Die Überschwemmungen an Ahr und Erft 2021 oder in Baden-Württemberg und Bayern im Frühsommer 2024 haben sehr deutlich gezeigt, dass Naturereignisse wie Starkregen, Überschwemmungen oder Lawinen die Sicherheit und den vermeintlichen Schutz eines Eigenheims schnell infrage stellen. Standardpolicen für Wohngebäude decken in der Regel Schäden durch Sturm und Hagel ab, nicht aber solche durch Elementargefahren. Dafür ist eine zusätzliche Elementarschadendeckung notwendig.
Spannend ist hier eine Umfrage des Devk. Nach eigener Einschätzung verfügen 71 Prozent der Immobilienbesitzerinnen und -besitzer in Deutschland über einen entsprechenden Elementargefahrenschutz. Das zeigt eine repräsentative Online-Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Civey im Auftrag des Kölner Versicherers, an der 5.000 Menschen teilgenommen haben. Denn die tatsächliche Absicherung liegt deutlich niedriger: Laut Gesamtverband der deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) waren 2024 nur 57 Prozent der Wohngebäude entsprechend versichert.
Vor diesem Hintergrund gewinnt die politische Diskussion über eine Pflichtversicherung gegen Elementarschäden an Bedeutung. Ein entsprechendes Vorhaben ist im Koalitionsvertrag der Bundesregierung verankert. Konkrete gesetzliche Schritte stehen jedoch immer noch aus. Auf eine kleine Anfrage der Grünen-Fraktion erklärte die Bundesregierung lediglich, dass an einem Gesetz gearbeitet werde und ein Opt-out-Modell geprüft werde.
Angebotspflicht und Opt-out-Modell in der Diskussion
Ein solches Modell sieht vor, dass Elementarschutz automatisch Bestandteil neuer Policen ist, Kundinnen und Kunden ihn jedoch aktiv abwählen können. Die Devk setzt dieses Prinzip nach eigenen Angaben bereits seit 2011 um. „Bei uns müssen Kundinnen und Kunden seit 2011 die Elementardeckung bewusst abwählen, wenn sie darauf verzichten möchten. Damit schützen wir unsere Versicherten vor bösem Erwachen, falls doch was passiert“, erklärt Dr. Michael Zons, der im Devk-Vorstand für das Ressort „Kunde“ zuständig ist. Nach Angaben des Unternehmens liegt die Absicherungsquote in der eigenen Wohngebäudeversicherung deutlich über dem Branchenschnitt. Im Dezember 2025 verfügten dort 67 Prozent der Verträge über eine Elementarschadendeckung.
Auch der Branchenverband GDV unterstützt eine Angebotspflicht im Neugeschäft sowie eine Erweiterung bestehender Verträge zu einem festen Stichtag. Eine echte Pflichtversicherung würde darüber hinausgehen. Dann müsste jedes Wohngebäude gegen Naturgefahren abgesichert werden, ähnlich wie bei der Kfz-Haftpflichtversicherung mit risikobasierten Beiträgen. Laut der Civey-Umfrage befürworten 62 Prozent der Bevölkerung ein solches Modell, während etwa ein Viertel dagegen ist. Unter Eigentümerinnen und Eigentümern steigt die Zustimmung sogar auf 72 Prozent.
Viele Haushalte unterschätzen ihr Risiko
Gleichzeitig offenbart die Umfrage deutliche Lücken beim tatsächlichen Versicherungsschutz. Mehr als 27 Prozent der Befragten geben an, gar nicht gegen Naturereignisse wie Starkregen versichert zu sein. Als wichtigste Gründe nennen sie die Einschätzung, dass ein solcher Schutz an ihrem Wohnort nicht erforderlich sei. Das sagen 41 Prozent der Befragten. 32 Prozent gehen davon aus, dass sich die Eigentümerin oder der Eigentümer um eine entsprechende Absicherung kümmern müsse.
Auch unter Immobilienbesitzerinnen und -besitzern gibt es eine relevante Gruppe ohne Elementarschutz. 14 Prozent geben an, keinerlei Versicherung gegen entsprechende Schäden zu haben. Der Hauptgrund ist auch hier die Einschätzung, dass die eigene Wohnlage nicht risikogefährdet sei. 62 Prozent dieser Gruppe begründen ihre Entscheidung damit.
Versicherer wie die Devk sehen darin häufig eine Fehleinschätzung. Risiken durch Starkregen oder Überschwemmungen könnten auch außerhalb klassischer Hochwassergebiete auftreten. „Eine nachhaltige Lösung braucht ein integriertes Gesamtkonzept“, betont Zons. „Dazu gehören staatliche Prävention, eine verantwortungsbewusste Bauplanung und eine fundierte Risikobetrachtung“, so Zons.













