Bitcoin unter Druck: Warum viele Profis dennoch von Unterbewertung sprechen

Foto: Smarterpix/FedBul
Quo vadis, Bitcoin?

Der jüngste Krypto-Crash hat die Nervosität unter Privatanlegern deutlich erhöht. Während Angst und Unsicherheit den Markt prägen, bewerten professionelle Investoren die Lage auffallend nüchtern. Eine neue Infografik von Coincierge zeigt, wie weit die Einschätzungen auseinanderliegen und warum Profis trotz Kursrückgang optimistisch bleiben.

Der jüngste Krypto-Crash hat die Marktstimmung spürbar verändert. Die Nervosität unter Privatanlegern ist hoch, vielerorts dominiert die Sorge vor weiteren Kursverlusten. Ein Blick auf den Fear & Greed Index von Alternative.me unterstreicht diese Stimmungslage: Mit einem Wert von 14 signalisiert der Index aktuell extreme Furcht. In dieser Phase mehren sich Warnungen vor einem erneuten Ausverkauf, während zahlreiche Anleger ihre Positionen kritisch hinterfragen. Wie eine neue Infografik von Coincierge zeigt, fällt die Einschätzung professioneller Marktteilnehmer jedoch deutlich differenzierter aus.

Trotz der ausgeprägten Verunsicherung auf Privatanlegerseite gehen rund 70 Prozent der institutionellen Investoren davon aus, dass Bitcoin derzeit unterbewertet ist. Während kurzfristige Kursbewegungen den öffentlichen Diskurs prägen, scheinen gerade Profis den jüngsten Rückgang stärker im Kontext langfristiger Bewertungsmodelle zu betrachten. Die aktuelle Korrektur wird weniger als strukturelle Schwäche interpretiert, sondern vielmehr als temporäre Abweichung vom fairen Wert.

Zwar erwarten etwa 26 Prozent der befragten Experten, dass sich Bitcoin und der Kryptomarkt aktuell in einem Bärenmarkt befinden. Doch ein Bärenmarkt ist nicht zwangsläufig mit Panik gleichzusetzen. Vielmehr deutet diese Einschätzung darauf hin, dass rückläufige oder stagnierende Kurse aus professioneller Sicht als Teil eines normalen Marktzyklus verstanden werden. Entscheidend ist dabei nicht die kurzfristige Richtung, sondern die Frage, ob fundamentale Faktoren intakt bleiben.

Dass der übergeordnete Optimismus unter Marktprofis weiterhin Bestand hat, verdeutlichen zusätzliche Umfragedaten. Ein entsprechender Krypto-Optimismus-Index notiert derzeit bei 71,2 Punkten auf einer Skala bis 100. Zwar lag der Wert im vierten Quartal 2025 noch höher, doch auch das aktuelle Niveau signalisiert weiterhin eine klar positive Grundhaltung. Wie aus der Infografik hervorgeht, ist der Rückgang eher als Abkühlung denn als Stimmungsbruch zu interpretieren.

Diese Einschätzung spiegelt sich auch in den mittleren Krypto Prognose der Experten wider. Demnach wird der Bitcoin-Kurs in sechs Monaten im Durchschnitt bei rund 105.072 US-Dollar erwartet. Verglichen mit dem aktuellen Kursniveau von etwa 78.000 US-Dollar ergibt sich daraus eine erhebliche Diskrepanz zwischen Marktpreis und professioneller Bewertung. Für viele institutionelle Akteure scheint genau diese Lücke den Kern der aktuellen Opportunität zu markieren.

Eine unmittelbare Folge des Crashs ist zudem die Rückkehr des öffentlichen Interesses. Der Google-Trend-Score für den Suchbegriff „Bitcoin“ liegt derzeit nahe seinem Höchstwert. Einschätzungen zufolge ist dieser Anstieg jedoch weniger auf antizyklische Kaufabsichten zurückzuführen, sondern vielmehr Ausdruck wachsender Unsicherheit. Viele Privatanleger informieren sich intensiver über mögliche Szenarien, Risiken und die Frage, ob der Markt vor einer weiteren Abwärtsbewegung steht oder bereits den Boden sucht.

Gleichzeitig deuten mehrere strukturelle Faktoren darauf hin, dass das Vertrauen in Kryptowährungen langfristig nicht erodiert ist. So geben in den USA bereits knapp ein Viertel der Angehörigen der Generation Z an, Kryptowährungen bei der Vermögenssicherung mehr zu vertrauen als traditionellen Banken. Diese Entwicklung verweist auf einen generationellen Wandel, der unabhängig von kurzfristigen Marktphasen an Bedeutung gewinnt.

Auch auf institutioneller Ebene lassen sich erste Stabilisierungssignale beobachten. Nach deutlichen Abflüssen aus Bitcoin-ETFs kam es zumindest am 2. Februar wieder zu Nettozuflüssen in Höhe von 561,8 Millionen US-Dollar. Ob dies bereits den Beginn einer nachhaltigen Trendwende markiert, bleibt offen. Die Bewegung zeigt jedoch, dass ein Teil der Investoren bereit ist, Rücksetzer aktiv zu nutzen.

Bei Ethereum-ETFs wurden am selben Tag zwar Abflüsse verzeichnet, diese fielen mit rund 2,9 Millionen US-Dollar jedoch vergleichsweise gering aus. Auch dies spricht eher für eine Phase der Neujustierung als für einen breit angelegten Rückzug institutioneller Gelder aus dem Kryptomarkt.

Ein Blick auf die Anlegerstruktur verdeutlicht zugleich die weiterhin bestehende Zurückhaltung im Privatkundensegment. In Deutschland ziehen derzeit 65 Prozent der Frauen Bitcoin bisher nicht als Geldanlage in Betracht, bei Männern liegt der Anteil bei 48 Prozent. Angesichts der jüngsten Kursverluste fühlen sich viele Skeptiker in ihrer Vorsicht bestätigt. Sollte sich die Einschätzung und Bitcoin Prognose der professionellen Marktteilnehmer jedoch bewahrheiten, könnte genau diese Zurückhaltung zum Nachteil gerade der vorsichtigen Anleger gereichen.

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