„Riester-Rente hat ausgedient“

Foto: picture alliance / dpa Themendienst | Andrea Warnecke

„Wir werden das bisherige System der privaten Altersvorsorge grund- legend reformieren“, versprechen die Ampelparteien. Die Analysten der Zielke Research Consult GmbH haben sich Gedanken über die private Altersvorsorge der Zukunft gemacht.

„In Zeiten der Niedrig- oder gar Negativzinsen hat die Riesterrente ausgedient“, sagt Dr. Carsten Zielke, Geschäftsführer der Zielke Research Consult GmbH. Riester sieht vor, das Kapital zu erhalten und zu verrenten. Versicherer müssen somit das Geld in festverzinsliche Papiere investieren, um das Kapital zu erhalte. Das führt zu Verlusten beim Versicherungsnehmer. Für 100 eingezahlte Euro bekommt er nur 110,30 Euro zurück. Bei jährlich 100 eingezahlten Euro ergibt sich nach 35 Jahren ein Kapital von 4820,63 Euro. Tatsächlich bleibt bei zwei Prozent Inflation ein Realwert von 2410,45 Euro übrig. Hinzu kommt, dass die Versicherungen trotz einer tatsächlichen Lebenserwartung von 76,6 Jahren bei Jungen und 83,4 Jahren bei Mädchen von einer Lebenserwartung von 93 Jahren bei Riesterrentenbeziehern ausgeht.

Um eine angemessene Rendite zu erzielen, sollte die Regierung den Verrentungszwang aufheben und den Auszahlungsplan bis zum 85. Lebensjahr festlegen. Für eine längere Lebenszeit des Einzelnen müsste die Gemeinschaft aus Steuergeldern aufkommen. Das wäre effizienter. Von einer Abschaffung des Verrentungszwangs würde nicht nur der Kunde, sondern auch der Versicherer profitieren, wenn Lebensversicherer sich an diesem Markt beteiligen wollen. Die Solvenz der deutschen Lebensversicherer würde sich um den Faktor 1,6 bis 2,0 verbessern. Der Altersvorsorgemarkt würde so für die Bürger attraktiver, das Risiko für den Staat geringer. Hinzu kommt, dass durch das erhöhte Vertrauen auch Kapitalströme gezielt für den Klimaschutz eingesetzt werden können, um das 1,5-Grad-Ziel zu erreichen.

Zusätzlich ist es dringend geboten, dass die aus Sicht von Zielke Research Consult GmbH verstaubte HGB-Rechnungslegung wie in den meisten EU-Ländern durch die ökonomischere IFRS-Rechnungslegung ersetzt wird. Dies würde es den Versicherern ermöglichen, mehr in Realwerte wie Aktien zu investieren.

Nur ein Mix aus Garantie- und Verrentungszwangsabschaffung sowie eine Änderung der Rechnungslegung an moderne internationale Normen können die Attraktivität für die private Altersvorsorge erhöhen, um den demographischen Herausforderungen standzuhalten. Gleichzeitig würde sich die Eigenkapitalsituation der deutschen Lebensversicherer erheblich verbessern, was die Finanzstabilität fördern würde. Diese Kapitalströme könnten nachhaltigkeitsbezogen gesteuert werden, um das nötige Kapital für das Erreichen des 1,5 Grad Ziels des Pariser Klimaabkommens zu erreichen. Es liegt in der Hand der zukünftigen Bundesregierung.

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