“Risikoarme Berufsgruppen werden günstiger”
Miriam Michelsen, Leiterin Vorsorge beim Finanzdienstleister MLP, konstatiert, dass der Trend zur Erweiterung der Berufsgruppen bei den Versicherern zu einer verstärkten Prämienspreizung führt.
Cash.: Laut einer aktuellen Studie verfügen 26 Millionen deutsche Arbeitnehmer über keinen Versicherungsschutz gegen Berufsunfähigkeit. Wie zufrieden sind Sie angesichts dieses großen Marktpotenzials sowie im Hinblick auf die Einführung der Unisex-Tarife mit Ihrem BU-Jahresendgeschäft 2012?
Michelsen: Es steht außer Frage, dass die BU-Absicherung eine der wichtigsten existenziellen Absicherungen ist. Deshalb gehört die Empfehlung, den Ausfall der eigenen Arbeitskraft adäquat abzusichern, zu unseren Beratungsstandards – unabhängig von der Unisex-Einführung. Mit der Quote der BU-Absicherung zum Jahresende sind wir zufrieden.
Mit welchen Kostensteigerungen müssen Männer und mit welchen Kostenentlastungen dürfen Frauen unter Unisex im BU-Markt rechnen?
Nach unseren Berechnungen wird beispielsweise ein 35-jähriger Mann bei Abschluss eines Unisex-Vertrags gegenüber einer Bisex-Kalkulation mit zehn Prozent höheren Beiträgen rechnen müssen. Eine gleichaltrige Frau könnte dagegen knapp zwei Prozent einsparen.
Sehen Sie bei den Produkten noch Potenzial zur weiteren Differenzierung, etwa hinsichtlich des Bedingungswerks?
Das BU-Angebot ist heute sehr ausgereift – Unterschiede liegen aber im Detail der Verträge. Mit unserem qualitätsorientierten Partner- und Produktauswahlprozess stellen wir sicher, dass wir unseren Kunden im breiten Marktangebot bedarfsgerecht Verträge mit hochwertigem Bedingungswerk bieten können.
Seit 2012 stellen wir unter den Anbietern eine zunehmende Differenzierung der Berufsgruppen fest. Dabei führen Kategorien wie Beruf, Anteil der körperlichen Tätigkeit und Führungsverantwortung zu einer größeren Spreizung bei der BU-Prämienkalkulation.
Die risikoarmen Berufsgruppen werden durch die differenziertere Betrachtung tendenziell noch günstiger, wohingegen die höheren Risiken teurer werden.
Welche Entwicklung beobachten Sie im Bereich der BU-Varianten, die für Berufstätige mit schlechten Risiken infrage kämen?
Kunden in risikoreichen Berufsgruppen oder mit Vorerkrankungen stehen bei einem BU-Vertrag vor dem Problem höherer Prämien und eventuellen Ausschlüssen oder sie scheitern an der Gesundheitsprüfung, womit ihnen eine BU-Versicherung gänzlich verwehrt wird.
Bei diesen Berufsgruppen macht je nach Bedarf eine Absicherung mittels einer Erwerbsunfähigkeitsversicherung, Kombi-Rente oder Dread-Disease-Police Sinn.
Interview: Lorenz Klein
Foto: MLP
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Das ist das generelle Problem bei der breiten Akzeptanz einer BU-Versicherung. Die Versicherer sollten endlich denen eine Versicherungschance geben, die es wirklich brauchen. Viele setzten sich in ihrem Beruf einen hohen gesundheitlichen Risiko, auch für die Allgemeinheit, aus und werden dann noch dafür benachteiligt.
Kommentar by Peter Sieverth — 28. März 2013 @ 14:43
Kann hier meinem Vorredner nur zustimmen. Was nützt es eine Berufsunfähigkeitsversicherung ins Leben zu rufen und von vornherein die Berufsgruppen entweder auszuschliessen, oder mit so hohen Beitragszuschlägen zu belangen, die gerade einen Berufsunfähigkeitsschutz am dringendsten nötig haben.
Kommentar by Marinanne Pohl — 27. März 2013 @ 15:58
Der Versicherungsgedanke hat zur Grundlage hohe und niedrige Risiken breit zu streuen.
Mit der Gebäudemonopolversicherung aus Zeiten des Herzogthums Württemberg war bis weit in die brd hinein nicht nur jedes Gebäude versichert, sondern auch die Feuerwehr unterstützt.
Wenn die BU-Rosinen-Pickerei so weiter geht , wird die BU-Versicherung aussterben!
Wer sie braucht der bekommt sie nicht und wer sie bekommt der braucht sie nicht.
Dann ist nur noch auf einen besseren Staat zu hoffen; DAS walte Bismarck!!
Franz Schmid
Kommentar by Franz Schmid — 5. Februar 2013 @ 21:04