Allianz Global Insurance Report: „2020 ist an das Virus verloren“

Die größten Versicherungsmärkte der Welt. Deutschland rangiert nur auf Platz 18.

Covid-19 die Versicherungsmärkte rund um den Globus wie ein Meteorit getroffen. Das belegt der jüngste “Global Insurance Report”, den die Allianz jetzt veröffentlicht hat. Die Analysen zeigen, dass die Auswirkungen der Coronapandemie dreimal so heftig ausfallen dürften, wie die der Finanzkrise. Für Deutschland erwarten die Experten ein Minus bei den Prämieneinnahmen von 4,9 Prozent gegenüber 2019. Im kommenden Jahr soll es dann wieder aufwärts gehen.

Covid-19 die Versicherungsmärkte rund um den Globus wie ein Meteorit getroffen. Das belegt der jüngste “Global Insurance Report”, den die Allianz jetzt veröffentlicht hat. Die Analysen zeigen, dass die Auswirkungen der Coronapandemie dreimal so heftig ausfallen dürften, wie die der Finanzkrise. Für Deutschland erwarten die Experten ein Minus bei den Prämieneinnahmen von 4,9 Prozent gegenüber 2019. Im kommenden Jahr soll es dann wieder aufwärts gehen.

Die Allianz hat ihren jüngsten “Global Insurance Report” veröffentlicht, der die Entwicklung der Versicherungsmärkte weltweit analysiert. Demnach ist die weltweite Versicherungsindustrie mit Rückenwind ins Jahr 2020 gestartet: 2019 stiegen die weltweiten Prämieneinnahmen um 4,4 Prozent und verzeichneten damit den stärksten Zuwachs in vier Jahren.

Der Anstieg war vornehmlich auf das Leben-Segment zurückzuführen, in dem die Prämien kräftig auf 4,4 Prozent stiegen, da China seinen temporären, regulierungsbedingten Rücksetzer des Vorjahres überwand und die entwickelten Märkte sich immer besser auf das Niedrigzinsumfeld einstellten.

Prämien in der Sachversicherung wuchsen mit einer ähnlichen Rate (plus 4,3 Prozent), allerdings nach einem Zuwachs von 5,4 Prozent im Vorjahr. Das gesamte Prämieneinkommen summierte sich auf 3.906 Milliarden Euro. (Leben: 2.399 Milliarden Euro und Sach: 1.507 Milliarden Euro).

Dann traf Covid-19 die Weltwirtschaft wie ein Meteorit. Der plötzliche Stopp der Wirtschaft wird auch die Nachfrage nach Versicherungen hart treffen: Das globale Prämienaufkommen dürfte 2020 um 3,8 Prozent zurückgehen, mit stärkeren Verlusten im Leben- (minus 4,4 Prozent) als im Sachgeschäft (minus 2,9 Prozent).

Die Auswirkungen der Corona-Pandemie dürften damit dreimal so kräftig ausfallen wie die der Finanzkrise vor zehn Jahren, als die globalen Prämien um ein Prozentpunkt sanken. Verglichen mit dem erwarteten Trend vor Corona bedeutet dies ein Verlust an Prämien von rund 360 Milliarden Euro. (Leben: 250 Milliarden Euro und Sach: 110 Milliarden Euro.)

2020 ist an das Virus verloren

“2020 ist an das Virus verloren, darüber bestehen keine Zweifel mehr”, sagte Ludovic Subran, Chefvolkswirt der Allianz. „Interessanter ist die Frage, was danach kommt. Wir sehen insbesondere drei Trends, die durch Covid-19 deutlich an Schärfe gewinnen werden: Die Digitalisierung des Geschäftsmodells, die Hinwendung nach Asien und die wachsende Bedeutung von ESG-Faktoren.

