Gewerbeversicherungen: Alle für einen …

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Peter Pillath, Hiscox

Wie bei jeder Versicherung basieren auch Gewerbeversicherungen auf einem großen Kollektiv, das für die Einzelnen einsteht, die konkret von einem Schadenfall betroffen sind. Denn eine Versicherung ist kein „Geldwechselgeschäft“, sondern eine Solidaritätsgemeinschaft. Diese Solidarität ist besonders von Nöten, wenn eine Ausnahmesituation wie etwa bei der Flutkatastrophe im Juli eintritt. Hier zeigt sich deutlich, wie schnell eine unvorhersehbare Situation die Existenz eines Unternehmens bedrohen kann, wenn keine Absicherung getroffen wurde.

Da es bei der großen Angebotspalette an Gewerbeversicherungen aber schnell unübersichtlich werden kann, soll dieser Artikel Klarheit schaffen, welche Aspekte bei Gewerbeversicherungen zu beachten sind und die Top-4-Absicherungen für Selbstständige und Kleinunternehmen aufzeigen.

Gewerbeversicherung: was muss man beachten?

An erster Stelle vor dem Abschluss einer Gewerbeversicherung steht, sich über die eigene Risikoaffinität klar zu werden. Dabei sollten vor allem die folgenden Fragen beantwortet werden: Welcher Grad von Absicherung entspricht meinen Bedürfnissen nach Sicherheit und welche Risiken sehe ich für mein Unternehmen? Im Anschluss folgt der nächste Schritt: Die Rücksprache mit dem Versicherer oder Vermittler, welche Versicherung aus der breiten Angebotspalette der Gewerbeversicherungen für die eigene Risikoaffinität passt.

Ein weiterer wichtiger Punkt ist, auf ein transparentes und klares Versicherungswerk zu achten. Ist bereits bei Abschluss die genaue Abdeckung unklar, ist im Schadenfall die notwendige Handlungsschnelligkeit gefährdet. Hier sind sogenannte Allgefahrenversicherungen und offene Deckungen ideal.

Sie bieten für kleine Unternehmen und Selbstständige transparenten Versicherungsschutz, der alle Schäden abdeckt, die nicht explizit ausgeschlossen sind. Grundlegend – nicht nur bei Gewerbeversicherungen – sind individuelle Anpassungsmöglichkeiten und gute Beratung, da es für jede Branche und jedes Unternehmen andere abzusichernde Risiken gibt.

Grundsätzlich gilt zwar: Je größer das Unternehmen und vielseitiger das Tätigkeitsfeld, desto komplexer werden Schadenfälle und Risiken. Aber auch für kleine und mittlere Unternehmen gibt es nicht die eine universale Lösung. Der enge Kontakt zu Vermittlern und Spezialisten ist daher von hoher Relevanz, um die passende Absicherung im breiten Spektrum der Gewerbeversicherungen zu finden.

Last but not least sollte der Zugriff auf externe Experten gewährleistet sein. Im Schadenfall, aber auch zur Prävention hilft dies vor allem kleinen Unternehmen, wenn sie zeitnahe Unterstützung von den jeweiligen Fachleuten bekommen.

Betriebshaftpflichtversicherung

Zu den den wichtigsten Versicherungen für Selbstständige oder Kleinunternehmen gehört die Betriebshaftpflichtversicherung. Sie bietet Schutz bei Schadenersatzansprüchen aus Personen- oder Sachschäden und auch für hieraus entstehende Vermögensschäden. Zum Beispiel, wenn eine Handwerksfirma bei der Renovierung eines Hotel fehlerhaft arbeitet und die Einrichtung beschädigt. Neben den Schäden an der Einrichtung kommt es auch zu Umsatzausfällen, da die Zimmer erst verspätet und nicht zum geplanten Termin vermietet werden können.

Je nach Schadenfall werden berechtigte Forderungen bis zur Höhe der Versicherungssumme von der Versicherung übernommen und unberechtigte Ansprüche abgewehrt. Der Versicherer vertritt den Versicherungsnehmer außergerichtlich gegen etwaige Forderungen und trägt die Kosten möglicher Gerichtsverfahren – für Anwälte, Sachverständige, Zeugen oder notwendige Reisen. Versichert sind Unternehmer, Freelancer und alle Mitarbeiter eines Betriebs während der Ausübung betrieblicher Tätigkeiten. Hierzu zählen beispielsweise auch Schulungen und Betriebsfeste.

Eine Betriebshaftpflichtversicherung deckt Personenschäden, die durch Verschulden des Versicherten anderen Personen zugefügt werden. Zusätzlich kommt sie auch für Sachschäden auf. Bei Personen- oder Sachschäden, die zu einem Verdienstausfall Dritter führen, spricht man von Vermögensfolgeschäden, die ebenfalls versichert sind.

Fehler machen ist menschlich und deshalb passieren diese schnell, auch im gewerblichen Umfeld. Das kann existenzbedrohende Folgen haben, weshalb die entsprechende Absicherung, egal für welche Branche, enorm wichtig ist. Kommt es zu Personen- oder Sachschäden sind schnell Emotionen im Spiel. Eine unbeteiligte Instanz – der Versicherer – bearbeitet den Schaden sachlich und schützt die Kundenverbindung.

