Rückversicherer setzen auf Preiswende wegen „Irma“

Der über Florida hinweg rasende Hurrikan „Irma“ könnte paradoxerweise zum Glücksfall für die Versicherungsbranche werden. Zwar werden die Schäden in die Milliarden gehen. Auf der anderen Seite nährt „Irma“ die Hoffnung der großen Rückversicherer, dass der seit Jahren tobende Preiskampf in der Branche ein Ende findet.

Die erwarteten Verwüstungen durch den Wirbelsturm "Irma" könnten die Branche teuer zu stehen kommen.
Die erwarteten Verwüstungen durch den Wirbelsturm „Irma“ könnten die Branche teuer zu stehen kommen.

So erwartet die Swiss Re, dass sich die Preise vor allem bei der Absicherung von Gebäuden und Autos zumindest stabilisieren. Dies teilte der Rivale der deutschen Rückversicherer Munich Re und Hannover Rück am Montag zum jährlichen Branchentreffen in Monte Carlo mit. Die Munich Re hatte sich bereits am Sonntag ähnlich geäußert. Die Aktien der Munich Re und der Hannover Rück zogen trotz der erwarteten Milliardenschäden durch „Irma“ vorbörslich an.

Angesichts des weiter schweren Marktumfelds mit niedrigen Zinsen und zu viel Kapital, das auf die Preise drückt, will die Swiss Re weiter darauf achten, nicht jedes Risiko einzugehen. Die Swiss Re ist nach der Munich Re die Nummer zwei der Branche, gefolgt von der Hannover Rück. Klassische Rückversicherer wie diese drei übernehmen Risiken von Erstversicherern wie der Allianz , Axa , Generali und Talanx , die damit einen Teil ihrer Geschäfte absichern.

Preise im Keller

Da die Zinsen zuletzt weltweit sehr niedrig waren und zum Teil noch sind, drängte viel Kapital in den Markt und drückte so auf die Preise. Viele Risiken wie Zerstörungen durch Erdbeben und Wirbelstürmen wurden zum Teil über spezielle Finanzprodukte wie Katastrophenanleihen abgesichert. So stieg das Volumen dieser Produkte in den vergangenen Jahren deutlich an. Zum Teil werden diese Instrumente auch von den Rückversicherern genutzt – vor allem ermöglichen sie aber branchenfremden Anlegern den schnellen Zugang zu diesem Markt.

Auch wegen der seit Jahren eher geringen Katastrophenschäden wuchs das weltweite Kapital in der klassischen Rückversicherung von 2011 bis 2016 von rund 350 Milliarden auf 443 Milliarden Dollar. Das alternative Rückversicherungskapital, wozu die Katastrophenanleihen zählen, schwoll von etwa 28 Milliarden auf 81 Milliarden Dollar an, wie aus Zahlen der Ratingagentur Standard & Poor’s und des Versicherungsmaklers Aon hervorgeht.

Seite zwei: Warten auf „Irma“

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