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2. November 2009, 20:45
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Kfz-Versicherung: Eine Branche am Limit

Nach dem Auslaufen der Abwrackprämie ist der gnadenlose Wettbewerb der Autoversicherer in die nächste Runde gegangen. Doch die K-Sparte fährt 2009 auf der Felge zum Jahresendgeschäft. Die Ertragslage ist kritisch. Dauert der Preiskrieg trotzdem an?

Speedlimit in Kfz-Versicherung: Eine Branche am Limit

Text: Hannes Breustedt

Eine Branche unter Hochdruck: Nachdem die staatlich geförderte Abwrack-Sonderkonjunktur ausgelaufen ist, steht für die Kfz-Versicherer die Jahresendoffensive an. Ein Kampf um die Kunden, der mit harten Bandagen geführt wird. Bereits seit einigen Jahren liefern sich die knapp 90 deutschen Anbieter einen beispiellosen Unterbietungswettbewerb. Im wichtigsten Segment der Schaden- und Unfallversicherung sind die Beitragseinnahmen inzwischen im fünften Jahr in Folge rückläufig, wie die Kölnische Rückversicherung Gen Re herausgefunden hat. Dieses Jahr drohen sie erstmals seit 1999 wieder unter die 20-Milliarden-Euro-Marke zu fallen.

Allein im letzten Jahr schrumpfte die Ertragskraft der Kraftfahrtsparte laut Gen Re um vier Prozentpunkte, die Preise schmolzen dem aktuellen Marktreport des internationalen Versicherungsmaklers Marsh zufolge um bis zu zehn Prozent. Erschwerend kommt hinzu, dass die Schadensquote mittlerweile bei über hundert Prozent liegt. Die Folge: Das Kfz-Geschäft rechnet sich kaum noch. Versicherungstechnisch schlidderte die Kraftfahrtsparte in Deutschland erstmals seit 2002 wieder in die Verlustzone.

Ertragslage im roten Bereich

Dass die Assekuranz im Kfz-Preiskampf dermaßen leidensfähig ist, liegt an der besonderen Stellung der Sparte. Nach der Altersvorsorge lassen sich die Bundesbürger die Versicherung ihrer aktuell etwa 50 Millionen zugelassenen Autos am meisten kosten. Im Schnitt geben die Deutschen etwa 400 Euro pro Jahr dafür aus. Noch wichtiger: Viele Anbieter messen dem Geschäftsfeld besondere Bedeutung bei, da es sich gewissermaßen um die Einstiegsdroge handelt, über die Neukunden gebunden, und später mit weiteren Tarifen versorgt werden können.

Allerdings ist es auch in keinem anderen Bereich so leicht, den Anbieter zu wechseln. Diese Option können Autofahrer ziehen, wenn der Versicherungsfall eintritt, das Fahrzeug verkauft wird, oder der Versicherer den Beitrag erhöht, ohne die Leistung zu verbessern. Darüber hinaus besteht die Möglichkeit, zum Ende des Versicherungsjahres zu wechseln. Dafür muss innerhalb der Frist von einem Monat zum Termin der Hauptfälligkeit gekündigt werden. Dabei handelt es sich klassischerweise um den 1. Januar, sodass vor allem die Monate Oktober und November entscheidend für die Branche sind. Um im Jahresendgeschäft Tarifwechsler an sich zu binden, lassen sich die Versicherer einiges einfallen. In diesem Jahr reicht die Palette von Beitragsfreistellung bei Arbeitslosigkeit, Chefarztbehandlung oder Krankentagegeld nach Unfällen bis hin zur Deckung gegen Eigenschäden oder Gratis-Allgefahren-Zusatzbaustein. All diese Gimmicks animieren zum Tarif-Hopping, zumal sie heutzutage im Internet oder mit entsprechender Software leicht zu vergleichen sind. Doch was die pfennigfuchsende Kundschaft freut, bringt die Anbieter zunehmend in die Bredouille. Ist das Ende der Rabattschlacht programmiert?

Trendwende im ruinösen Preiskampf eingeleitet?

