Das Märchen vom Asset-Notstand

Das weiterhin spärliche Angebot an Publikums-AIF wird nicht selten auch mit der Knappheit an geeigneten Objekten begründet. Das ist wenig nachvollziehbar und bremst die Markterholung. Der Löwer-Kommentar

„Ohne Vertrieb kein Angebot, ohne Angebot kein Vertrieb: Diesen Knoten muss die Branche durchschlagen. Das Gerede vom Asset-Notstand hilft da wenig weiter.“
„Ohne Vertrieb kein Angebot, ohne Angebot kein Vertrieb: Diesen Knoten muss die Branche durchschlagen. Das Gerede vom Asset-Notstand hilft da wenig weiter.“

Konzeptionäre von geschlossenen alternativen Investmentfonds (AIF) haben es zur Zeit nicht leicht. Sie müssen nicht nur ohne Ende neue Vorschriften beachten, sie sehen sich auch mit immer weiter steigenden Preisen für potenzielle Fondsobjekte konfrontiert.

Vor allem bei Immobilien droht eine Preisblase oder sie ist bereits entstanden. Schon für eine Objektrendite von mehr als vier Prozent sind Zugeständnisse bei der Qualität der Immobilie oder des Standorts erforderlich. In anderen Bereichen, etwa bei Flugzeugen oder Erneuerbare-Energien-Projekten, sieht es kaum besser aus. Geeignete Assets sind äußerst schwer zu finden.

All das trifft zu, keine Frage. Trotzdem ist die häufig gehörte Behauptung, deshalb würden so wenige neue Publikumsfonds aufgelegt werden, schwer nachvollziehbar. Dagegen sprechen schon die vielen Spezial-AIF für institutionelle Investoren.

Objekt-Notstand nicht für Institutionelle?

Spezialfonds haben meist ein weitaus größeres Volumen, sind aber „margen-schwach“. Die Gebühren und damit auch die Marge der Kapitalverwaltungsgesellschaft (KVG) sind also prozentual wesentlich niedriger als bei Publikums-AIF. Institutionelle Fonds rechnen sich für die KVG nur über das Volumen.

So meldete zum Beispiel der Anbieter Real I.S. unlängst den Start eines neuen Spezial-AIF, der hauptsächlich in Büro- und Handelsobjekte investieren soll. Zielvolumen: Eine Milliarde Euro, „anfänglich“. Ohne entsprechende Investitionsmöglichkeiten würde ein solches Vorhaben wenig Sinn machen – weder für die Investoren noch für den Asset-Manager.

Gäbe es wirklich nicht ausreichend viele gute Objekte, wäre es für jede KVG wesentlich sinnvoller, die wenigen Ausnahmen über Publikums-Fonds zu vermarkten, als sie mit einer Mini-Marge in einem institutionellen Riesen-Pool zu versenken. Der Publikums-AIF kostet vielleicht etwas mehr Mühe, bringt ihr aber erheblich mehr Geld ein.

Seite zwei: Abenteuerliche Argumente

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