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27. Oktober 2015, 09:06
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“Pflege findet inmitten unserer Gesellschaft statt”

Die Zahlen sind beeindruckend: Fünf Jahre Pflege kosten rund 100.000 Euro. Doch viele Menschen verdrängen das finanzielle Risiko. Vier Experten diskutieren, wie die Vorsorgementalität verbessert werden kann.

Pflege findet inmitten unserer Gesellschaft statt

Torsten Richter, Leiter Vertriebsunterstützung, Regionaldirektion Hamburg, Swiss Life Deutschland (links) und Dr. Stefan M. Knoll, Vorstandsvorsitzender, DFV Deutsche Familienversicherung AG.

Bereits heute sind mehr als 2,5 Millionen Menschen in Deutschland pflegebedürftig, 2030 könnten es schon 3,5 Millionen sein. In den Absatzzahlen der Pflegezusatzversicherungen schlägt sich das drohende Pflegerisiko bislang jedoch kaum nieder. Warum ist das so?

Dr. Rainer Reitzler, Vorstandsvorsitzender, Münchener Verein Versicherungsgruppe (siehe Vorschaubild): Das stelle ich erfreulicherweise für den Münchener Verein nicht fest. Wir haben zu Ende 2014 einen Marktanteil von 12,4 Prozent und einen Bestand von rund 180.000 Tarifen erreicht – das heißt im vergangenen Jahr wurde jede achte Pflegeversicherung bei uns abgeschlossen. Zurück zu Ihrer Frage: Grundsätzlich betrachtet, ist Pflege leider nach wie vor noch kein fester Bestandteil in jedem Beratungsgespräch. Die Gründe sind vielseitig. Viele scheuen den hohen Beratungsaufwand bei der Pflege. Doch Hauptgrund ist, dass Pflege ein hochemotionales Thema ist, an das sich Vermittler wie auch Kunden nicht gern heranwagen.

Was muss geschehen, damit sich dies ändert?

Reitzler: Es kommt im Beratungsgespräch darauf an, im persönlichen Umfeld des Kunden einen positiven Ansatz für das Thema Pflege zu finden, um ihm die Angst zu nehmen und ihm gleichzeitig mehr Handlungsspielraum und Eigenständigkeit zu geben. Das kann sehr individuell sein, aber das macht gute Beratung aus. Dem einen liegt beispielsweise das eigene Haus sehr am Herzen und er möchte so lange wie möglich darin wohnen. Ein positiver Gesprächseinstieg zum Pflegetagegeld wäre zum Beispiel die Einmalbeitragsoption bei der Pflegezusatzversicherung, um altersgerechte Umbauten zu finanzieren.

Torsten Richter, Leiter Vertriebsunterstützung, Regionaldirektion Hamburg, Swiss Life Deutschland: Ich stimme Herrn Dr. Reitzler zu: Natürlich ist das Thema Pflege für viele Menschen unangenehm. Wenn man heute sieht, wie in den Medien das Thema Pflege behandelt wird und welche Bilder dort skizziert werden, dann kann ich gut nachvollziehen, dass sich die Menschen mit dem Thema nicht so gern beschäftigen wollen. Ich denke, unsere Aufgabe besteht darin zu transportieren, dass die Pflege kein theoretisches Thema ist: Pflege findet heute schon inmitten unserer Gesellschaft statt. Eine Umfrage, die Swiss Life im Juni durchgeführt hatte, ergab, dass knapp 40 Prozent der Menschen in ihrem privaten Umfeld bereits einen Pflegefall hatten oder haben. Insofern ist die Thematik den Menschen durchaus irgendwie bekannt, doch es wird eben gern verdrängt.

Wie lautet Ihr Ansatz, um einen Sinneswandel bei den Menschen herbeizuführen?

Richter: Da bin ich ganz bei Herrn Dr. Reitzler: Es geht im Kern darum, den Menschen die Ängste zu nehmen. Vernünftige Produkte können hierzu einen wichtigen Beitrag liefern. So haben wir ein Produkt geschaffen, das sehr flexibel ist und sich den verändernden Bedürfnissen der Kunden anpassen kann. Die Absatzzahlen geben uns recht und ermutigen uns, den eingeschlagenen Weg fortzusetzen.

Seite zwei: “Ein erheblicher Teil der Vermittler tut sich schwer mit der Pflege”

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