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Emmanuel Peterfalvi („Alfons“) über Geldanlage: „Die Jacke musste es sein“

Emmanuel Peterfalvi
Foto: Florian Sonntag
Emmanuel Peterfalvi

Cash. sprach mit dem Kabarettisten Emmanuel Peterfalvi („Alfons“) über seine Erfahrungen und Strategien bei der Kapitalanlage.

Herr Peterfalvi, Ihre erste größere Geldanlage – erinnern Sie sich?

Peterfalvi: Das war nicht meine eigene Investition. Der Weihnachtsmann hat sie für mich gemacht. Als ich sechs Jahre alt war, hat er mir einen Kassettenrekorder mit einem kleinen Mikrofon gekauft. Das war sehr sinnvoll, weil ich direkt anfing, meine Familie damit zu interviewen. Ich habe in dem Moment eine Passion für Audio und Radio entwickelt.

Worin haben Sie später investiert?

Peterfalvi: Ich bin gut in emotionalen Investitionen. Meine größte emotionale Investition war die orangefarbene Jacke von „Alfons“, die noch aus DDR-Zeiten stammt. Ich habe sie in Hamburg in einem Kostümfundus entdeckt – zu einer Zeit, in der ich auf der Suche nach Inspiration war. Ich zog sie an, blickte in den Spiegel und spürte sofort, dass gerade etwas ganz Besonderes passiert. Rückblickend würde ich sagen: An diesem Tag ist „Alfons“ geboren. Allerdings konnte man die Jacke nur für vier Wochen mieten. Die Leute vom Kostümfundus haben es mehrmals abgelehnt, mir die Jacke zu verkaufen. Also musste ich sie für meine Drehs als „Alfons“ immer wieder mieten und habe ein Vermögen an Mietgebühren bezahlt. Irgendwann hatte ich dazu keinen Bock mehr und habe denen gesagt: „Ich habe die Jacke verloren. Was muss ich euch zahlen?“ Dann haben wir uns auf eine Summe geeinigt. Ich habe also sehr viel Geld für diese Jacke bezahlt – aber sie musste es sein.

Sind Sie eher ein risikofreudiger oder sicherheitsorientierter Anleger?

Peterfalvi: Ich schätze mich als inkompetent ein. Ich habe keine Ahnung von diesen Themen und sie stressen mich. Als Künstler habe ich das Gefühl, dass ich meinen Job bis zum letzten Atemzug machen und damit Geld verdienen werde. Ich weiß, dass das total irre ist. Aber es anders zu denken, macht mich kaputt. Ich habe natürlich dies und das gemacht und bin auch Mitglied bei der Künstlersozialkasse. Obwohl ich selbständig bin, werde ich also eine Rente bekommen. Aber wenn sich Spezialisten meine Altersvorsorge anschauen würden, würden sie wahrscheinlich fragen: „Was machst du da?“ Für meine „Grand-Mère“-Stiftung für Menschlichkeit und Demokratie habe ich kürzlich ein Konto bei der Hamburger Sparkasse (Haspa) eröffnet. Als ich den Termin in der Stiftungsabteilung der Haspa hatte, fragte man mich, ob ich weiß, dass ich dort noch ein 30 Jahre altes Sparkonto habe. Davon hatte ich keine Ahnung und war gespannt, wie viele Millionen wohl auf dem Konto sein würden. Es waren 30,30 Euro.


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Die Deutschen gelten als sehr risikoscheu und skeptisch gegenüber den Aktienmärkten. Sind die Franzosen eigentlich genauso?

Peterfalvi: Ich habe nicht den Eindruck, dass die Franzosen risikofreudiger sind als die Deutschen und ganz viel Geld in Aktien anlegen. ETFs machen das Investieren zwar einfacher und kostengünstiger und ich höre von Freunden, dass sie das toll finden. Aber ich weiß, dass in Frankreich momentan extrem viel Geld angespart wird – weil die Menschen Angst vor der Zukunft haben.

Sie haben Ihre „Grand-Mère“-Stiftung gerade schon erwähnt. Wie kam es zu der Gründung und was macht die Stiftung konkret?

Peterfalvi: Die Gründung hängt mit einem Theaterstück zusammen, das ich immer noch spiele. Das Stück heißt „Alfons – jetzt noch deutscherer“. Es befasst sich mit meiner Einbürgerung, denn ich besitze seit 2017 neben der französischen auch die deutsche Staatsbürgerschaft. Ich bekam damals einen Brief vom Hamburger Bürgermeister Olaf Scholz, in dem er fragte, ob ich nicht Deutscher werden möchte. Dieser Brief hat ganz viel bei mir ausgelöst. Ich lebte zu diesem Zeitpunkt bereits 30 Jahre in Deutschland und hatte mir nie die Frage gestellt, ob ich Deutscher werden will. Als der Brief kam, wusste ich nicht, ob ich es machen soll oder nicht. Es kamen viele Erinnerungen an meine Großmutter in mir hoch, denn sie war Auschwitz-Überlebende – eine großartige Frau, die es geschafft hat, die Deutschen nie zu hassen. Als Kind war das für mich nicht verständlich – nach allem, was sie erlebt hatte. Sie versprach, es mir zu erklären, wenn ich alt genug dafür sei. Aber dann ist sie gestorben, noch bevor sie es mir erklären konnte. Eigentlich hat sie ihr Versprechen aber doch gehalten. Sie hat etwas für mich hinterlassen, wovon sie genau wusste, dass ich es erst sehr viel später finden würde. Darin ist die Erklärung enthalten. Und mit dieser Erklärung war für mich dann auch klar, dass ich mich einbürgern lassen werde. Die Erklärung verrate ich aber nicht, die erfährt man in meinem Theaterstück. Das Stück bewegt sehr viele Menschen. Auch viele Lehrkräfte haben es gesehen und danach zu mir gesagt, dass es auch ihre Schülerinnen und Schüler unbedingt sehen müssten. Deswegen habe ich eingeführt, dass Schulklassen immer eine Möglichkeit haben, Plätze zu bekommen. Sie schauen sich das Stück an und am nächsten Tag komme ich zu ihnen in die Schule und rede mit ihnen über Demokratie. Irgendwann habe ich aber gemerkt, dass das noch nicht reicht. Ich wollte mehr machen, Workshops organisieren und mit Partnern zusammenarbeiten. Das ist aber eine ganz andere Dimension, dafür braucht man auch eine Finanzierung. Deshalb habe ich 2025 die Stiftung gegründet und sie nach meiner Großmutter benannt.

Wie sehr besorgt Sie der Rechtsruck, den wir gerade in vielen europäischen Staaten erleben?

Peterfalvi: Das besorgt mich natürlich sehr. Es macht mich verrückt, dass eine Partei wie die AfD, die als rechtsextremistisch eingestuft wird, möglicherweise bald die beliebteste Partei in Deutschland ist. Wie kann das passieren? Ich verstehe ja, dass viele Menschen aus guten Gründen frustriert sind. Aber dass die rechtsextreme Propaganda so gut funktioniert, macht mich sehr unruhig. Ich versuche, aus dieser Erstarrung herauszukommen – zum Beispiel durch die Gründung meiner Stiftung. Denn wenn wir alle in dieser Erstarrung bleiben, wird es sehr gefährlich. Es ist jetzt schon gefährlich.

Das Gespräch führte Kim Brodtmann, Cash.

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