16. Juli 2019, 09:43
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Knoll (DFV): „Man muss wissen, was man tut“

Der Wissenschaftliche Dienst des Bundestags warnt vor der Benutzung von Sprachassistenten wie Alexa durch Minderjährige. Cash. sprach darüber mit Dr. Stefan M. Knoll, CEO der DFV Deutsche Familienversicherung.

VAR 1096 in Knoll (DFV): „Man muss wissen, was man tut“

Stefan M. Knoll, CEO der Deutschen Familienversicherung (DFV).

Cash.: Was halten Sie von der Warnung des Wissenschaftlichen Dienstes des Bundestags? Stimmen Sie den Befürchtungen der Experten zu?

In unserer modernen Welt mit der bestehenden umfangreichen Unterstützung menschlichen Lebens durch elektronische Hilfsmittel, gibt es immer Risiken. Und so kann es angemessen sein, dass es immer jemanden gibt, der davor warnt.

Wenn man allerdings die Ratgebersendungen im Fernsehen sieht oder auch die Befürchtungen des wissenschaftlichen Dienstes liest, dann bin ich mir nicht sicher, ob wir nicht von einem etwas zu geringen Wahrnehmungs- und Risikobewertungsniveau der Nutzer ausgehen.

Fest steht, dass man Alexa an- und abschalten kann und es ist wahrscheinlich jedem bewusst, dass eine offene Kommunikationsverbindung auch Daten so lange ungebremst überträgt und das vollständig, wie sie besteht, weil ihrerseits keine Filter zur Anwendung kommen.

Und so muss man auch in Zeiten der Digitalisierung wissen, was man tut. Das gilt auch weiterhin für die Aufsicht über Kinder. Meine Kinder können Alexa nicht zu jedem beliebigen Zweck nutzen, sondern nur zum Abspielen von Musik. Das ist eine Frage der Anweisung und Aufsicht.

Cash.: Das Thema Datenschutz im Umgang mit Sprachassistenten wie Alexa wird heiß diskutiert. Wie geht die Deutsche Familienversicherung mit diesem Thema um?

Zunächst ist festzuhalten, dass der wissenschaftliche Dienst des Bundestages zu dem Ergebnis kommt, dass Amazon seinen Verpflichtungen aus 13 und 14 DSGVO in hinreichendem Maße nachkommt. Das ist für uns erst einmal grundsätzlicher Maßstab. Und was die Datenverarbeitung und Datennutzung von Amazon anbelangt, so ist das kein besonderes Problem eines Sprachassistenten.

Jede Bestellung bei Amazon versetzt dieses Unternehmen in die Lage das datentechnische Bild vom Kunden zu verbessern und damit für Werbezwecke zu nutzen – nichts Neues also. Da es hinreichende Alternativen zu Amazon aus der analogen Welt gibt, ist niemand verpflichtet oder gezwungen auf Amazon zurückzugreifen.

Aber es ist eben bequem zur jeder Zeit an jedem Ort zu bestellen und die Ware kommt auch noch frei Haus. Und so verstehe ich, dass unsere Kunden die Tatsache, dass sie die beste Zahnzusatzversicherung über Alexa abschließen können, besser finden, als zu einem Vermittler zu gehen.

Und was die Weitergabe von Daten an US-amerikanische Sicherheitsbehörden anbelangt, so sollten wir nach der freiwilligen, demokratisch nicht legitimierten Herausgabe von Bank- Überweisungsdaten an die US-amerikanischen Sicherheitsbehörden da ganz kleine Brötchen backen. Selten hat ein Staat seinen Bürgern die Kontrolle über seine Daten in so eklatanter Weise entzogen.

Ich bin nicht grundsätzlich gegen die Datenweitergabe durch SWIFT. Aber ich erwarte, dass meine Regierung das autorisiert und der Bundestag das kontrolliert. Beides ist nicht der Fall. Wer aber umgekehrt die Forderung nach der Erhebung von Fingerabdrücken bei der Einreise in die EU erhebt, der kann sich auf einen veritablen grünen Shitstorm gefasst machen.

Es ist wie immer, unsere Moralisten kratzen sich da, wo es niemanden juckt und beschäftigen sich vorzugsweise mit Petitessen. Dort entfalten Sie große Wirkung und so frage ich mich, wann wir uns mit der Tatsache befassen, dass wir in vielen Regionen Deutschlands keine vernünftige Internetversorgung haben. Da hat Alexa die gleiche dekorative Wirkung, wie eine Blumenvase und ist datenschutzrechtlich unkritisch.

Cash.: Was empfehlen Sie Eltern minderjähriger Kinder für den Umgang mit Sprachassistenten?

Aufsicht ausüben und Bücher kaufen. Kinder müssen eine Chance haben, aus eigenem Verstehen zu entscheiden und das geht nur mit Bildung. Leider machen doofe Eltern auch doofe Kinder.

 

Das Interview führte Benjamin Müller.

Foto: Shuuterstock

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