Heikedine Körting: „Ich war schon immer eine Spartasche“

Foto: Florian Sonntag
Heikedine Körting

Cash. sprach mit der Hörspielproduzentin Heikedine Körting über ihre Erfahrungen und Strategien bei der Kapitalanlage.

Frau Körting, Ihre erste größere Geldanlage – erinnern Sie sich?

Körting: Als ich Ende der 1960er-Jahre in Genf Jura studierte, arbeitete eine Freundin von mir dort als Sekretärin für Bernie Cornfeld, den Gründer der Fondsgesellschaft IOS (Investors Overseas Services), der später beschuldigt wurde, betrügerische Investments verkauft zu haben. Zwei IOS-Mitarbeiter luden mich in eines der teuersten Hotels der Stadt ein, es gab Cognac. Sie sagten, ich solle unbedingt in IOS-Aktien investieren und rechneten mir hohe Renditen vor. Sie waren sehr raffiniert und haben mich auch gefragt, ob ich nicht Kunden für IOS anwerben wolle, damit würde ich bestimmt in kurzer Zeit eine Million verdienen. Danach schrieb ich meinem Vater: Ich weiß jetzt den Weg zum Millionär! Er schrieb zurück: Du bist wohl verrückt geworden! Mit meinen gesparten 4.000 DM habe ich dann IOS-Aktien gekauft – da war mein erstes Geld weg.

Worin haben Sie später investiert?

Körting: Ich bin zunächst gut damit gefahren, in deutsche Aktien zu investieren, zum Beispiel von Bayer, Beiersdorf und der Deutschen Bank. Als ich aber in Lufthansa-Aktien investierte und der Kurs bald darauf in den Keller ging, fing ich an, mich auch für ausländische Titel zu interessieren. Grundsätzlich bin ich beim Investieren eher sicherheitsorientiert. Mit ist es wichtiger, das zu halten, was ich habe, und es ein bisschen zu vermehren, als nach den Sternen zu greifen. Das hat mich aber leider nicht vor weiteren Pleiten bewahrt. (lacht)

Woher kommt dieses Sicherheitsbedürfnis?

Körting: Ich war schon immer eine Spartasche und hatte auch als Kind schon viele kleine Jobs. Wenn ich mir etwas kaufen wollte, musste ich immer die Hälfte des Geldes geben und mein Vater gab die andere Hälfte dazu. Geld hat mir schon immer etwas bedeutet, auch weil ich in den Nachkriegsjahren mitbekommen habe, wie es ist, kein Geld zu haben. Meine Mutter stellte sich damals oft beim Arzt für Hustensaft an, damit meine beiden Brüder und ich wenigstens etwas Süßes auf unseren Broten hatten. Später musste ich miterleben, wie mein Vater mit seiner Baufirma pleite ging. Deshalb weiß ich, wie es ist, wenn alles wieder verloren geht. Der Sicherheitsgedanke wurde mir von allen Seiten eingebläut.

Nach dem Jura-Studium haben Sie zunächst als Anwältin gearbeitet. Wie weit war Ihr Weg in die Hörspielbranche?

Körting: Der Weg entwickelte sich parallel zu meinem Studium. Ich musste mein Studium mitfinanzieren und habe alles gemacht, was mir einfiel: Ich habe zum Beispiel für die „Lübecker Nachrichten“ Artikel geschrieben und einen kleinen Kleider- und Plattenladen namens „Klimbim“ an der Hamburger Uni aufgemacht. Außerdem nahm ich wieder Kontakt zu meinem früheren Bekannten und späteren Ehemann Andreas Beurmann auf, der das Hörspiellabel „Europa“ mitgegründet hatte. Ich fragte ihn, ob ich nicht mal Hörspielmanuskripte schreiben dürfte. Ich hätte aber niemals gedacht, dass das mal etwas Berufliches werden würde. Das war einfach nur ein toller Job und ich bekam für ein Manuskript 500 DM, das war nicht schlecht. Nach dem zweiten Staatsexamen spezialisierte ich mich dann als Anwältin auf Urheberrecht und hatte dadurch viel mit Schauspielern zu tun, zum Beispiel mit Horst Frank. Zeitmäßig gewannen aber sehr schnell die Hörspiele die Oberhand, insbesondere als die Kassette und der Walkman auf den Markt kamen und der Kinderhörspielsektor raketenartig in die Höhe schoss – eine Kassette von „Europa“ kostete damals nur 5 DM.

Wann haben Sie gemerkt, dass Sie davon leben können und wollen?

Körting: Das war 1979, als Andreas Beurmann und ich heirateten und beschlossen, dass wir den Weg „Europa“ gemeinsam gehen wollen. Ich hatte mich ja schon sehr auf das Medium Hörspiel eingelassen und es machte mir große Freude. Damals hatte ich 16-Stunden-Tage und arbeitete auch an den Wochenenden durch. Trotzdem war die Entscheidung gar nicht so einfach: Dadurch, dass die Musiksparte nicht mehr gut lief, waren die Mitarbeiter abhängig von der Hörspielsparte und mir. Das habe ich damals auch als großen Druck empfunden.

Viele Vinyl-Raritäten sind in den letzten Jahren stark im Wert gestiegen. Investieren Sie auch in Vinyl?

Körting: Investieren nicht. Aber dadurch, dass ich so viele Hörspiele produziert habe, habe ich große Archive in der Rothenbaumchaussee in Hamburg und in Hasselburg in Schleswig-Holstein, wo mein Mann und ich 1977 ein Gutshaus übernommen haben. Dort ist in einem Kavaliershaus alles voller Bänder, Schallplatten und Kassetten. Die habe ich aber nicht in der Hoffnung aufbewahrt, dass sie vielleicht später mal viel wert sind, sondern aus seelischen Gründen.

Das Gespräch führte Kim Brodtmann, Cash.

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