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Bundesanleihe-Renditen könnten weiter steigen

Foto: Union Investment
Christian Kopf, Union Investment

Das Marktumfeld für 2026 verspricht eine etwas höhere Wachstumsdynamik bei zugleich auseinanderlaufender Zins- und Inflationsentwicklung zwischen den USA und dem Euroraum. An den Rentenmärkten dürfte sich dies in einer guten Entwicklung von Investment-Grade-Unternehmenspapieren niederschlagen. Bei Staatsanleihen ist aufgrund der Schuldendynamik eher Vorsicht geboten.

2025 war ein gutes Jahr an den Rentenmärkten. Auch 2026 ist mit Blick auf Unternehmensanleihen Zuversicht angebracht. Für Investment-Grade-Papiere sind die Risiken derzeit begrenzt. Bonitätsmäßig gute Unternehmenspapiere sind zu einer Art neuem ‚sicheren Hafen‘ für Anleiheinvestoren geworden. Vor allem Euro-Papiere sind für Anleger interessant, da hier keine Währungsabsicherung nötig ist. Damit auf dem aktuellen Niveau Verluste für einen Neueinsteiger auf Sicht von einem Jahr entstehen könnten, braucht es eine Zinserhöhung von mindestens 25 Basispunkten und eine Verdopplung der Risikoaufschläge. Beides ist aus Sicht von Union Investment unwahrscheinlich.

Wegen der lockeren Geldpolitik der US-Notenbank Federal Reserve ist 2026 nicht von einer Zinsanhebung bei der Europäischen Zentralbank auszugehen. Hinsichtlich der Risikoaufschläge sind zwei Faktoren zu beachten: Zum einen eine höhere wirtschaftliche Dynamik, die sich gerade in Europa durch die Umsetzung der Fiskalpakete ergeben dürfte. In den USA, aber auch in Deutschland gibt es die politische Bereitschaft, die Verschuldung hochzufahren, um damit die Wirtschaft anzukurbeln. Das ist ein Bruch gegenüber früher und sollte sich in einer höheren Investitionsbereitschaft und damit mittelfristig in steigenden Unternehmensgewinnen niederschlagen. Dabei ist zu unterstreichen, dass sich Unternehmen, anders als Staaten, schneller an Veränderungen anpassen können. Zum anderen ist die Bilanzqualität der Unternehmen im Investment-Grade-Bereich insgesamt so gut, dass selbst eine unerwartete wirtschaftliche Durststrecke kaum Auswirkungen auf das Bonitäts- und Kreditprofil hätte. Alles in allem zeigt sich ein Umfeld, in dem sich die Renditen von Unternehmensanleihen gut vereinnahmen lassen sollten.


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Staatsverschuldung: Risiken in den USA

Die steigende Staatsverschuldung birgt mit Blick auf die Vereinigten Staaten Risiken für die Rentenmärkte. Die Haushaltspolitik Washingtons ist auf lange Sicht nicht nachhaltig, was weiter steigende Renditen im längeren Laufzeitenbereich erwarten lässt. Das impliziert aber keine Systemkrise, sondern ist vielmehr Ausdruck einer veränderten Angebots- und Nachfrage-Situation. Dazu trägt auch bei, dass die Unterstützung durch die Notenbankkäufe – bekannt als quantitative Lockerung – weggefallen ist. Dadurch fällt ein potenziell großer Nachfrager am Markt weg, während gleichzeitig das Angebot steigt – unter dem Strich müssen private Anleger also mehr Staatsanleihen kaufen, damit die Neuemissionen absorbiert werden. Das wird nur zu höheren Renditen möglich sein. Davon wird vor allem das längere Ende der Zinskurve betroffen sein, denn durch die Schuldendynamik steigen die langfristigen Haushaltsrisiken.

