Bitcoin & Co.: Klimaschutz Fehlanzeige?

Eine Goldmuenze mit einem großen B liegt auf einer gruenen Wiese
Foto: Shutterstock

Trotz der rasanten Entwicklung und der wachsenden Popularität von Kryptowährungen auf den internationalen Märkten dürfen die mit diesem Thema verbundenen Herausforderungen nicht vergessen werden. Eine der zurzeit diskutierten Problematiken ist die Auswirkung von Kryptowährungen auf die Umwelt. Gastbeitrag von Dr. Christian Conreder und Magdalena Okonska, Rödl & Partner

Die zur Erzeugung von Kryptowährungen benötigten Rechenleistungen verbrauchen gewaltige Strommengen. Wie sich aus zahlreichen Studien ergibt, steigt die zum Mining von Kryptowährungen benötigte Energiemenge jedes Jahr. Kann dieser Trend in der Zukunft noch geändert und die Erzeugung von Bitcoin & Co. klimafreundlicher ausgestaltet werden? Welche Rolle wird dabei die Europäische Union und deren Legislative spielen?

Das Schürfen von Kryptowährungen, insbesondere des Bitcoins, ist mit enormem Energieverbrauch verbunden und wird bereits seit Jahren als klimaschädlich kritisiert. Nach Angaben des Cambridge Centre for Alternative Finance verbrauchen die zum Mining von Bitcoins eingesetzten Rechner hochgerechnet auf ein Jahr so viel Energie wie ganze Nationen (zum Beispiel Finnland, Malaysia oder Schweden). Zudem konnte aufgezeichnet werden, dass der damit verbundene Stromverbrauch jedes Jahr gestiegen ist. Zwischen 2015 und 2021 ist der Energieverbrauch von Bitcoin um das fast 62-fache gestiegen. Dies liegt grundsätzlich daran, dass mit dem Anstieg des Kurses von Bitcoin die Miner ihre Rechenleistungen ständig erhöhen mussten, um mit anderen Teilnehmern konkurrieren zu können.

Bis zu diesem Jahr galt China als der weltweite Marktführer des Bitcoin-Minings. Nach Angaben des Cambridge Centre for Alternative Finance waren dort zu Spitzenzeiten fast drei Viertel aller Bitcoin-Miner tätig. Vor Kurzem hat China jedoch das Mining aus Sorge über die finanziellen Risiken der Kryptowährung und den enormen Energieverbrauch gesetzlich stark eingeschränkt. Aufgrund dieser neuen Krypto-Vorschriften wurden viele ältere und ineffiziente Geräte dauerhaft vom Netz genommen. Dies führte auch dazu, dass sich die Geografie des Minings in den letzten sechs Monaten drastisch verändert hat. Eine solche erhebliche Änderung könnte möglicherweise die CO2-Bilanz beim Mining von Bitcoin & Co. verbessern, da die Miner jetzt zu günstigeren Energiequellen, die in den meisten Fällen erneuerbar sind, migrieren.

Christian Conreder (Foto: Rödl & Partner)

Die Verwendung von erneuerbaren Energien kann möglicherweise die bisher mit dem Schürfen von Kryptowährungen verbundene schlechte Ökobilanz verbessern und damit als klimafreundlichere Lösung angesehen werden. Auch die Kollokation von Kryptowährung-Mining-Betrieben mit Kernkraft-, Wasserkraft-, Wind- und Solaranlagen könnte dazu beitragen, dass die mit dem Mining selbst verbundenen Kohlestoffemissionen reduziert werden. Eine solche Zusammenlegung könnte auch einen finanziellen Anreiz für die Kraftwerke bieten, die ihren Strom an die Miner verkaufen könnten, anstatt ihn in Zeiten niedriger Nachfrage und niedriger Preise ins Netz einzuspeisen.

Es darf auch nicht vergessen werden, dass es sich beim Mining von Kryptowährungen um einen flexiblen und beweglichen Markt handelt. Dies bedeutet, dass die Mining-Betriebe direkt an die Energiequelle gebracht werden können. Da bei dem Krypto-Mining die einzigen variablen Kosten meist die Energiekosten sind, besteht für die Miner immer der Anreiz, auf die weltweit günstigsten Energiequellen umzusteigen, um wettbewerbsfähig zu sein. Erneuerbare Energien gehören häufig zu den günstigen Energiequellen, so dass die Klimaschädlichkeit des Minings auch aus finanziellen Gründen bewältigt werden kann.

