Das BMW-Abfindungsprogramm für Beschäftigte in Deutschland ist vorübergehend gestoppt. Zuerst hatte der Bayerische Rundfunk darüber berichtet. Der Grund: Nur rund eine Woche nach dem Versand individueller Angebote an etwa 40.000 Mitarbeiter bewältigt die Personalabteilung die Menge der Anfragen nicht mehr in der laufenden Geschwindigkeit.
Das Angebot sei in den Tagen nach dem Versand der persönlichen Konditionen „auf großes Interesse“ gestoßen, erklärt ein BMW-Sprecher. Eine Stellungnahme zum weiteren Vorgehen lehnt der Konzern vorerst ab.
Hoher Andrang überlastet Personalportal - persönliche Gespräche notwendig
BMW hatte die individuellen Abfindungsangebote am 8. und 9. Oktober 2026 verschickt. Empfänger sind rund 40.000 Beschäftigte im indirekten Bereich, also außerhalb der direkten Produktion in Deutschland. Bereits am 9. und 10. Oktober kam es beim internen Personalportal wegen des großen Andrangs zu zeitweiligen Ausfällen.
Mit einem Klick ist eine Abfindung allerdings nicht besiegelt. Für die Aufhebungsverträge sind individuelle Gespräche nötig, und genau dort stößt der Konzern derzeit an eine Kapazitätsgrenze. Deshalb pausiert das Programm vorübergehend.
BMW-Abfindungsprogramm: Woher der Sparkurs stammt
Der Stellenabbau geht auf eine Vereinbarung zwischen dem Konzern und dem Gesamtbetriebsrat vom 30. Juli 2026 zurück. Das BMW-Abfindungsprogramm ist Teil dieses größeren Personalstrukturprogramms. Weltweit sollen bis Ende 2027 rund 8.000 Arbeitsplätze abgebaut werden; zum Jahresende 2025 zählte der Konzern gut 154.540 Stellen. Der Abbau erfolgt größtenteils über das freiwillige Aufhebungsprogramm für indirekte Tätigkeiten in Deutschland. Betriebsbedingte Kündigungen schließt die Vereinbarung allerdings aus, stattdessen soll der Abbau über natürliche Fluktuation und Freiwillige gelingen.
„Wir werden uns schlanker aufstellen, um schneller und effizienter zu werden“, sagt Vorstandschef Milan Nedeljković. Erst seit dem 14. Mai 2026 steht er an der Konzernspitze und löste damit Oliver Zipse ab, dessen Nachfolge der Aufsichtsrat bereits im Dezember 2025 verkündet hatte.
Wenige Wochen vor der Einigung, am 16. und 17. Juni 2026, korrigierte BMW seine Jahresprognose per Ad-hoc-Mitteilung nach unten. Im Automobilsegment rutschte die erwartete EBIT-Marge von vier bis sechs Prozent auf nur noch ein bis drei Prozent, die Kapitalrendite sank von sechs bis zehn Prozent auf ein bis fünf Prozent. Verantwortlich dafür machte der Konzern den eingebrochenen Absatz in China sowie die Folgen des Nahost-Konflikts.
Entsprechend schwach fielen dann auch die Resultate des zweiten Quartals aus. Der Vorsteuergewinn des Konzerns sackte um 35,1 Prozent auf 1.697 Millionen Euro ab, die EBIT-Marge im Automobilsegment erreichte lediglich 2,3 Prozent und blieb damit deutlich hinter der ursprünglich angepeilten Spanne von acht bis zehn Prozent zurück. Der Wettbewerb im globalen Automobilmarkt habe sich spürbar verschärft, so Finanzvorstand Walter Mertl.
| Kennzahl | Wert | Veränderung |
|---|---|---|
| Konzern-Vorsteuerergebnis (Q2 2026) | 1.697 Millionen Euro | −35,1 Prozent |
| EBIT-Marge Automobilsegment (Q2 2026) | 2,3 Prozent | Zielspanne: acht bis zehn Prozent |
| Konzern-Vorsteuerergebnis (H1 2026) | 4.045 Millionen Euro | −29,4 Prozent |
| Umsatz (H1 2026) | 62.266 Millionen Euro | −8,0 Prozent |
| Fahrzeugauslieferungen (H1 2026) | 1.156.727 Einheiten | −4,2 Prozent |
Wie hoch ist die Abfindung bei BMW?
Eine pauschale Summe nennt BMW nicht. Verschiedenen Medienberichten zufolge, die sich inhaltlich decken, können Beschäftigte mit langer Betriebszugehörigkeit, höherem Alter und gutem Verdienst Abfindungen von mehreren Hunderttausend Euro erhalten. Der Konzern selbst teilt lediglich mit, die Konditionen würden jeweils individuell, aber nach einheitlichen Maßstäben festgelegt.
Für das gesamte BMW-Abfindungsprogramm veranschlagt der Konzern eine dreistellige Millionensumme. BMW geht davon aus, durch das Personalstrukturprogramm insgesamt mit einmaligen Kosten von rund einer Milliarde Euro belastet zu werden. Dem sollen ab 2028 jährliche Einsparungen in vergleichbarer Größenordnung gegenüberstehen. Zeitlich erstreckt sich das Programm von Oktober 2026 bis Ende 2027.
Bei den Beschäftigtenzahlen kursieren zudem leicht unterschiedliche Angaben. Die BMW AG beschäftigte Ende 2025 gut 85.800 Menschen, für Deutschland wird zur Jahresmitte 2026 eine Zahl von rund 84.000 Beschäftigten angegeben. Darunter sind die rund 40.000, die nun ein Abfindungsangebot erhalten haben. Der Unterschied hängt mit dem unterschiedlichen Bezugszeitpunkt und der bereits laufenden natürlichen Fluktuation zusammen, die zwischen Mitte 2025 und Mitte 2026 rund 2.000 Personen umfasste.
Auch andere Autobauer bauen Stellen ab
Auch jenseits von BMW setzen deutsche Autobauer den Sparstift an. Mercedes-Benz etwa hat ein eigenes freiwilliges Abfindungsprogramm aufgelegt, das dem BMW-Modell ähnelt. Bei Porsche sollen über die bereits fixierten 3.900 Stellenstreichungen hinaus noch einmal 5.000 weitere Arbeitsplätze bis zum Jahr 2035 wegfallen. Und bei Volkswagen wird laut Medienberichten sogar darüber nachgedacht, die geplante Zahl der Stellenstreichungen auf rund 100.000 im gesamten Konzern zu verdoppeln.
| Unternehmen | Geplanter Stellenabbau | Status |
|---|---|---|
| BMW | rund 8.000 Stellen (indirekter Bereich, Deutschland) | beschlossen, bis Ende 2027 |
| Mercedes-Benz | eigenes freiwilliges Abfindungsprogramm | läuft |
| Porsche | 3.900 Stellen beschlossen, weitere 5.000 angekündigt | teilweise beschlossen, bis 2035 |
| Volkswagen | laut Berichten bis zu 100.000 Stellen in Diskussion | laut Berichten in Diskussion |















