4. Februar 2016, 08:54
Teilen bei: Ihren XING-Kontakten zeigen | Ihren XING-Kontakten zeigen

Neues Wohnen – Wie “Mikro” dürfen Häuser sein?

In den deutschen Ballungszentren sind Wohnungen ebenso knapp wie Bauland.  Mikrohäuser könnten zur Lösung des Problems beitragen.  Die Beyerle-Kolumne

Beyerle-Kolumne

“Um in einem Mikrohaus ,überleben’ zu können, muss man seinen gewohnten Lebensstil an die geänderten Bedingungen anpassen.”

Überall das gleiche Bild in deutschen Ballungszentren: steigende Mieten sowie steigende Kauf- und vor allem Bodenpreise. Das wirft nicht nur in der boomenden Immobilienbranche Fragen auf, wie sich die lokalen Märkte im Zeitalter der Urbanisierung und der Digitalisierung weiterentwickeln werden.

Woher das zunehmend knappere Angebot nehmen? Welche Wohnformen sind im wahrsten Sinne des Wortes „zukunftsorientiert“?

Unterschiede bei Wohnungsgröße und Material

Zur Beantwortung dieser Fragen sind grundsätzlich zwei Denkrichtungen vorstellbar: „mehr Bauen“ oder „weniger Wohnfläche pro Kopf“. Letzteres mag auf den ersten Blick undogmatisch und vielleicht sogar unpopulär klingen. Aber tatsächlich wird in der Immobilienwirtschaft zurzeit der Begriff des Mikrowohnens intensiv diskutiert.

Zunächst zu den harten Fakten dieses „neuen“ Marktsegments:

– Begrifflich noch nicht wirklich exakt definiert, sodass sich Namen wie Mikrohaus, Minihaus, Tiny House, Singlehaus, Nomadhome oder Kleinhaus subsummieren.

– Größenstrukturen: Micro heißt nicht gleich Mini. Aktuell sieht die Größenstruktur beziehungsweise Wohnflächenverteilung wie folgt aus: 58 Prozent in der Größenklasse 25 bis 60 Quadratmeter, 13 Prozent sind bis zu 24 Quadratmeter groß und 29 Prozent weisen 61 Quadratmeter und mehr auf.

– Baumaterialien: Auch hier gibt es ein breites Spektrum an Elementen. Aktuell zeigt sich folgende Aufteilung: 55 Prozent Holzbauweise, 18 Prozent Steinbau, elf Prozent Plastik, neun Prozent Stroh, ohne oder ergänzend mit Fundament.

– Die günstigsten Mikrohäuser gibt es voll ausgestattet bereits zu einem Preis ab circa 15.000 Euro. Die Mikrohaus-Energiekosten halten sich aufgrund der geringen Größe im Rahmen einer kleinen Mietwohnung.

Affinität zum Minimalismus

Diese zunächst eher nüchterne Baubeschreibung verdeckt den Strukturwandel, welcher diesem Objekttypus zum Siegeszug verhelfen könnte oder ihn eben verhindern. Die Rede ist von der Anpassungsfähigkeit seiner Bewohner.

Denn: Um in einem Mikrohaus „überleben“ zu können, muss man seinen gewohnten Lebensstil an die geänderten Bedingungen anpassen, das heißt, sich reduzieren und eine gewisse Affinität zum Minimalismus entwickeln.

Nicht zuletzt deshalb zielt dieser Lebensstil primär auf eine Jüngere, flexible und vorwiegend mobile Generation – die sogenannte 25-Stunden-Gesellschaft, deren Motto lautet: „Ständig in Bewegung sein“. Sie verbringt die meiste Zeit außer Haus, die Stadt ist ihr Wohnzimmer. Urbane Plätze verwandelt sie in Gemeinschaftswohnanlagen. Wohngemeinschaften und soziale Aspekte spielen eine große Rolle.

