Anzeige
26. Februar 2013, 11:34
Teilen bei: Ihren XING-Kontakten zeigen | Ihren XING-Kontakten zeigen

Schluss mit dem Ausschluss: Erste PKV-Anbieter öffnen sich

Um sich gegen den Vorwurf der “Rosinenpickerei” zu wehren, lassen die ersten privaten Krankenversicherer (PKV) Taten sprechen: Nach dem Vorbild der Debeka plant nun auch die Signal-Iduna-Gruppe eine erleichterte Aufnahme von Arbeitnehmern, die versicherungsfrei werden.

Reinhold Schulte, Signal-Iduna-Gruppe

Reinhold Schulte, Vorstandsvorsitzender Signal-Iduna-Gruppe

“Leistungsausschlüsse werden nicht vereinbart und Risikozuschläge werden nur bis zu 30 Prozent des Teilbetrags erhoben”, heißt es in einem Schreiben der Debeka. Bereits seit 1. Januar 2013 gilt diese Regelung unter anderem für die Debeka-Unisex-Tarife N (Vollversicherung mit Wahlleistungen) sowie NG (Zahnzusatzversicherung und Auslandsreisekrankenversicherung).

Eine Aufnahme in die PKV sei für Arbeitnehmer demnach innerhalb einer Frist von sechs Monaten nach erstmaligem Eintritt der Versicherungsfreiheit möglich. Diese tritt dann ein, wenn die sogenannte Jahresarbeitsentgeltgrenze von aktuell 52.200 Euro überschritten wird und damit die Pflichtversicherung in der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) endet. Die Öffnung gilt laut Debeka auch für Familienangehörige, die bislang über die Familienversicherung der GKV abgesichert waren.

Positive Erfahrungen mit Beamtenöffnung

Für Beamte besteht die Öffnungsaktion bei der Debeka bereits seit 1987: Beamtenanfänger und die Familienangehörigen werden seitdem unter bestimmen Voraussetzungen mit höchstens 30 Prozent Risikozuschlag versichert – auch wenn sie nach ihrem Gesundheitszustand eigentlich nicht versicherbar wären. Damit habe man auch einige Krankheiten mitversichert, die jährlich 150.000 Euro bis 400.000 Euro Kosten verursachen, erklärt das Unternehmen.

Man habe mit der Beamtenöffnungsaktion positive Erfahrungen gesammelt, begründet der Versicherer die seit Jahresbeginn geltende “Öffnung für alle”: Nach eigenen Angaben waren in 2011 2.560 Männer und 3.460 Frauen als Folge der Öffnungsaktion im Bestand der Beamtentarife. Die Debeka betont dabei, dass es sich bei der Maßnahme um ein “freiwilliges Angebot” des Versicherers handle, ein gemeinsames Vorgehen der Branche sei aus “kartellrechtlichen Gründen” nicht möglich.

Signal Iduna folgt der Debeka

Gleichwohl hat das Vorgehen der Koblenzer einen ersten großen Nachahmer gefunden: So hat kürzlich der Vorstand der Signal-Iduna-Gruppe in Dortmund beschlossen, dass PKV-Antragsteller, die die Voraussetzungen analog zur Debeka erfüllen, ab 1. März nicht mehr abgelehnt würden.

Wie Signal-Iduna-Chef Reinhold Schulte zuvor in einem Hintergrundgespräch in Hamburg erklärte, sollen Antragsteller mit Vorerkrankungen mit maximal 30 Prozent Prämienzuschlag versichert werden. Ziel sei es, so Schulte, dem insbesondere von Verbraucherschützern geäußerten Vorwurf der “Rosinenpickerei” entgegenzutreten.

Wie ein Sprecher erklärte, ist derzeit noch zu klären, ob die Öffnung auch auf die deutlich kleinere Signal-Iduna-Tochter Deutscher Ring Kranken ausgedehnt werden soll. (lk)

Foto: Signal Iduna

Anzeige

4 Kommentare

  1. Das Risiko einer solchen Öffnungsaktion ist für die PKV Versicherer wohl begrenzt. Das erstmalige überschreiten der Versicherungspflichtgrenze für Angestellte betrifft wohl eher die jüngere Generation. Daher wird es wohl diesbezüglich keinen übermäßigen Einkauf schlechter Risiken in PKV Tarife geben.

