Höherer Stellenwert für die Pflege

Es muss jedenfalls alles aus humanitären und auch menschlichen Gründen getan werden, um die Pflege in der Familie zu fördern. Manch Pflegebedürftiger bräuchte nicht in einem der 12 000 Pflegeheime in der Bundesrepublik Deutschland zu landen, würde er über ein zur Betreuung bereites Umfeld in der Familie verfügen. Kontroverser diskutiert werden dürfte sicherlich Laumanns Forderung nach höheren Pflegezuschlägen für Kinderlose.

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Pflegesensible Unternehmenskultur

Angesichts der starken Belastungen von Familien mit pflegebedürftigen Angehörigen streben immer mehr Betriebe in Deutschland eine pflegesensible Unternehmenskultur an. So mehren sich Vorzeigeprojekte mit Vereinbarungen zu Pflege und Beruf von Unternehmen in Kooperation mit Krankenkassen oder Sozialministerien von Bundesländern.

Die Firmen verpflichten sich dabei zu Absprachen mit verschiedenen Pflege- und Beratungseinrichtungen, welche Mitarbeiter im Notfall oder auch zur regelmäßigen Unterstützung in Anspruch genommen werden können.

Häufig gehen dabei öffentliche Unternehmen mit gutem Beispiel voran, wie etwa die HEAG in Darmstadt, eine Holding aller kommunalen Unternehmen in der Wissenschaftsstadt. Dort wurde ein Modell teilstationärer Kurzzeitpflege entwickelt, das die Beschäftigten in Anspruch nehmen können, wenn die häusliche Pflege wegen eines Notfalls nicht möglich ist.

Attraktivität von Arbeitgebern heben

Das Unternehmen der Stadtwirtschaft hofft, dass von einer solchen Lösung Signale auf andere Wirtschaftszweige unseres Gemeinwesens ausgehen. Gefruchtet hat diese Initialzündung beispielsweise auch beim größten Arbeitgeber der Stadt, dem Chemie- und Pharma-Unternehmen Merck, das sich künftig ebenfalls stärker für Pflegende und deren Angehörige engagieren will.

Schon zuvor hatte das Unternehmen durch flexible Arbeitszeiten für eine bessere Vereinbarkeit von Beruf und Familie gesorgt. In der Wirtschaft begreift man, dass solche Beweglichkeit nicht nur familienpolitisch sinnvoll ist, sondern auch die Attraktivität von Arbeitgebern heben und das Image von Unternehmen verbessern kann.

Autor Prof. Dieter Weirich ist neben Klaus Morgenstern Sprecher des Deutschen Instituts für Altersvorsorge in Berlin.

Foto: DIA

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