In Japan beriets etabliert

Erfahrungen mit dem Konzept gibt es schon: In Japan und Teilen Asiens ist das Wohnen auf engstem Raum ein Alltagsthema. Dementsprechend gelten diese Regionen als Inkubator für die Entwicklung, die sich gerade auch in anderen Metropolräumen der Welt andeutet. Unabhängig von der jeweiligen Präferenz erfordert dieser Wohntypus von Europäern vor allem eines: die Anpassung an einen neuen Lebensstil.

Mikrohäuser stellen ein interessantes Konzept sowohl hinsichtlich der aktuellen europäischen Stadtplanung als auch gesellschaftlich dar. Sie bieten Freiraum, indem der Bewohner sich auf die Dinge beschränkt, die er zum Leben braucht. Faszinierend ist die Nutzungsidee allemal. Doch ob sie den Siegeszug antreten wird, sollte aktuell eher bezweifelt werden.

Dr. Thomas Beyerle ist Managing Director bei Catella Property Valuation und verantwortet die Researchaktivitäten des Catella Konzerns.

Foto: Christian Daitche

Ihre Meinung



Cash.Aktuell

Cash. 3/2017

Inhaltsverzeichnis Einzelausgabe bestellen Cash. abonnieren

Themen der Ausgabe:

Pflegevorsorge - Small Caps - Zinshäuser - Digitalisierung - Honorarberatung - Leadsgewinnung - Nachfolge-Planung

Ab dem 16. Februar am Handel.

 

Cash. 2/2017

Inhaltsverzeichnis Einzelausgabe bestellen Cash. abonnieren

Themen der Ausgabe:

Absolute-Return – Insurtechs – Robo Advisors – Denkmalimmobilien

Versicherungen

Krankenkassen fahren Milliardenplus ein

Die gesetzlichen Krankenkassen haben im vergangenen Jahr ein Finanzplus von rund 1,4 Milliarden Euro eingefahren. Das Geldpolster der Kassen ist nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur auf 15,9 Milliarden Euro gestiegen.

mehr ...

Immobilien

Aktuelle Niedrigzinsen nicht ausschlaggebend für Immobilienkauf

Die historisch niedrigen Zinsen spielen keine herausragende Rolle bei der Entscheidung für den Kauf einer Immobilie, so das Ergebnis einer Studie von Immowelt. Viel gewichtiger sind andere Gründe.

mehr ...

Investmentfonds

Verhaltensanalysen sind wichtiger denn je

Cash. sprach mit Iwan Brouwer, Kapitalmarktexperte bei NNIP, über Chancen und Risiken im Multi-Asset-Bereich. Dabei stellt er die neusten Trends in diesem Sektor vor.

mehr ...

Berater

Hamburger Sparkasse gestaltet ihr komplettes Filialnetz neu

Mit einem neuen Filialkonzept will die Hamburger Sparkasse Menschen animieren, in die Filialen zu kommen “auch wenn sie gerade keine Geldgeschäfte brauchen”. Das Filialnetz werde in den kommenden Jahren zwar leicht schrumpfen, soll aber das größte in Hamburg bleiben.

mehr ...

Sachwertanlagen

KGAL platziert 930 Millionen Euro bei Institutionellen

Die KGAL Gruppe aus Grünwald hat im Geschäftsjahr 2016 fast 930 Millionen Euro an institutionellem Kapital eingeworben und damit das neu gezeichnete Eigenkapital gegenüber dem Vorjahr um 36 Prozent gesteigert.

mehr ...

Recht

BAG-Urteil: Witwenrente nicht nur für “jetzige” Ehefrau

Eine in Allgemeinen Geschäftsbedingungen enthaltene Klausel, mit der nur der “jetzigen” Ehefrau des Arbeitnehmers eine Hinterbliebenenversorgung zugesagt ist, benachteiligt ihn unangemessen, so das Bundesarbeitsgericht.

mehr ...