Anzeige
31. Januar 2012, 11:41
Teilen bei: Ihren XING-Kontakten zeigen | Ihren XING-Kontakten zeigen

Die Klumpe-Kolumne: Appell an die Weitsicht oder vertane Chancen

Rechtsanwalt Werner Klumpe schreibt über die Verantwortung der Richter und dem mäßigen Erfolg bei „Stillhalteabkommen“.

Rechtsanwalt Werner Klumpe Wahrscheinlich haben Sie selbst schon einmal einen Boxkampf live oder am Fernsehen mitverfolgt. Dann wissen Sie, dass der Ringrichter zu Beginn des Kampfes die Kontrahenten zusammenführt und sie zu einem fairen Umgang miteinander ermahnt. Wenn es um die Befriedigung von Rechtsstreitigkeiten geht, kommt diese Aufgabe den Richtern zu, die nach der Zivilprozessordnung in jeder Phase des Rechtsstreits auf eine gütliche Einigung hinwirken sollen.

Anders als bei einem Boxkampf, bei dem es meist einen Verlierer und einen Sieger gibt, besteht bei Rechtsstreitigkeiten häufig die Chance, dass sich bei Vereinbarung eines wirtschaftlich vernünftigen Konsenses jede Seite als Gewinner fühlen kann. Dies setzt weitsichtiges Handeln und Verhalten voraus. Neben dem (Schieds-) Richter und den Kontrahenten haben regelmäßig deren juristische Beistände einen Einfluss darauf, ob sich ein Streit zu einer Prügelei oder zu einem von gegenseitigem Respekt getragenen Verhandeln entwickelt.

Viele sich bietende Chancen werden allerdings vertan und gerade in diesen Tagen dürften manche Landgerichte und vor allem auch Gütestellen in Klageschriften und Güteanträgen regelrecht versinken. Auch unsere Bestrebungen, mit potenziellen Haftungsadressaten Ende letzten Jahres „Stillhalteabkommen“ zu vereinbaren, waren von nur mäßigem Erfolg gekrönt.

Dabei wäre es in den meisten Fällen sinnvoll gewesen, zumindest befristete Verjährungsverzichtserklärungen abzugeben, um in diesem Jahr ohne Verjährungsdruck Verhandlungen zum Zwecke einer gütlichen
Streitbeilegung führen zu können.

Vor allem die Banken, die um die Jahrtausendwende Hunderte von Millionen an Anlegergeldern eingesammelt haben, haben ganz offensichtlich gemauert und auf Zeit gespielt. Mancher Anleger sprach dann auch vom Kampf „David gegen Goliath“. Die wenigstens haben sich jedoch in Kenntnis von der „Jahrhundertverjährung“ davon abhalten lassen, diese Einstellung zu akzeptieren. Und wir alle wissen ja, wie der Kampf „David gegen Goliath“ endete. Einmal mehr wurden leider sinnvolle Chancen vertan.

Aber eines ist sicher: Im Jahr 2012 wird es neue Herausforderungen und Möglichkeiten für weitsichtiges Handeln geben. Und in vielen Gerichtssälen wird es ebenfalls spannend bleiben.

Werner Klumpe ist Rechtsanwalt in der Kanzlei Klumpe, Schroeder + Partner GbR, Köln.

Ihre Meinung



Cash.Aktuell

Cash. 05/2018

Inhaltsverzeichnis Einzelausgabe bestellen Cash. abonnieren

Themen der Ausgabe:

Arbeitskraftabsicherung – Private Equity – Büroflächenmangel – Datenschutz

Rendite+ 1/2018

Inhaltsverzeichnis Einzelausgabe bestellen Cash. abonnieren

Themen der Ausgabe:

Marktreport Sachwertanlagen – Windkraft – Vermögensanlagen – Bitcoin & Co.

Ab dem 22. März im Handel.

Versicherungen

Berufstätige Frauen und Mütter stärken die Rentenversicherung

Eine deutlich stärkere Erwerbsbeteiligung von Müttern könnte die Beitragszahler der gesetzlichen Rentenversicherung bis 2050 um insgesamt rund 190 Milliarden Euro entlasten. Zugleich würde der Staat rund 13,5 Milliarden Euro an Steuerzuschüssen einsparen. Zudem würde das Rentenniveau steigen, bei niedrigeren Beiträgen. Dies zeigt eine aktuelle Studie des Prognos-Instituts im Auftrag des Gesamtverbandes der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV).

mehr ...

Immobilien

TAG Immobilien profitiert von Wohnraumknappheit

Steigende Mieten haben TAG Immobilien einen guten Start ins neue Jahr beschert. Zudem profitierte das auf Wohnungen spezialisierte Unternehmen von seinen jüngsten Zukäufen und Dienstleistungen wie etwa Hausmeisterleistungen.

mehr ...

Investmentfonds

Warum Dividenden-ETF so schlecht abschneiden

Von wegen Dividendenregen, die Quirin Privatbank stellt Dividenden-Strategien kein gutes Zeugnis aus. Die Bank hat die Performance von Dividenden-Indizes mit ihren Gesamtmarkt-Pendants verglichen und einige Schwachstellen von Dividenden-Strategien entdeckt.

mehr ...

Berater

Clark meldet Rekord-Finanzierung

Der Versicherungs-Robo-Advisor Clark hat mit einer Summe von 29 Millionen Dollar seine “Series-B”-Finanzierung abgeschlossen. Nach Angaben des Unternehmens war es die bisher größte “Series-B”-Finanzierung eines Insurtechs in Europa. Damit beläuft sich das Finanzierungsvolumen auf insgesamt 45 Millionen Dollar. 

mehr ...

Sachwertanlagen

“Sehr attraktives Marktumfeld mit historisch günstigen Schiffswerten”

Die Ernst Russ AG (vormals HCI Capital) hat das Geschäftsjahr 2017 mit Gewinn abgeschlossen und nach eigener Darstellung die strategische Neupositionierung erfolgreich fortgesetzt. Dazu zählen auch wieder Schiffe.

mehr ...

Recht

Ex-Sparkassenchef muss doch nicht vor Gericht

Der ehemalige Sparkassenpräsident Georg Fahrenschon muss doch nicht vor Gericht. Der frühere bayerische Finanzminister soll per Strafbefehl zu 140 Tagessätzen wegen Steuerhinterziehung verurteilt werden, wie Oberstaatsanwältin Anne Leiding ankündigte. Darauf hätten sich die beteiligten Parteien in einem Rechtsgespräch geeinigt.

mehr ...