aufgrund der Coronapandemie ganz andere Brennpunkte hatte. Vor dem Hintergrund muss dann doch die Frage erlaubt sein, wie lange der Garantiezins von 0,5 Prozent, der zum 1. Januar 2021 gekommen wäre, Bestand gehabt hätte?

Negative Renditen für Garantien

Die Rendite für Bundesanleihen mit 30-jähriger Laufzeit lag am 1. Dezember 2020 bei -0,15 Prozent und für Bundesanleihen mit 15-jähriger Laufzeit bei -0,36 Prozent. Wenn eine Versicherung heute versucht, Garantien einzukaufen, landet sie bei negativen Renditen.

Zwar besteht das Kapitalanlageportfolio eines deutschen Lebensversicherer nicht nur aus deutschen Staatsanleihen sondern ist deutlich diversifizierter. Doch die Kapitalmärkte und deren ökonomische Gesetze zeigen den Unternehmen die Grenzen auf.

Klarer Schnitt, ehrlicher Schritt

Folgerichtig wäre ein kompletter Verzicht auf den Garantiezins sicherlich ein schmerzhafter Einschnitt. Er wäre aber ehrlich. Und auch nötig. Denn das stückchenweise Demontieren schadet: Dem Ruf der Branche. Dem Vertrauen in die Versicherer. Und der Notwendigkeit, mehr Jüngere oder Berufstätige für die – eigentlich – notwendige private Altersvorsorge zu bewegen.

Umparken wäre nötig

Vor dem Hintergrund der realen Geldentwertung ist bei der Altersvorsorge eine deutliche und klare Abkehr vom jetzigen Weg nötiger, denn je. Modelle gibt es. Ein Blick in den angelsächsischen Raum könnte sich lohnen. Das Beharren auf vermeintlichen Sicherheiten ist nicht der richtige Wege.

Mit der Kampagne „Umparken im Kopf“ hatte der Autobauer Opel einst versucht, mit Vorbehalten und Irrtümern aufzuräumen. Es wäre Zeit für ein neues Umparken im Kopf – und zwar in der Lebensversicherung. (dr)

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