Der Markt sieht die Verschuldungsthematik bisher jedoch recht entspannt. Doch als Anleger am Rentenmarkt braucht man einen Blick auf die Randrisiken. So ist es unter widrigen Umständen vorstellbar, dass eine Auktion von US-Treasuries schief geht, also das Angebot nicht vollständig bei Investoren platziert wird. Das könnte zu kurzfristigen Schwankungen an den globalen Rentenmärkten führen, da Japan oder auch einige europäische Länder hohe Schulden aufweisen und Analogien gezogen werden könnten. Das dürfte aber nur eine vorübergehende Erscheinung sein. Für Deutschland als Emittent etwa sind hier keine substanziellen Risiken zu sehen, die Rating-Qualität wird auch durch die steigende Schuldenaufnahme nicht unterwandert, allerdings ist der Ausblick nicht erfreulich, da unklar ist, wie in einem Land mit geringem Trendwachstum das Haushaltsdefizit wieder zurückgeführt werden soll. Es ist aber von einer anhaltenden Schwäche des US-Dollars gegenüber dem Euro auszugehen. Grund dafür ist der politische Druck auf die US-Notenbank Federal Reserve, die Zinsen zu senken, was zu einem schrumpfenden Zinsabstand zwischen den USA und dem Euroraum führt. Ein Anleger aus dem Euro-Raum sollte also wenn möglich im Euro bleiben oder seine US-Dollar-Positionen absichern.

Zinskurven bleiben steil

Da die US-Leitzinsen sinken dürften, sollte die Zinskurve steiler werden. Das hat Auswirkungen auf die Renditedifferenz zwischen kurzen und langlaufenden Anleihen. Dasliegt am Rollertrag. Wenn ein Anleger beispielsweise eine zehnjährige Anleihe kauft und ein Jahr lang hält, sinkt die Rendite bei einer steilen Zinskurve, und dadurch steigt der Kurs. Noch dürfte aber die maximale Ausprägung der Kurvensteilheit nicht erreicht sein. Daher sollten Investoren längere Laufzeiten im Staatsanleihesegment vorerst weiter meiden und die Duration eher kurz halten, um Verlustrisiken zu kappen.

Wegen der starken Schuldenaufnahme der Staaten über den Kapitalmarkt und auch wegen der schrittweisen Aushöhlung der Unabhängigkeit der US-Notenbank dürften die Zinskurven noch länger steil bleiben. Obwohl der Inflationsdruck in den USA auch aufgrund der Zollpolitik von US-Präsident Donald Trump höher bleiben dürfte als im Euroraum, soll der US-Leitzins aus politischen Gründen sinken. Wir erwarten 2026 zwei weitere Zinssenkungen. Die Kapitalmärkte werden sich auf fundamental zu niedrige US-Leitzinsen einstellen müssen. Das wird kurzfristig grundsätzlich Risikoanlagen unterstützen, birgt langfristig aber neue Risiken. Denn während das kurze Ende der Zinskurve von den Leitzinsen bestimmt wird, drücken die Risiken einer solchen Politik – womöglich überschießende Inflation und steigenden Sorgen um die Refinanzierungsfähigkeit der USA als Emittent – die Renditen in den längeren Laufzeiten eher nach oben.

Für Anleger interessante Bereiche des Rentenmarkts

Vor diesem Hintergrund bleiben nicht nur Investment-Grade-Unternehmensanleihen in Euro interessant. Auch andere Anleihesegmente mit Risikoaufschlag scheinen aussichtsreich, etwa Covered Bonds (gedeckte Schuldverschreibungen) oder ausgesuchte Schwellenländerpapiere in Lokalwährung. Insbesondere letztere profitieren von fallenden US-Zinsen. Zugleich ist die Inflation in den Emerging Markets rückläufig, aufgrund der vermehrten Einfuhr günstiger Waren aus China. Vorsicht ist weiterhin geboten bei Staatsanleihen von Ländern, in denen eine hohe politische Instabilität auf eine hohe Verschuldung trifft, wie etwa Frankreich.

Autor Christian Kopf ist Leiter Portfoliomanagement Renten bei Union Investment.

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