#WeAreAllUkrainians: „Unbändiger Wille des ukrainischen Volkes, diesen Krieg zu gewinnen“

Foto: #WeAreAllUkrainians
Dörte Kruppa

Auf der heutigen Cash. Gala im Hotel Atlantic in Hamburg ging der Spendenscheck an die Initiative #WeAreAllUkrainians. Cash. sprach im Vorfeld mit Co-Geschäftsführerin Dörte Kruppa. Wenn Sie die Initiative ebenfalls unterstützen möchten, finden Sie im Interview die Spendennummer.

Wie kam es zur Gründung von #WeAreAllUkrainians?

Kruppa: Meine Freundin Tatjana Kiel ist beruflich schon lange an der Seite von Dr. Wladimir Klitschko. Er teilte ihr von Tag eins des russischen Angriffskrieges die akuten Bedarfe aus der Ukraine mit, und wir entschlossen uns sofort – ohne lange Vorplanung oder gedankliche Abwägungen – zu helfen. So haben wir mit einem sehr motivierten und engagierten Team von Freiwilligen schon in den ersten Wochen eine große Menge an Hilfsgütern für Kiew zur Verfügung stellen können: Lebensmittel, Medizin, Hygieneartikel, Fensterersatz und vieles mehr. Zum Transport haben wir dank der sofort signalisierten Unterstützung der Deutschen Bahn die Schienenbrücke in die Ukraine genutzt. Unser Ziel war es, dass die Hilfsgüter nicht in fremde Hände gelangen, sondern direkt dorthin kommen, wo sie benötigt werden. Unser Team an Unterstützerinnen und Unterstützern wuchs schnell. Die stetige Optimierung der Hilfe haben wir sicherstellen können über die Skalierung von Strukturen und Prozesse. Im Mai haben wir die #WeAreAllUkrainians gemeinnützige GmbH gegründet, für die Tatjana Kiel und ich als Geschäftsführerinnen verantwortlich sind. Das gesamte Team arbeitet ehrenamtlich.

Wenn auch Sie spenden möchten:

#WeAreAllUkrainians gemeinnützige GmbH

IBAN: DE76 2007 0024 0094 7200 00

BIC:    DEUTDEDBHAM

Für eine Zahlung über Paypal nutzen Sie den QR-Code:

Wie helfen Sie konkret?

Kruppa: Wir haben fünf Task Forces gegründet, um die Hilfsangebote besser koordinieren und kanalisieren zu können.
1. Partner und Pakte – dabei geht es um die Anbahnung von Pakten zwischen europäischen und ukrainischen Städten zur Etablierung von Wirtschaftsbeziehungen und für den Wiederaufbau.
2. Hilfsprojekte und Events – dabei handelt es sich um greifbare Hilfsprojekte für Geflüchtete in Deutschland, für die Bewahrung der ukrainischen Kultur auch hierzulande. Und es geht um Integration.
3. Geldspenden – wir fokussieren uns auf Fundraising und Akquise von potenziellen Spendern auf Events, Vernissagen und anderen Veranstaltungen. Jeder Euro hilft und wird zielgerichtet eingesetzt. Mit einer Spendensumme ab 5.000 Euro können wir sogar konkrete Projekte für den Spender wie zum Beispiel den Wiederaufbau von Bildungsstätten, Waisenhausprojekte oder auch Traumatherapien, von denen leider viel zu viele benötigt werden, initiieren. Wir bieten den Spendern absolute Transparenz. Ich kann nur betonen: Jeder Euro zählt. Wer uns unterstützen möchte, kann dies jederzeit über die oben genannten Wege tun.
4. Visibilty – wir wollen die Aufmerksamkeit auch weiterhin auf die Themen Ukraine, Krieg und vor allem auf die notleidenden Menschen richten. Wir wollen verhindern, dass der Krieg in der öffentlichen Wahrnehmung zur Normalität wird. Wir wollen und werden laut bleiben, das erreichen wir über unsere Social-Media-Kanäle auf Instagram (@WeAreAllUkrainians2022) und Linkedin (@#WeAreAllUkrainians), über unser wachsendes Netzwerk, über die Berichterstattung von Projekten und Hilfsmaßnahmen und natürlich auch über das Marketing und die direkte Präsenz bei Veranstaltungen. Und natürlich hilft auch eine so besondere Auszeichnung wie der jüngst verliehene Sonderpreis im Rahmen der Verleihung des Deutschen Gründerpreises enorm. Denn unterm Strich sorgt er dafür, dass wir und damit auch unsere Projekte und unsere Mission im Fokus der Menschen bleiben.
5. Care-Boxen – Ziel war und ist direkte, sofortige Hilfe, zum Beispiel für Mütter und Säuglinge nach der Geburt im Kriegsgebiet, für einen schnellen und besseren Zugang zu entsprechender Versorgung inklusive Ernährung. Und aktuell planen wir ein großes Projekt mit Notfallrucksäcken für Kinder. Hier sind Dinge wie eine Trillerpfeife, ein kleiner Spaten, Wasser und Notnahrung notwendig.
Ich bin nach wie vor begeistert, mit welchem Engagement unser ehrenamtliches Team agiert und welch beeindruckendes Durchhaltevermögen dabei vorhanden ist. Wir motivieren uns gegenseitig.

