Coronakrise trifft Allianz weniger schwer als gedacht

Oliver Bäte, Vorstandsvorsitzender von Deutschland größtem Versicherungskonzern
09 May 2018, Germany, Munich: CEO of the insurance company Allianz SE, Oliver Baete, sitting onstage before the begin of the annual general meeting of the insurance company Allianz. Photo: Sven Hoppe/dpa || Nur für redaktionelle Verwendung

Der Versicherungskonzern Allianz kommt bisher besser durch die Coronakrise als gedacht. Zu einer neuen Gewinnprognose wollte sich der Vorstand um Allianz-Chef Oliver Bäte am Mittwoch zwar nicht durchringen. Finanzchef Giulio Terzariol sieht aber Grund zur Hoffnung.

Der Versicherungskonzern Allianz kommt bisher besser durch die Coronakrise als gedacht. Zu einer neuen Gewinnprognose wollte sich der Vorstand um Allianz-Chef Oliver Bäte am Mittwoch zwar nicht durchringen. Finanzchef Giulio Terzariol sieht aber Grund zur Hoffnung.

Allianz-Chef Oliver Bäte“Angenommen, die Situation bleibt wie heute, würde ich erwarten, dass das zweite Halbjahr besser wird als das erste“, sagte er in einer Telefonkonferenz anlässlich der Vorlage der Zwischenbilanz in München. Sicher ist das aber nicht: So bleibt weiter unklar, ob es eine zweite Infektionswelle mit Lockdowns, Betriebsschließungen und dem Ausfall versicherter Großveranstaltungen gibt.

An der Börse wurden die Nachrichten unentschieden aufgenommen. Der Kurs der Allianz-Aktie legte am Morgen zunächst um knapp 0,8 Prozent zu, lag am Mittag zuletzt aber leicht im Minus bei 181,38 Euro und gehörte damit zu den schwächsten Werten im Dax. Von dem Absturz bis auf 117,10 Euro in der Coronakrise Mitte März hat sich der Kurs zwar wieder weitgehend erholt. Dennoch ist das Papier noch rund 17 Prozent weniger wert als zum Jahreswechsel.

Analyst Ashik Musaddi von der US-Bank JPMorgan zeigte sich von der Gewinnentwicklung der Allianz positiv überrascht. Zudem sei der Konzern unter den großen europäischen Versicherern am wenigsten von Corona betroffen, ergänzte sein Kollege Olivier Pauchaut vom Investmenthaus Bryan Garnier. Von der Solvabilitätsquote – einer wichtigen Kennzahl für die Eigenmittelausstattung des Konzerns – sahen sich die Experten hingegen enttäuscht. Die Quote verschlechterte sich von Ende März bis Ende Juni von 190 auf 187 Prozent. Ein Jahr zuvor hatte sie noch bei 212 Prozent gelegen.

Gewinnrückgang in allen Konzernbereichen

Im ersten Halbjahr erzielte die Allianz einen operativen Gewinn von 4,9 Milliarden Euro, rund ein Fünftel weniger als ein Jahr zuvor. Sollte das zweite Halbjahr besser laufen, wie Terzariol hofft, deutet dies auf einen operativen Jahresgewinn von zehn Milliarden Euro oder mehr hin. Der Vorstand hatte sein ursprüngliches Ziel von 11,5 bis 12,5 Milliarden Euro wegen der Coronakrise Ende April zurückgezogen.

Im zweiten Quartal kamen die Schließung von Betrieben, der Ausfall von Veranstaltungen und der Rückgang der Kapitalerträge den Münchner Konzern zwar erneut teuer zu stehen. Mit rund einer halben Milliarde Euro fielen die Belastungen aber geringer aus als im ersten Quartal. Damit standen nach dem ersten Halbjahr insgesamt 1,2 Milliarden Euro zu Buche.

Operativer Gewinn sinkt deutlich

Der operative Gewinn fiel im abgelaufenen Quartal mit knapp 2,6 Milliarden Euro rund 19 Prozent niedriger aus als ein Jahr zuvor. Damals hatte das Unternehmen jedoch von einem Sondergewinn aus dem Lebensversicherungsgeschäft in den USA profitiert. Unter dem Strich sackte der Überschuss nun um 29 Prozent auf gut 1,5 Milliarden Euro ab, auch weil die Allianz infolge der Krise zudem weniger Zinsen und Dividenden einnahm.

Der Gewinnrückgang zog sich durch alle Konzernbereiche. In der Schaden- und Unfallsparte sank der operative Gewinn um 17 Prozent auf gut 1,1 Milliarden Euro. Zwar reichten die Prämieneinnahmen hier locker aus, um die Aufwendungen für Schäden, Verwaltung und Vertrieb zu decken. Die kombinierte Schaden-Kosten-Quote verschlechterte sich lediglich von 94,3 auf 95,5 Prozent und blieb damit deutlich unter der kritischen 100-Prozent-Marke.

Aktienrückkauf fällt in diesem Jahr wohl aus

Die dazugehörige Industrieversicherungstochter AGCS, die Unternehmen etwa gegen den Betriebsunterbrechungen und den Ausfall von Großveranstaltungen versichert hat, sackte jedoch in die roten Zahlen. Die kombinierte Schaden-Kosten-Quote lag mit 116,8 Prozent deutlich im roten Bereich. Der operative Verlust betrug 154 Millionen Euro, nach einem Plus von 79 Millionen Euro ein Jahr zuvor.

In der Lebens- und Krankenversicherung sackte der operative Gewinn wegen teurer Absicherungsstrategien für variable Rentenverträge in den USA und des Sondergewinns aus dem Vorjahr um fast ein Fünftel auf 991 Millionen Euro ab.

Fondsgeschäft bröckelt

Auch das Fondsgeschäft warf mit 640 Millionen Euro rund sechs Prozent weniger operativen Gewinn ab als ein Jahr zuvor. So hatten Anleger aus den Fonds der Konzerntöchter Pimco und Allianz Global Investors (AGI) im ersten Quartal unter dem Strich mehr als 46 Milliarden Euro abgezogen, was nun auf die Erträge drückte. Den Negativtrend konnten Pimco und AGI zuletzt aber umkehren. Im zweiten Quartal flossen den Fonds wieder 26 Milliarden Euro zu, der Löwenanteil davon bei Pimco.

Angesichts der Unsicherheit rund um die Pandemiefolgen machte Finanzchef Terzariol den Anteilseignern wenig Hoffnung, dass die Allianz in diesem Jahr den Rückkauf eigener Aktien wieder aufnimmt. Der Konzern werde nach der Sommerpause darüber entscheiden, sagte er. Allerdings halte er es für wahrscheinlicher, dass der Rückkauf in diesem Jahr ausfalle. Die Allianz hatte Anfang April entschieden, das bereits angelaufene Rückkaufprogramm im Umfang von 1,5 Milliarden Euro nach der Hälfte der Summe vorerst zu stoppen. (dpa-AFX)

Fotos: Picture Alliance

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