BdV kürt den „Versicherungskäse des Jahres“

Das Produkt der LV 1871 hinterlässt beim BdV Fragen

Der Bund der Versicherten (BdV) hat den Versicherungskäse des Jahres 2020 gekürt. In diesem Jahr heimste sich die Lebensversicherung von 1871 a. G. (LV 1871) mit dem Produkt "MeinPlan Kids" den wenig löblichen Kritikerpreis der Verbraucherschützer ein. Hermann Schrögenauer, Vertriebsvorstand der LV 1871, kritisiert den BdV.

Der Bund der Versicherten (BdV) hat den Versicherungskäse des Jahres 2020 gekürt. In diesem Jahr heimste sich die Lebensversicherung von 1871 a. G. (LV 1871) mit dem Produkt „MeinPlan Kids“ den wenig löblichen Kritikerpreis der Verbraucherschützer ein. Hermann Schrögenauer, Vertriebsvorstand der LV 1871, kritisiert den BdV.

Mit diesem Negativpreis zeichnet der Verbraucherschutzverein seit 2015 jährlich das in den Augen des BdV vermeintlich schlechteste Versicherungsprodukt aus. „Maßgeblich für unsere Entscheidung ist der riesige Schaden für die Verbraucherinnen und Verbraucher“, sagt Edda Castelló, Vorsitzende der Versicherungskäse-Jury.

Bei „MeinPlan Kids“ gehe es um eine lebenslange Entscheidung, die Jahr um Jahr – buchstäblich jahrzehntelang – neuen erheblichen Schaden anrichte. Obendrein gaukele es den Familien Sicherheit vor und vereitelt damit richtigen Versicherungsschutz und richtiges Sparen. 

Bei dem als moderne Sparlösung angepriesenen Produkt handele es sich in Wahrheit lediglich um eine ungeförderte fondsgebundene Rentenversicherung – mit den bekannten Nachteilen wie mangelnde Transparenz und hohe Kosten, so die Kritik der Jury.

Ein Fondssparplan bei einer Bank oder Fondsgesellschaft, bestückt mit börsennotierten Indexfonds, sei nicht nur weitaus flexibler, sondern auch sehr viel kostengünstiger. „MeinPlan Kids“ kann gegen zusätzliches Geld mit verschiedenen Versicherungsbausteinen erweitert werden.

Zudem hinterfragt die Jury zufolge die Leistungen der Zusatzbausteine lohnen. Ausgewertet wurden sie allerdings nicht. Genau unter die Lupe genommen hat die Jury indes die Option, sich den Vertrag am Ende der Sparphase in Form einer lebenslangen Rente auszahlen zu lassen.

Das Ergebnis habe die Experten geradezu umgehauen: Ein heute neu geborenes Kind müsste  laut BdV-Berechnungen 130 Jahre alt werden, um das gebildete Kapital auf Basis der garantierten Rentenleistung zurückzuerhalten.

„Die LV 1871 kalkuliert den Vertrag mit einer absurd überzogenen Lebenserwartung. Bei derart hohen „Biometriekosten“ wird die Police für die Kids garantiert zu einem dicken Zuschussgeschäft. Ein solches Produkt ist Käse“, sagt Jury-Mitglied Barbara Sternberger-Frey.

Nominiert waren auch das Produkt „CleverFly“ / „CleverFly365“ der BD24 Berlin Direkt Versicherung AG und die Zahnzusatzversicherung „Zahn-Ersatz-Sofort“ der Ergo Krankenversicherung AG.

Neben der Juristin und Verbraucherschützerin Edda Castelló sitzen Kerstin Becker-Eiselen (Verbraucherzentrale Hamburg), Barbara Sternberger-Frey (Redaktionsbüro Sternberger-Frey), Dr. Achim Tiffe (Vereinsmitglied beim Institut für Finanzdienstleistungen e. V. (iff) und Rechtsanwalt in der Kanzlei Juest & Oprecht) und Dr. Dirk Ulbricht (Volkswirt und Mitglied des BdV) in der Jury.

LV 1871-Vertriebsvorstand Herrmann Schrögenauer hält dagegen: „Wenig überraschend ist die generelle Kritik des BdV an (fondsgebundenen) Rentenversicherungen, ebenso wie die hohe Intransparenz bei der Auswahl der Nominierten und „Gewinner“, kommentiert er die Auszeichung des BdV.

„MeinPlan Kids zeichnet sich durch eine marktunterdurchschnittliche Kostenbelastung und eine Gesamt-Verrentung über dem Marktniveau aus“, so Schrögenauer weiter. (dr)

Foto: Shutterstock

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