20. November 2019, 15:24
Teilen bei: Ihren XING-Kontakten zeigen | Ihren XING-Kontakten zeigen

Ein Kannibale in der Altersvorsorge? DIA kritisiert CDA-Vorsorgevorschlag

Der Arbeitnehmerflügel der CDU möchte ein neues staatlich organisiertes Standardvorsorgeprodukt nach dem Vorbild des baden-württembergischen Vorsorgekontos oder der hessischen Deutschlandrente – als neue Benchmark für die bisherigen Angebote der privaten Altersvorsorge. DIA-Sprecher Klaus Morgenstern spricht von einer neuen Pflichtvorsorge für Arbeitnehmer und einer Sonderbehandlung für Beamte und warnt vor den Folgen.

Riester-Klaus-Morgenstern-DIA in Ein Kannibale in der Altersvorsorge? DIA kritisiert CDA-Vorsorgevorschlag

Reformvorstoß des CDA: DIA-Sprecher Klaus Morgenstern übt Kritik an den Vorschlägen des Arbeitnehmerflügels der CDU.

 

Dieses Standardprodukt setzt nach Meinung der Antragsverfasser eine Benchmark für die bisherigen Angebote der privaten Alterssicherung und führt damit zu einer Belebung des Marktes. Die Erfahrung mit staatlich getriebenen Projekten in der Wirtschaft lehrt allerdings in der Regel das Gegenteil, warnt der DIA-Sprecher. 

Der Eintritt des Staates sorge für weniger Wettbewerb oder gar den vollständigen Rückzug der Privatwirtschaft. Nach einem von Ludwig Erhard 1957 geprägten Grundsatz solle der Staat jedoch die Regeln für die Wirtschaft setzen und somit als Schiedsrichter tätig sein, aber nicht mit eigenen Angeboten unter Sonderbedingungen andere Anbieter verdrängen.

Zu solch einer Reaktion würde es aber unweigerlich kommen, wenn ein staatlich aufgelegtes Vorsorgeprodukt, das zum Beispiel von Ressourcen der gesetzlichen Rentenversicherung oder der Bundesbank profitieren könnte, in Konkurrenz zu den vorhandenen privatwirtschaftlich organisierten Produkten tritt, betont Morgenstern.

Eingeschränkte Wahlfreiheit

Der Vorschlag des CDA hebt hervor, dass es sich bei dem geplanten Standardprodukt um eine Opting-out-Lösung handeln soll, der Arbeitnehmer also die Wahl habe. Die vermeintliche Wahlfreiheit ist nach Morgensterns Meinung nichts anderes als ein Werbeargument für den Vorschlag.

Eine wirklich Wahlfreiheit gebe es aber nicht, so Mogernstern. Denn die beschriebene Wahl beschränke sich auf die Art des Anlageproduktes: Trifft der Arbeitnehmer selbst keine Wahl, sorgt er automatisch im Standardprodukt vor. Damit handelt es sich in Wirklichkeit um eine Pflichtvorsorge, schlussfolgert Morgenstern.

Klar ausgesprochen werde dies aber nicht. Morgenstern: “Diese Pflichtvorsorge beschränkt sich nur auf sozialversicherungspflichtig Beschäftigte. Selbstständige und Beamte können das Standardprodukt abschließen, eine Pflicht gibt es für sie aber nicht. Damit wird die Sonderbehandlung der Beamten, die schon häufig Gegenstand öffentlicher Diskussionen ist, weiter ausgebaut. Am Ende läuft dieser Vorschlag auf eine Beitragserhöhung für Arbeitnehmer in einer Pflichtvorsorge hinaus – ohne paritätische Beteiligung der Arbeitgeberseite.”

 

Seite 2: Vergleich zur Skandinavien hinkt

Weiter lesen: 1 2

1 Kommentar

  1. Dieser CDA-Vorschlag ist schon länger bekannt und hat schon so manchem Direktversicherten einen Schauer über den Rücken gejagt – hat man doch 2004 schon einmal Millionen dieser Menschen durch rückwirkenden Eingriff in ihre Verträge um ihre Altersvorsorge betrogen.
    Für diese Betroffenen erscheint das Ganze wie ein neuer staatlich organisierter Raubzug, nur in noch größerem Maßstab.
    Das Vertrauen in die Politik ist seit der Verfehlung von 2004 nun einmal völlig zerstört.

    Kommentar von Eugen Dinkel — 24. November 2019 @ 17:40

Ihre Meinung



 

Versicherungen

Das sind die transparentesten Lebensversicherer

Die Provinzial Nordwest, die VGH und die Mecklenburgische sind die Top-3 der transparentesten Lebensversicherungsgesellschaften im deutschen Markt. Das hat eine Untersuchung der diesjährigen Standmitteilungen des Analysehauses Partner in Life (PiL) ergeben.

mehr ...

Immobilien

Auch ohne Eigenkapital zum Traumhaus?

Noch nie waren die Zinsen so niedrig wie zurzeit und viele Deutsche möchten sich die günstigen Konditionen sichern – auch ohne Eigenkapital. Doch so verlockend eine Vollfinanzierung klingt, zukünftige Eigenheimbesitzer müssen bei dieser Variante auch die Nachteile berücksichtigen.

mehr ...

Investmentfonds

Banken: “Kein massiver Verkauf von Kryptowerten an Kunden”

Vor wenigen Tagen wurden im Zuge des Umsetzungsgesetzes der 4. Geldwäscherichtlinie auch Maßnahmen zur Regulierung von Krypto-Geschäften durch den Bundesrat beschlossen. Im Kreditwesengesetz (KWG) ist nun das neue Finanzinstrument „Kryptowert“ definiert, gleichzeitig wurde ebenfalls als neue Finanzdienstleistung die Kryptowerte-Verwahrung in das Gesetz aufgenommen. Krypto-Verwahrer benötigen eine Bafin-Lizenz und müssen ihre Kunden nach dem Geldwäschegesetz so identifizieren, wie dies auch Banken tun. Nicht jede Bank wird sich in neues Geschäftsfeld trauen.

mehr ...

Berater

No Time to Wait: Fonds Finanz setzt jetzt auf Filme

Der Maklerpool Fonds Finanz hat die Waeis Filme GmbH gegründet. Sinn und Zweck sei die Etablierung der Bewegtbildproduktion als eigenständiges Geschäftsfeld und dessen Ausbau. Die Geschäftsführung übernehmen die langjährigen Fonds-Finanz-Mitarbeiter Dominik Wasik und Anton Leis gemeinsam mit Norbert Porazik und Markus Kiener.

mehr ...

Sachwertanlagen

KVG-Erlaubnis schon kurz nach dem Start

Die Finanzaufsicht BaFin hat der Five Quarters Real Estate AG aus Hamburg die Erlaubnis als Kapitalverwaltungsgesellschaft (KVG) und damit zur Auflage von alternativen Investmentfonds (AIFs) erteilt. Das Unternehmen wurde gerade erst gegründet.

mehr ...

Recht

Haus ohne Grundstück: Warum das Erbbaurecht mit Vorsicht zu genießen ist

Ein Kaufinteressent findet ein Angebot, das fast zu schön ist, um wahr zu sein. Ein signifikant günstigeres Angebot verglichen mit den Marktpreisen und versehen mit dem Hinweis: Erbbaurecht. Aus diesem Vermerk ergeben sich eine Reihe von Fallstricken, die Kaufwillige unbedingt kennen sollten, bevor sie ein Objekt mit Erbbaurecht erwerben. Timo Handwerker, Spezialist für Baufinanzierungen bei Dr. Klein in Hagen, kennt die Probleme genau.

mehr ...