„95 Prozent der Schäden waren in den ZÜRS-Zonen 1 und 2“

Wir sehen, dass sich das Klima verändert. Studien erwarten, dass die Schadenereignisse durch Klima/Sturm deutlich zunehmen werden. In Studien wird über die Grenze der Versicherbarkeit gesprochen. Braucht es neue Ansätze?

Gründl: Wir sind in Deutschland verhältnismäßig moderaten Naturgefahren ausgesetzt. Wenn ich an Florida und die Hurrikans denke oder die Gefährdung von Teilen Japans durch Erdbeben, dann sind dies andere Schäden, die auf die Versicherer zukommen. Und trotzdem ist in solchen Gegenden eine Absicherung von Immobilien gegen diese Risiken möglich, auch wenn es sehr teuer ist.

Dass wir in eine Situation kommen, dass Unwetter-Risiken in Deutschland nicht mehr versicherbar sind, davon sind wir weit entfernt. Dass durch die Erderwärmung Wetterextreme zunehmen, ist ein großes Thema. Was bedeutet dies für die Schadenfälle?

95 Prozent der Schäden waren in den ZÜRS-Zonen 1 und 2. Und das sind eigentlich die am geringsten gefährdeten Zonen, Gegenden, die von Hochwassern eigentlich nicht bedroht sind. Wir beobachten, dass bei Ergo und der Munich Re sehr genau.

Wir machen uns Gedanken, welche Risiken sich versichern lassen und wie man sie versichern kann. Genauso wichtig ist aber, die Überlegung, wie sich Gefahren reduzieren lassen. Ich würde mir wünschen, dass wir in der Versicherungswirtschaft und der gesamten Gesellschaft noch intensiver darüber diskutieren, was wir tun können, um die Naturgefahren und die Auswirkungen des Klimawandels zu begrenzen.

Dass sich eine solche Tragödie wiederholen kann, ist jedem klargeworden. Und da braucht es eine Gesamtanstrengung aus Prävention und Maßnahmen. Wir müssten hier aber auch über die Bodenversiegelung sprechen oder die Bauordnungen der Städte, um gemeinsam die Folgen des Klimawandels abzumildern.

Bläser: Nach der Oderflut haben wir gesehen, was man auf der Präventionsseite tun kann. Das ist aus meiner Sicht sehr gut gelöst worden. Insofern müssten wir alle Regionen, auch an kleineren Flüssen, an Hanglagen oder in Tallagen überprüfen. Wenn man präventiv arbeitet, rettet das Menschenleben. Das muss das erste und oberste Gebot sein.

Wir als Versicherer kommen dann ins Spiel, wenn der Schaden da ist. Und wenn es zu einem Schadenfall kommt, sind wir als Versicherer gefragt, die Entschädigungsleistungen zu erbringen. Und das machen wir natürlich auch.

Das Interview führte Cash. Redakteur Jörg Droste

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