Emerging Markets erleben ein riesiges Comeback

Börsen, E-Commerce und Konsum – Attraktive Kapitalanlagen

Als aktive Fondsmanager ziehen wir ein investierbares EM-Aktienuniversum von ungefähr 6.000 Unternehmen in Betracht, verglichen mit rund 800 Unternehmen in der MSCI EM Benchmark. Eine Ausweitung des Schwellenmarktuniversums bietet eine deutlich größere Flexibilität bei der Titelselektion: Unattraktive Unternehmen, die den Index dominieren, können gemieden und stattdessen solche mit einem höheren Renditepotenzial ausgewählt werden. Unser Portfolio ist zur Hälfte in Emerging Markets Unternehmen investiert, die nicht im Standardindex enthalten sind.

Im Finanzsektor sehen wir Wertpapierbörsen als deutlich attraktivere Alternative zu staatlichen Banken, da sie nur einem begrenzten Wettbewerb ausgesetzt sind. Ferner zeichnen sie sich durch einen geringen Kapitalbedarf und starke Cashflows aus. Wir sind mit unserem Portfolio zu mehr als 10 Prozent in Aktien von Börsen auf der ganzen Welt investiert – von Hongkong über Südafrika bis Mexiko. Für die Anleger in kapitalisierungsgewichteten Exchange-Traded Funds repräsentieren Börsen weniger als 0,4 Prozent der EM-Benchmark.

Mobile Datennutzung bietet Chancen

Die Ausbreitung der mobilen Datennutzung in den Schwellenländern halten wir für ein weiteres interessantes Thema, allerdings nicht in Bezug auf den Telekomsektor. Die Datennutzung könnte in den nächsten fünf Jahren um das Zehnfache zulegen, wobei es bessere Möglichkeiten gibt, um in dieses explosive Wachstum zu investieren: über Unternehmen mit erfolgreichen E-Commerce- und Online-Plattformen oder entsprechenden logistischen Aktivitäten. Sie profitieren von der rasant zunehmenden Smartphone-Penetration, unterliegen aber nicht demselben Wettbewerbsdruck wie die den Index dominierenden Telekombetreiber.

Vom E-Commerce einmal abgesehen erachten wir die Verbraucherbranchen generell als die attraktivste Gelegenheit, die die Schwellenländer zu bieten haben. Immerhin dürften in den nächsten zehn Jahren rund 1,5 Milliarden Menschen den Sprung aus der Armut in die Mittelschicht schaffen. Der private Konsum wird dabei in allen Bereichen kräftig steigen, angefangen bei solch banalen Dingen wie Gebäck bis hin zu Waschmaschinen und Medikamenten.

Aktives Investieren als Schlüssel zum Erfolg

Wie das Telekommunikationsbeispiel zeigt, ist Wachstum allein sicher nicht ausreichend, um gute Anlagerenditen zu erzielen. Wir können jedoch zahlreiche Unternehmen finden, die an diesem starken Wachstum teilhaben und sich obendrein noch durch nachhaltig hohe Kapitalrenditen sowie eine solide Unternehmensführung auszeichnen – ganz zu schweigen von dem erheblichen Abschlag, mit dem sie zum Substanzwert gehandelt werden. So haben wir auch im Vergleich zur Benchmark-Gewichtung 50 Prozent mehr Kapital in verbraucherorientierte Titel investiert.

Die aufstrebenden Volkswirtschaften sind jung und dynamisch und sie wachsen. Wir sind daher überzeugt, dass alle Anleger hier eine strategische Allokation unterhalten sollten. Jenen, die ein entsprechendes Engagement anstreben, raten wir jedoch zur Vorsicht vor der Benchmark. Aktien der Schwellenländer sind keine Anlageklasse für passives Investieren. Prashant Khemka ist Manager des GS Growth & Emerging Markets Broad Equity Portfolios bei Goldman Sachs Asset Management

Foto: Goldman Sachs Asset Management

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