Magdalena Okonska (Foto: Rödl & Partner)

Ein weiteres Beispiel für die klimafreundlichere Ausgestaltung der Erzeugung von Kryptowährungen stellt das Ablösen des bisher meist verbreiten Konsensmechanismus „Proof of Work“ (sogenannter Arbeitsnachweis) durch ein alternatives Validierungssystem namens „Proof of Stake“ (sogenannter Anteilsnachweis) dar. Mit einer solcher Änderung der Arbeitsweise möchte unter anderem Ethereum zum Klimabewusstsein beitragen. Wie es bereits einige kleinere Kryptowährungen getan haben, will auch Ethereum mit dem Proof of Stake-Mechanismus den benötigten Energieverbrauch um 99,95 Prozent senken. Im Rahmen des Validierungssystems „Proof of Stake“ wird im Vergleich zum „Proof of Work“ keine stromverbrauchintensive Rechenleistung benötigt, da hier keine komplizierte kryptografische Aufgabe gelöst werden muss. Vereinfacht gesagt, funktioniert dieses System wie eine Lotterie. Um als Teilnehmer berücksichtigt zu werden, muss der potenzielle Validierer seine Ethereum-Coins (ETH) einsetzen. Je mehr ETH eingesetzt werden, desto größer sind die Chancen, vom System zufällig als Validierer ausgewählt zu werden. Der Kauf mehrerer Tickets erhöht die Chancen, bei der Ziehung zu gewinnen. Nachdem ein neuer Block vom System akzeptiert wird, wird der Validierer mit ETH belohnt. Die von ihm zuvor eingesetzten ETH kann der Validierer behalten.

Obwohl die meisten Kryptowährungen in Ländern wie China und USA generiert werden und der damit verbundene Stromverbrauch außerhalb der EU entsteht, ist auch der Europäischen Union die Stromintensivität des Schürfens von Bitcoin & Co. bewusst. Die Europäische Kommission prüft derzeit entsprechende Messmethoden, um der schlechten Energie- und Umweltbilanz von Kryptowährungen zu entgegen. Wie von der Europäischen Kommission richtigerweise erkannt, entwickelt sich die Blockchain-Technologie weiter, sodass viele Kryptowährungen bereits neue, energieeffizientere Konsensmechanismen nutzen, wie beispielsweise der oben benannte „Proof of Stake“.

Um weiterhin umweltfreundliche Technologien zu fördern, hat die EU zudem die EUBOF (Beobachtungsstelle und Forum der Europäischen Union für die Blockchain-Technologie) damit beauftragt, über den Energieverbrauch verschiedener Blockchain-Technologien einen Bericht zu erstatten. Als weitere Überlegung, die zum Klimaschutz beitragen sollte, wurde die Generierung einer eigenen digitalen Währung – dem E-Euro – vorgeschlagen. Hierzu wurde bereits ein Bericht der Europäischen Zentralbank über einen digitalen Euro veröffentlicht. Die Gestaltung des digitalen Euro soll auf diesen Technologielösungen beruhen, die den ökologischen Fußabdruck minimieren und den des derzeitigen Zahlungsökosystems verkleinern.

Fazit: Mit der Entwicklung neuer – sowie der Umgestaltung alter Kryptowährungen – können die Auswirkungen auf die Umwelt grundlegend geändert werden. Die Entwickler neuer Kryptowährungen sollten die Umweltaspekte nicht vernachlässigen, wenn sie eine breitere Akzeptanz auf dem Markt finden wollen. Viele neue Kryptowährungen werden von jungen und umweltbewussten Programmierern entwickelt, so dass bereits in der Entwicklungsphase die Umweltverträglichkeit der Währung nicht außer Acht gelassen wird. Auch solche Vorhaben wie die Änderung des benötigten Validierungssystems bei Ethereum zeigen deutlich, dass die klimafreundlichere Ausgestaltung des Minings möglich und sinnvoll ist. Mit dem rasanten technologischen Fortschritt kann zudem nicht ausgeschlossen werden, dass weitere umweltschützende Methoden des Schürfens von Kryptowährungen entwickelt werden und die Ökobilanzen deutlich verbessert werden.

Christian Conreder ist Rechtsanwalt und Partner bei Rödl & Partner und leitet den Bereich Kapitalanlagerecht. Magdalena Okonska ist als Rechtsanwältin im Hamburger Büro von Rödl & Partner im Bereich Kapitalanlagerecht tätig.

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