Die Menschen in der Ukraine leiden nun schon seit über einem halben Jahr unter dem russischen Angriffskrieg. Mit welchen Herausforderungen haben Sie vor Ort zu kämpfen?

Kruppa: Insgesamt mit der volatilen Lage. Man weiß nie, welche Notlagen sich plötzlich verschärfen, verändern. Ein Ort, der heute noch erreichbar ist und von uns mit Hilfsgütern angesteuert wird, kann morgen schon abgeschnitten sein von der Außenwelt. Oder plötzlich ist andere Hilfe wie zum Beispiel Evakuierungen akuter gefragt als ein Hilfsgut. Leid und Elend in der Ukraine verstärken sich zusehend. Das macht leider auch sehr viel mit den Menschen vor Ort. Mit Kindern, Erwachsenen, Alten. Wir möchten mehr unterstützen als wir können. Und dann besorgt uns mit Blick auf die Menschen auch die Witterung: Der Winter naht.

Wie regelmäßig haben Sie Kontakt zu Wladimir Klitschko und wie beschreibt er die Lage in der Ukraine?

Kruppa: Es gibt regelmäßigen Austausch mit Wladimir. Er hält uns über die konkrete Lage vor Ort auf dem Laufenden, ist immer informiert über unser Vorgehen und verifiziert auch die Kontakte der mit uns kooperierenden Hilfsorganisationen vor Ort. Er sendet uns häufig Videos oder gibt aktuell dringend benötigte Hilfsgesuche durch. Es ist ein wichtiger, aber zugleich für uns auch immer wieder erschreckend deutlicher Austausch, dessen Inhalte nie spurlos an mir vorübergehen. Und trotz des geschilderten Leids ist in Gesprächen mit ihm nie etwas von Resignation, von Aufgabe hörbar. Auch das bleibt stets haften. Er berichtet in nahezu jedem Gespräch vom unbändigen Willen seines Volkes, diesen Krieg zu gewinnen. Das Gleiche gilt für unsere weiteren Kontakte vor Ort.

„Je höher die Energiepreise, desto mehr droht die Unterstützung für die Ukraine zu bröckeln“, schrieb kürzlich das Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“. Befürchten Sie das auch?

Kruppa: Das ist sicherlich eine Gefahr. Wir versuchen, weiterhin die akute Notwendigkeit und die konkrete Wirkung der Spenden aufzuzeigen. Wir sind fest davon überzeugt, dass ein Sieg des russischen Aggressors das deutlich schwerere Übel wäre. In Europa hätten wir dann nicht nur hohe Energiepreise, auch unsere Demokratie und Freiheit wären stark bedroht. Steigende Preise bzw. Knappheit einiger Lebensmittel wären dann außerdem sehr realistisch. Die Energiepreise sind grundsätzlich eine Belastung für unsere Gesellschaft. Trotzdem dürfen sie meines Erachtens nicht den Blick auf Menschlichkeit, Angst und humanitäre Notlagen überlagern.

Auf der Cash.Gala kamen Spendengelder in Höhe von 20.000 Euro zusammen. Wofür werden Sie das Geld verwenden?

Kruppa: Gemeinsam mit Cash. haben wir ein Projekt mit der Klitschko Foundation, der Stiftung von Wladimir Klitschko, die seit 20 Jahren Kinder und Jugendliche aus der Ukraine in den Mittelpunkt ihrer Arbeit stellt, definiert. Wir werden ein Programm zur Verfügung stellen können, dass ihnen hilft, mit ihren Ängsten, ihrem Trauma und ihren psychologischen Konsequenzen des Krieges umgehen zu können. Ziel ist es, circa 3.000 Kinder und 1.000 Lehrer zu erreichen.

Sie sind hauptberuflich Vermögensberaterin bei der DVAG. Was hat Sie persönlich motiviert, bei der Initiative mitzuwirken?

Kruppa: Meine Motivation war und ist eindeutig, aktiv zu helfen und meinen kleinen Teil beizutragen, die Welt ein kleines bisschen besser zu machen.

Wie schwierig ist es, die beiden Tätigkeiten zeitlich zu koordinieren?

Kruppa: Ich habe beide Engagements in Abstimmung mit meinem DVAG-Vorstand und mit meinem Team koordiniert. Das Gute an unserer Organisation #WeAreAllUkrainians ist die Arbeitsteilung und die Bereitschaft vieler Unterstützer, ihre Fähigkeiten, Netzwerke und vor allem ihre wertvolle Zeit im Sinne der Sache einzubringen. Ich bin glücklich, diese Freiheit in meinem Job als Vermögensberaterin so leben zu können. Ich bin leidenschaftlich gerne als Vermögensberaterin aktiv und widme daneben fast jede freie Minute der Hilfe notleidender Menschen in und aus der Ukraine. Das erfüllt mich und ist nur möglich, weil wir alles im Team auf den Weg bringen. In einem echt starken Team, das ich nicht mehr missen möchte. Helfen sollte nicht nur ein Wort im Duden sein. Wenn jeder etwas tut, kann Großes entstehen.

Die Fragen stellte Kim Brodtmann, Cash.

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