Der Iran-Krieg lässt die Energiepreise und damit die Inflation weltweit steigen, wodurch die Zentralbanken in Alarmbereitschaft versetzt werden. Die Europäische Zentralbank (EZB) wird zwar bei ihrer Märzsitzung den Einlagesatz bei 2,0 Prozent belassen, an den Finanzmärkten wird aber bereits über eine Leitzinsanhebung in den kommenden Monaten spekuliert. Sollte sich der Nahost-Konflikt jedoch, wie von uns erwartet, in einigen Wochen beruhigen, wird die EZB höchstwahrscheinlich durch den daraus resultierenden temporären Inflationsschub hindurchschauen und den Leitzins unverändert lassen. Und selbst im Falle, dass die Energiepreise längerfristig auf dem aktuellen Niveau verharren würden, wäre es für die EZB schwierig, die Geldpolitik zu straffen. Denn in diesem Szenario würde das Wirtschaftswachstum in der Eurozone möglicherweise zwischenzeitlich zum Erliegen kommen.
Da die USA Nettoenergieexporteur sind, ist der konjunkturelle Schaden durch steigende Energiepreise geringer. Die Verbraucher spüren aber auch in Amerika die deutlich gestiegenen Preise an den Tankstellen. Dies wird der Inflationsrate, die bereits vor Ausbruch des Krieges deutlich über dem Zweiprozentziel der US-Notenbank gelegen hat, weiteren Auftrieb geben. Dadurch verringert sich der Spielraum der Federal Reserve (Fed), den Leitzins weiter zu senken. Der Iran-Krieg hat einer Leitzinssenkung der US-Notenbank im März definitiv den Riegel vorgeschoben. Voraussichtlich wird es bis Juni dauern, bevor die Fed das Leitzinsband erneut um 25 Basispunkte auf dann 3,25 bis 3,5 Prozent senken wird. Und das auch nur, wenn sich der Konflikt zeitnah beruhigt. Sollten die Energiepreise hingegen länger auf dem aktuellen Niveau bleiben, wäre die US-Notenbank wahrscheinlich dazu gezwungen, weitere Leitzinssenkungen auf die lange Bank zu schieben.
Autor Dr. Felix Schmidt ist Leitender Volkswirt bei Berenberg.