Cash. hat die Top-Versicherer befragt. „Die Neugeschäftsprämien im Markt sind seit Mitte 2008 relativ stabil. Da die Ertragslage zunehmend angespannt ist, könnte dies auf ein mögliches Ende des jahrelangen Preiskampfes hinweisen“, erklärt Dr. Edgar Martin, Bereichsleiter Kraftfahrt-Betrieb bei der R+V Versicherung.  Ähnlich fällt die Einschätzung bei der VHV-Gruppe aus, zu der auch der Direktversicherer Hannoversche Direkt gehört: „Die meisten Versicherer verzeichnen inzwischen steigende versicherungstechnische Verluste. Auf der anderen Seite ist die Situation am Kapitalmarkt unverändert schwierig. Dies kann auf Dauer keine wünschenswerte Situation sein“, so VHV-Vorstand Dietrich Werner.

Die LVM rechnet damit, dass sich die Spreu vom Weizen trennen wird: „Viele Unternehmen werden den Preiskampf nicht fortführen können“, heißt es aus Münster. Thomas Doll, Hauptabteilungsleiter Sach/HUK-Betrieb der DEVK Versicherungen, sieht die Talsohle erreicht: „In der Branche gibt es erste Anzeichen für Tarifanhebungen im nächsten Jahr.“ Bei der HDI-Gerling erwartet man zumindest nicht, dass es weiter nach unten geht: „Wir gehen davon aus, dass sich die Preise auf dem heutigen Niveau stabilisieren“, erklärt Mathias Both, Leiter der Abteilung Produkt- und Markenmanagement Privat. Die Nummer zwei der Branche, Huk-Coburg, geht indes davon aus, dass die Prämien weiter unter Druck bleiben: „Das Ertragsniveau ist allerdings sehr angespannt. Großen Spielraum für weitere Absenkungen sehen wir deshalb nicht“, sagt Unternehmenssprecher Alois Schnitzer. Bei der Marktführerin Allianz hält man sich derweil bedeckt und verweist auf die Prognose des Gesamtverbands der Deutschen Versicherungswirtschaft, der für dieses Jahr von einem Minus von etwa 1,5 Prozent bei den Kraftfahrtzeug-Versicherungsbeiträgen ausgeht.

Abwrackprämie entfachte zusätzlichen Konkurrenzdruck

Der ohnehin schon zugespitzte Wettbewerb wurde in diesem Jahr zusätzlich durch die Abwrackprämie angeheizt. Wenngleich dadurch keine neuen Fahrzeuge in den Markt kamen, ermöglichte die staatliche Initiative, das Neuwagengeschäft anzukurbeln, und Tausenden von Haltern, kurzfristig den Tarif zu wechseln. Die Neuverteilung des Policen-Kuchens nach Ablauf der „Umweltprämie“ zu ermitteln, gestaltet sich allerdings schwierig. Kaum ein Versicherer kann den Einfluss auf das Neugeschäft beziffern. Lediglich die R+V (plus zehn Prozent), die Hannoversche Direkt (positiver Effekt in kleinem zweistelligen Prozentbereich) und die Huk (plus 80.000 bis 100.000 Kfz) machen einigermaßen konkrete Angaben.

Bei der Allianz wurde ein „gesteigertes Interesse“ an Autoversicherungen festgestellt. In den ersten Monaten 2009 seien in der Kraftfahrtsparte rund 30 Prozent mehr Angebote berechnet worden, so das Unternehmen. Die DEVK hat nach eigenen Angaben „stark von der Abwrackprämie profitiert und im Neugeschäft deutlich dazugewonnen“, die LVM eine „deutliche Zunahme von Versicherungsverträgen für Neuwagen“ registriert. Der Maklerversicherer VHV sowie HDI und Axa haben keinen Sondereffekt erfasst. Dass der abwrackbedingte Einmaleffekt sich negativ auf das Jahresendgeschäft auswirkt, steht nicht zu befürchten, da es dabei nicht in erster Linie um die Versicherung von neu angeschafften Fahrzeugen geht.

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