Asiatische Versicherer sind in der Technologie führend, europäische Anbieter haben bei ESG die Nase vorne. Aber die Vorherrschaft im globalen Versicherungsmarkt wird sich in Asien entscheiden – asiatische Haushalte werden die globale Nachfrage nach Versicherungen maßgeblich treiben.“

Westeuropa verzeichnete 2019 ein Prämienwachstum von 4,3 Prozent, gegenüber 3,8 Prozent im Jahr zuvor. Beide Segmente, sowohl Leben als auch Sach, trugen dazu bei, wobei Leben ein starkes Wachstum von 5,1 Prozent erzielte – erst das zweite Mal seit der Finanzkrise, dass der Zuwachs über fünf Prozent lag –, während Sach um 2,5 Prozent zulegte, nach 3,5 Prozent 2018.

Die Gesamtprämieneinnahmen erreichten 1.063 Milliarden Euro, wovon beinahe drei Viertel auf die „Großen 4“ (Großbritannien, Frankreich, Deutschland und Italien) entfielen. 2020 dagegen wird herausfordernd für Westeuropa, milde gesagt: Die Prämieneinahmen dürften um kräftige 4,7 Prozent zurückgehen (Leben: minus 4,8 Prozent, Sach: minus 4,5 Prozent), da die Region eine der weltweit am härtesten von der Corona-Pandemie betroffenen ist.

Die langfristigen Aussichten sehen ein bisschen besser aus: Westeuropa wird 2021 zum Wachstum zurückkehren und 2022 dürfte das Prämienniveau aus Vor-Corona-Zeiten wieder erreicht werden. Bis 2030 dürfte die jährliche durchschnittliche Wachstumsrate bei 2,2 Prozent liegen, etwas über den Wert der Vordekade. Leben- und Sachgeschäft sollten dabei ungefähr im selben Tempo wachsen.

Europa fällt hinter Asien und die USA zurück

Nach dem herausfordernden Jahrzehnt, das auf die Finanzkrise folgte, erwies sich die schlacht-erprobte europäische Versicherungsindustrie erstaunlich widerstandsfähig in der Pandemie“, sagte Patricia Pelayo Romero, Ko-Autorin des Reports. „Der Ausblick dagegen ist weniger ermutigend. Wie in anderen Bereichen fällt Europa weiter hinter die USA und insbesondere Asien zurück. Noch kurz vor der Finanzkrise lag Europas Weltmarktanteil etwa gleichauf mit dem der USA – und weit vor dem Asiens. Am Ende dieser Dekade wird Europa sechs Prozentpunkte hinter den USA und 15 hinter Asien liegen. Covid-19 solle als Weckruf verstanden werden, dass Europa endlich sein Potenzial für höheres und inklusiveres Wachstum ausschöpft.“

Bei den Prämieneinnahmen müssen die Unternehmen in Deutschland einen deutlichen Dämpfer hinnehmen. Erst im kommenden Jahr geht es wieder bergauf.

Minus 4,9 Prozent in Deutschland

Der deutsche Versicherungsmarkt wuchs 2019 um 6,1 Prozent, das stärkste Wachstum seit 20 Jahren und weit über dem Durchschnitt der letzten zehn Jahre (plus 2,3 Prozent). Hauptwachstumstreiber war das Lebensgeschäft, das um 8,6 Prozent zulegte und damit die Rate aus dem Vorjahr mehr als verdreifachte.

Das Sachgeschäft, auf der anderen Seite, wuchs um moderate 3,1 Prozent, nach 3,6 Prozent 2018. 2020 dürfte deutlich herausfordernder werden: Die Prämieneinnahmen dürften um 4,9 Prozent (Leben: minus 4,7 Prozent, Sach: minus 5,2 Prozent) sinken, in einer ähnlichen Größenordnung wie in anderen europäischen Märkten.

Auf den Einbruch folgt allerdings eine schnelle Erholung im Jahr 2021, mit einem Wachstum von 2,7 Prozent; 2022 sollte wieder das Prämienvolumen der Vor-Corona-Zeit erreicht werden. Über die gesamte Dekade dürfte Deutschland ein durchschnittliches Wachstum von 1,9 Prozent pro Jahr erreichen. (dr)

Foto & Grafiken: Allianz

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