Mit welchem weiteren Ablauf/Zeitplan rechnen Sie bei der RIS? Inwieweit gibt es noch eine Wahrscheinlichkeit, dass die RIS komplett zurückgezogen wird?
Heinz: Ein kompletter Rückzug der RIS ist aus unserer Sicht ausgeschlossen. Allerdings ist weiterhin mit Verzögerungen zu rechnen. Der endgültige Text wird erst in der zweiten Hälfte des Jahres 2026 erwartet. Anschließend folgt die formelle Annahme durch das Europäische Parlament und den Ministerrat sowie die Veröffentlichung im Amtsblatt. Die Umsetzung in den Mitgliedstaaten wird voraussichtlich rund 24 Monate nach der Veröffentlichung erfolgen, die Anwendung der Vorschriften etwa 30 Monate danach.
Sind im finalen Gesetzgebungsprozess in Brüssel noch Änderungen an der RIS selbst zu erwarten oder wäre dies aus Ihrer Sicht wünschenswert, gegebenenfalls in welche Richtung?
Heinz: Ja, kleinere Formulierungsänderungen sind weiterhin zu erwarten. Inhaltlich rechnen wir jedoch nicht mehr mit grundlegenden Veränderungen.
Bei welchen Regelungen gibt es in Bezug auf die Umsetzung in deutsches Recht und/oder die Level 2-Vorschriften etc. aus Ihrer Sicht noch Knackpunkte und wie ist Ihre Position dazu?
Heinz: Das lässt sich derzeit nicht beurteilen, da der endgültige RIS‑Text noch nicht vorliegt. Erst wenn dieser verfügbar ist, kann man konkrete Herausforderungen der Umsetzung einschätzen.
Welche Punkte der RIS werden den Vermittleralltag in Deutschland wie verändern (gerne mit Details)?
Heinz: Für Vermittler könnten insbesondere neue Tests zur Bewertung der Wertigkeit eines Produktes relevant werden. Außerdem ist mit verschärften Informationspflichten im Rahmen des Product‑Oversight‑and‑Governance‑(POG‑)Verfahrens zu rechnen.
Inwieweit gibt es im Altersvorsorgereformgesetz bereits Überschneidungen mit der RIS bzw. Vorgriffe darauf?
Heinz: Die Regelungen im Altersvorsorgereformgesetz basieren auf den momentan geltenden rechtlichen Bestimmungen. Selbstverständlich kann es Überschneidungen mit der RIS geben, diese dürften dann aber schon bereits jetzt geltende rechtliche Bestimmungen widerspiegeln. Nach unserem Dafürhalten hat die RIS auch aus diesem Grund keine konkreten Auswirkungen auf das Altersvorsorgereformgesetz und es steht noch gar nicht fest, was in der RIS konkret an Anforderungen enthalten ist. Daher hat die RIS gegenwärtig keinerlei Auswirkungen auf das Altersvorsorgereformgesetz.
Wie ist der aktuelle Stand der Dinge bei FiDA und wie ist Ihre Position dazu?
Heinz: Derzeit ruht das Verfahren. Wir sehen bei der FIDA insbesondere Risiken im Bereich der Datensicherheit und des Datenzugangs. Wichtig ist uns, dass die Vermittler selbst entscheiden können sollen, ob sie unter FIDA fallen oder nicht – andernfalls könnte ein Wettbewerbsnachteil entstehen, wenn ihnen der Zugang zu wichtigen Kundendaten verwehrt würde. Und die Verbraucher sollten stets die Kontrolle über ihre Daten behalten. Wir befürchten zudem teilweise hohe Umsetzungskosten.
Die Fragen stellte Cash. im Rahmen eines Artikels über RIS und FiDA und veröffentlicht die Antworten hier nochmals in voller Länge. Die Antworten geben den Stand vom 23. März 2026 wieder.