    Kommentar von Thomas Ludolph Privamed24 — 1. März 2013 @ 18:11

  2. Nun, vielleicht wird diese Entwicklung ja auch dadurch befeuert, das auch die PKV ständig Frischfleisch und neue Beitragszahler dringend benötigt. Ob diese Taktik der Öffnung allerdings langfristig wirklich aufgeht, bleibt abzuwarten,.. es bleibt spannend.. Grüße Nils Fischer

    Kommentar von Nils Fischer — 1. März 2013 @ 16:03

  3. Diese Entwicklung kann nur begrüßt werden. Fraglich ist, ob es auch soweit gekommen wäre, wenn man den privaten Krankenversichern nicht die Pistole auf die Brust gesetzt hätte.

    Der Signal und der Debeka geht es momentan sehr gut. Es bleibt spannend, welche anderen Anbieter diesem Pfad folgen wollen und können.

    Kommentar von Hr. Menke — 27. Februar 2013 @ 13:32

  4. Für die Versicherten in der Krankenversicherung ein klares Plus! Die Leistungen werden die Kuden mit Vorerkrankungen zu schätzen wissen. Offen bleibt die Entwicklung der Tarifprämien, in Anbetracht einer möglichen negativen Risikoselektion, insbesondere für die Gesellschaften, die hier Vorreiter sind. Sind diese Kosten einkalkuliert? Möchte man als “Gesunder” Kunde in einem solchen Tarif versichert sein? Hat man Vorteile in Tarifen mit Gesundheittsablehnungen? Entwickeln sich diese stabiler? Es wird spannend werden!

    Kommentar von André Perko - FINANCEDOOR GmbH — 26. Februar 2013 @ 12:15

Ihre Meinung



Cash.Aktuell

Cash. 2/2017

Inhaltsverzeichnis Einzelausgabe bestellen Cash. abonnieren

Themen der Ausgabe:

Absolute-Return – Insurtechs – Robo Advisors – Denkmalimmobilien


Ab dem 26. Januar im Handel.

Cash. 1/2017

Inhaltsverzeichnis Einzelausgabe bestellen Cash. abonnieren

Themen der Ausgabe:

Trumps Sieg in Rendite ummünzen - Themen, Produktangebote und Trends 2017 - Rentenreform

Versicherungen

Gerüchteküche um Generali brodelt

Um den italienischen Versicherer Generali ranken sich neue Übernahmegerüchte. Die italienische Tageszeitung “La Repubblica” berichtete am Dienstag, die Bank Intesa Sanpaolo erwäge ein Übernahmeangebot für Generali. Die Aktien des Versicherers trieb das in die Höhe.

mehr ...

Immobilien

Immobilienfinanzierung wird digitaler

Die Digitalisierung nimmt in der Immobilienfinanzierung einen immer höheren Stellenwert ein. Der Gesamtmarkt für Immobilienfinanzierungen ist im Jahr 2016 unter dem Vorjahr geblieben. Nach eigenen Angaben konnte der Marktplatz Europace dennoch wachsen.

mehr ...

Investmentfonds

Danske-Invest sieht Osteuropa-Aktien positiv

Im Jahr 2016 entwickelten sich die osteuropäischen Aktienmärkte keinesfalls einheitlich. Insgesamt ist die Bewertung immer noch noch attraktiv.

mehr ...

Berater

Knip, Clark & Co.: Neue Bedrohung für die Maklerbestände

Das Geschäftsmodell von Insurtechs ist faktisch tot. Das ist ein gut gehütetes, aber dem Grunde nach trotzdem offenes Geheimnis. Weniger bekannt ist die Tatsache, dass die App-Anbieter dies erkannt und ihre Strategie modifiziert haben. Deren Sprengkraft ist noch bedrohlicher.

Die Pradetto-Kolumne

mehr ...

Sachwertanlagen

ZBI baut Geschäftsfeld Projektentwicklung aus

Die ZBI Zentral Boden Immobilien Gruppe hat 2016 im Geschäftsfeld Projektentwicklung/Bauträger etwa 460 Wohneinheiten für insgesamt rund 90 Millionen Euro verkauft (Vorjahr 80 Millionen Euro) und die Projektpipeline um ein Drittel ausgebaut.

mehr ...

Recht

Berufshaftpflichtschutz verloren: Architekt versus Anwalt

Aufgrund einer Pflichtverletzung aus dem Anwaltsvertrag verlor ein Architekt in einem Haftpflichtverfahren seinen Versicherungsschutz. Daraufhin klagte er gegen seinen Anwalt auf Zahlung von Schadensersatz. Doch kam ihm die Verjährung in die Quere.

mehr ...