Berufshaftpflichtversicherung

Genau wie die Betriebshaftpflicht schützt diese Haftpflichtversicherung bei Schadenersatzforderung Dritter, allerdings ausschließlich für Vermögensschäden. Solche Schäden entstehen etwa dann, wenn eine Projektfrist nicht eingehalten wurde und dem Kunden deshalb ein finanzieller Nachteil entsteht. Muss den Forderungen nachgekommen werden, übernimmt die Haftpflichtversicherung die Kosten.

Für fast jedes Unternehmen ist eine Berufshaftpflichtversicherung von Vorteil. Dabei passt sich der Versicherungsschutz individuell an die Branche und Risiken an. Die Versicherung deckt Verdienstausfälle und Mehrkosten Dritter als größtes Risiko im Berufsalltag ab. Häufig passieren diese durch Beratungsfehler, Messfehler, Verluste, Verletzung von Urheberrecht oder Geheimhaltungspflicht.

Auch Schadensersatzforderungen aufgrund der Verletzung von Rechten Dritter sind über die Versicherung gedeckt.
Die Berufshaftpflichtversicherung sichert reine Vermögensschäden ab, die nicht auf einem Personen- oder Sachschaden basieren und ist dadurch die ideale Ergänzung zur Betriebshaftpflichtversicherung.

Gewerbliche Sachversicherungen

Gewerbliche Sachversicherungen werden auch Inhaltsversicherungen genannt und decken vor allem unvorhersehbare Schäden und hohe Kosten durch externe Ereignisse ab. Zum Beispiel, wenn teure Ausrüstungsgegenstände bei einem Einbruch entwendet oder bei Wasserschäden beschädigt werden. Auch Gebäude können versichert werden und eine wichtige Ergänzung ist die Betriebsunterbrechungsversicherung.

Gewerbliche Sachversicherungen sind fast für alle Unternehmen, Selbstständige und Freiberufler empfehlenswert. Büroeinrichtung und technische Geräte bilden die Basis der täglichen Arbeit und sind somit Teil des Betriebsinhalts. Versichert sind hier alle beweglichen Sachen des Betriebs, beispielsweise Büromöbel, elektronische Anlagen und Geräte, Waren und Vorräte oder hochwertige Gegenstände wie Antiquitäten.

Eine ergänzende Betriebsunterbrechungsversicherung deckt zudem Mehrkosten und den Ertragsausfall der aus Schäden an den versicherten Sachen resultieren. Tritt ein Schaden an einem Sachgegenstand ein, der zu Betriebsausfall, resultierend in Mehrkosten oder Ertragsausfall führt, können auch bei kleinen und mittelständischen Unternehmen Kosten bis zur Millionenhöhe entstehen, die schnell existenzbedrohend sind.

Cyber-Versicherung

Bei Cyber-Schäden können sehr schnell hohe Schadensummen entstehen. Viele Prozesse in Unternehmen sind mittlerweile automatisiert oder haben Schnittstellen zur digitalen Welt. Daher bieten sie Einfallstore für Hacker-Angriffe oder Möglichkeiten für IT-Ausfälle. So kann ein einfacher Klick auf eine infizierte E-Mail oder ein Hacker-Angriff das gesamte Computersystem lahmlegen. Laut aktuellem Hiscox Cyber Readiness Report haben 46 Prozent der Unternehmen in Deutschland bereits mindestens einen Cyber-Angriff erlebt.

Eine Cyber-Versicherung ist für die meisten Unternehmen jeder Größenordnung und Branche zu empfehlen. Gerade kleine Betriebe werden häufig Opfer von Cyber-Angriffen, da die IT-Sicherheit nicht stabil genug aufgestellt ist. Nach einer Attacke mangelt es dann an Knowhow, um schnell wieder zum Normalbetrieb zurückzukehren.

Die Bedrohungen, vor denen eine Cyber-Versicherung schützt, reichen von Hacking über Datendiebstahl und Spionage bis zu Sabotage und Computerviren. Aber auch Bedienfehler des IT-Systems, die zu Datenverlust führen oder Cyber-Erpressung sind abgesichert. Fast täglich gibt es Berichte von Cyber-Zwischenfällen und deren Folgen für ein Unternehmen.

Neben Eigenschäden entstehen häufig hohe Schadenersatzansprüche, die die Existenz des Betriebs bedrohen können. Mit einer Cyber-Versicherung stehen Experten beratend zur Seite und Spezialisten kümmern sich im Falle eines Schadens um die Wiederherstellung des Systems.

Privatpersonen als Orientierungshilfe

Die vorangegangenen Beispiele machen deutlich, wie wichtig Versicherungsschutz für kleinere Unternehmen und Selbstständige ist. Für ihr Risikomanagement können sich kleinere Betriebe bestenfalls an den Versicherungen von Privatpersonen orientieren: Eine private Haftpflicht- oder Hausratversicherung ist fast jedem ein Begriff und je nach persönlichem Gusto wird der Schutz beispielsweise durch eine Unfallversicherung oder Rechtsschutzversicherung ergänzt.

Die größte Herausforderung dabei ist es, das Risiko richtig einzuschätzen und den passenden gewerblichen Versicherungsschutz zu wählen.
Alle sind in ihren individuellen Bedürfnissen verschieden, aber in ihrem Wunsch nach Sicherheit doch gleich. Daher gilt: Finden Sie Ihren eigenen Weg zur richtigen Balance, aber beschäftigen sich damit.

Autor Peter Pillath ist Underwriting Manager Commercial Property and General Liability bei Hiscox Deutschland

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