Altersvorsorge: Komplexität bremst Vorsorgebereitschaft in Deutschland

Foto: AdobeStock/deagreeze
Altersvorsorge ist für viele Menschen kein Randthema, sondern eine echte Überforderung.

Drei Viertel der Menschen in Deutschland empfinden Altersvorsorge als kompliziert. Besonders Haushalte mit niedrigem Einkommen fühlen sich schnell überfordert und ziehen sich zurück. Eine aktuelle Studie zeigt, wie stark die wahrgenommene Komplexität das Vorsorgeverhalten beeinflusst – und wo die größten Hürden liegen.

Rund drei Viertel der Menschen in Deutschland halten das Thema Altersvorsorge für kompliziert. Das geht aus einer aktuellen Befragung im Auftrag des Deutschen Instituts für Altersvorsorge und der Zurich Gruppe Deutschland hervor.

Besonders ausgeprägt ist dieses Empfinden bei Haushalten mit geringem Einkommen. 41 Prozent der Befragten mit einem monatlichen Haushaltsnettoeinkommen unter 1.000 Euro bezeichnen Altersvorsorge als klar kompliziert. In höheren Einkommensgruppen liegt dieser Anteil bei unter einem Drittel.


Das könnte Sie auch interessieren:

Dr. Peter Schwark, Sprecher des Deutschen Instituts für Altersvorsorge, ordnet die Ergebnisse ein: „Altersvorsorge ist für viele Menschen kein Randthema, sondern eine echte Überforderung. Die Ergebnisse zeigen deutlich: Wer wenig Einkommen hat, fühlt sich besonders häufig abgehängt – und verliert schneller den Überblick.“

Komplexität bremst konkretes Handeln

Die wahrgenommene Komplexität bleibt nicht folgenlos. Unter den Befragten, die Altersvorsorge als kompliziert einstufen, gibt mehr als ein Drittel, 37 Prozent, an, sich deshalb nicht aktiv mit dem Thema zu beschäftigen.

Gleichzeitig zeigt die Studie, dass Komplexität nicht zwangsläufig zu Untätigkeit führt. Eine relative Mehrheit von 46 Prozent lässt sich davon nicht abhalten und treibt die eigene Vorsorge trotz der empfundenen Hürden voran. Zudem werden regionale Unterschiede deutlich. Befragte aus Westdeutschland lassen sich seltener von der Komplexität bremsen als Menschen in Ostdeutschland.

Beratung als Schlüssel gegen Überforderung

Björn Bohnhoff, Vorstand Leben der Zurich Gruppe Deutschland, sieht vor allem in der Beratung einen Ansatzpunkt: „Die meisten Menschen wissen, wie wichtig Altersvorsorge ist – doch die gefühlte Komplexität von Förderlogiken, Steuern und Produkten bremst viele aus. Deshalb bleiben fundierte individuelle Beratung und menschliche Empathie unverzichtbar. Mit guter Beratung zeigt sich schnell: Der Weg zur passenden Lösung ist weit weniger kompliziert, als viele denken.“

Auch Schwark betont die gesellschaftliche Dimension des Themas: „Die Ergebnisse der Befragung zeigen, dass Altersvorsorge ein sensibles und erklärungsbedürftiges Thema bleibt. Wenn Komplexität dazu führt, dass Vorsorge aufgeschoben oder ganz unterlassen wird, ist das nicht nur ein individuelles, sondern ein gesellschaftliches Problem.“ Für die Untersuchung befragte Insa Consulere vom 30. Januar bis 2. Februar 2026 insgesamt 2.006 Personen ab 18 Jahren online.

Weitere Artikel
Abonnieren
Benachrichtigen bei
0 Comments
Inline-Feedbacks
Alle Kommentare anzeigen